K12.

Während Deutschland einen Hitzerekord nach dem anderen feiert, tauchten wir die letzten Tage in unsere ganz eigene Blase ab. Leider nicht um uns im kühlen Nass zu erfrischen, sondern vielmehr ins nicht klimatisierte Krankenhaus, genauer gesagt in die Kinderchirurgie in Dortmund, Station K12. Ein lange geplanter Termin, nach vielen Besuchen bei anderen Ärzten und basierend auf unserem Krankenhausaufenthalt im Januar.

Im Vorfeld gab es eine Vielzahl an Optionen, wie Hedi geholfen werden kann und die Wahrscheinlichste sollte nun durchgeführt werden, kleiner Eingriff von den Experten für solche Diagnosen. Positiv gestimmt bezogen wir unsere temporäre Unterkunft, begleitet von ersten Eindrücken und Schicksalen anderer Eltern. Irgendwie scheint die Zeit in einem Krankenhaus langsamer zu verstreichen, gar still zu stehen. Ich durfte E. und ihren Vater kennen lernen, denn wir teilten uns für die ersten Stunden ein Zimmer, bevor wir nochmal nach schräg gegenüber verlegt wurden. E. ist erst eine Woche alt und hatte ihren Magen und ein paar andere Innereien sicher in einem Beutel verpackt außerhalb ihres Körpers an einem Gestell über sich hängen. Sie ist mit offenem Bauch auf die Welt gekommen und man vertraut die nächsten Wochen auf die Schwerkraft, dass diese quasi von alleine alles reguliert. Welch tapfere Eltern sie hat, die sich abwechselnd um die ältere Tochter zu Hause im Sauerland kümmern und jeden Tag pendeln müssen um alles irgendwie organisiert zu bekommen. Die Mutter selbst noch geschwächt von der Geburt, zerreißt sich herzergreifend mit ihrem Mann für die Familie. Dann hört man Gespräche von Krankenschwestern über einen kleinen Patienten, der später am Tag auf die Station kommen soll. Eltern haben sich gestritten, Kind war im Maxi Cosi festgeschnallt und ist damit die Treppe heruntergefallen. Unfassbar was alles jeden Tag passiert.

Mittlerweile sind wir auf Zimmer 2.05 umgezogen, die Hitze steigt ins Unermessliche und Hedi schwitzt mit ihrem Papa um die Wette. Erste Voruntersuchungen verursachen bei allen beteiligten Stress und steigende Schweißausbrüche. Hedi versteht gar nicht was los ist, weiß aber sehr genau für sich, dass sie die Menschen in weiß gekleidet nicht mag. Wie gerne würden wir ihr erklären können: Wieso, weshalb, warum.

Der Tag verstreicht in Zeitlupe, umso mehr verwirrt es mich, bereits um 16:45 Uhr Abendbrot zu bekommen: zwei trockene Scheiben Graubrot und Teewurst. Ein trauriger Anblick und ein noch traurigeres, kulinarisches Lowlight.
Um die nächsten Stunden abzukürzen: Die Nacht war eine Herausforderung. Es war heiß und Hedi konnte lange nicht einschlafen, aufgrund der Eindrücke und der ungewohnten Umgebung. Die Lösung war Nähe und so schlief das kleine Heizkraftwerk an mich geklammert völlig erschöpft ein.

Der Tag der OP begann für uns bereits um 5:15 Uhr, Hedi hellwach und fit. Gut, dass wir bereits um 8:00 Uhr als Erste in den OP konnten und somit der Zeitraum zum Überbrücken relativ übersichtlich blieb. Als Hedi dann um kurz vor Acht vorbereitet wurde und ihr viel zu großes OP Hemdchen anziehen musste, da kommen mir bei der Erinnerung immer noch die Tränen. Schlagartig fühlte ich mich an die Zeit im Januar zurückversetzt. Absoluter Kontrollverlust. Gott sei Dank hatte sie bereits zwei Pflaster zur Beruhigung und wurde ganz schläfrig, während sie bei Lisbeth auf dem Arm immer ruhiger wurde. Ich bewundere Lisbeth sehr dafür, wie stark sie war, als sie Hedi Richtung OP begleitete. Als die kleine Karawane Richtung OP aufbrach, war da plötzlich für ein paar Minuten eine unfassbare Stille in Zimmer 2.05. Ich saß alleine vor meinem Frühstück und brach in Tränen aus. Jetzt kann man sagen. „Ja, da musste eben durch….wird schon“ Klar!
Während Hedi im OP war, haben wir eine Runde um die Klinik gedreht, um uns abzulenken, die Zeit zu vertreiben und die Gedanken mal zu lüften. Zurück in der Klinik kam dann irgendwann die Nachricht: „Ihre Tochter wartet im Aufwachraum auf Sie“ Der schönste Satz, hatte unsere kleine Motte scheinbar alles überstanden.

Relativ schnell war Hedi wieder die Alte, forderte ihr Mittagessen ein und trank ordentlich ihr Getränk, wunderte sich über die Verkabelung an ihrer Hand und machte schnell wieder Schabernack. Wir wunderten uns ein wenig. Hatte sie nicht gerade eine OP, inkl. Vollnarkose? Erstaunlich.

Irgendwann erschien dann eine Ärztin bei uns, um zu erklären was gemacht bzw. in unserem Fall leider nicht gemacht wurde. Denn wie sich beim Blick durch die Kamera herausstellen sollte, konnte man nicht den minimalen Weg gehen, sondern wir müssen uns mit dem Gedanken befassen, dass eine größere OP auf Hedi zukommt. Plötzlich standen Fakten wie „Transplantation“ im Raum und wir blieben niedergeschlagen und verwirrt im Zimmer zurück. So hatten wir doch Hoffnung und Zuversicht , „geheilt“ nach Hause gehen zu können. Stattdessen wurden Termine für Oktober koordiniert und wir in den heißesten Tag ever nach Hause entlassen.

24 Stunden später hat uns der Alltag wieder. Einkaufen, Rezept abholen und ausgiebiges Spielen in Hedis Küche. Die Gedanken müssen weiter sortiert werden, zusätzliche Meinungen und Durchatmen werden dabei helfen. Fakt ist: Wir werden auf unser Bauchgefühl hören und Hedi alles ermöglichen, was notwendig ist. So wie wir es immer tun, als Familie und kleine Gang.

Hinter all diesen Fenstern.

Da habe ich dich eben in den Bus gesetzt, in dem bereits die „Leih-Omma“ auf dich wartete.
Die 354 Richtung Tierpark, Flamingos gucken und allerlei andere Tiere mit einem lauten „DAA“ entdecken. Während deine Mama an ihrer Masterarbeit formuliert und ich frischen Waffel Teig angesetzt habe, kommt mir der Gedanke das der Tierpark gar nicht so weit von der Kinderklinik entfernt ist. Die Kinderklinik, unser Temporäres zu Hause im Januar für fast eine Woche. Immer noch sehe ich die Bilder vor Augen aus dieser Nacht, wo wir nicht wussten was mit dir los war kleine Hedi.

Was für ein Abenteuer diese Tage doch sein sollten, leider verbunden mit negativen Erinnerungen deinerseits an weiße Kittel, die sofort „Gefahr“ für dich darstellten. Ängste und Gefühle unsererseits, die wir als deine Eltern, so noch nicht kannten.

Nun kühlt der frische Waffelteig so vor sich hin und mir kommen die Gedanken an nächste Woche, denn du wirst operiert, ein notwendiges Übel, welches wir dir gerne erspart hätten. Aber um so einen Vorfall, wie im Januar auszuschließen, leider nicht anders machbar. Aber: ein gutes, halbes Jahr ist vergangen und (man!) was hast du dich verändert!? Du bist jetzt ein kleiner Waldwichtel und meisterst den spielerischen Alltag in der Wichtelstube ganz wunderbar, du bist viel sicherer geworden in deinem Handeln, wie selbstverständlich entziehst du dich brenzligen Situation aka. plötzlich sind alle in der Spielküche und wollen auch kochen, wohl wissend das in der Küche die besten Party´s stattfinden, aber man soll ja auch gehen, wenn es am schönsten ist. Als ob es nie anders gewesen wäre läufst du durch unsere Wohnung und bringst Dinge von A nach B und manchmal auch noch nach C und D. Und was du uns alles erzählst, jeden Tag aufs Neue, all das was du so erlebst, mit uns, im Wichtelstübchen oder mit der „Leih-Omma“.

Das alles lässt mich beruhigt auf nächste Woche schauen, wohl wissend das wir im Krankenhaus in guten Händen sind, einen emphatischen Arzt haben, der bei deiner ersten Untersuchung sofort seinen weißen Kittel auszog, als er deinen sehr skeptischen Blick bemerkte und du direkt ruhiger wurdest. Die paar Tage, die meistern wir gemeinsam als Familie. Zusammen, wie wir es immer tun. Du bist ein starkes Mädchen, angekommen auf dieser Welt, da werden uns ein paar Tage Krankenhaus nicht aus der Bahn werfen.

Deine Mama und ich machen gerade eine kleine Pause, heizen das Waffeleisen vor und hören die aktuelle Lieblingsplaylist und freuen uns darauf, wenn du nachher nach Hause kommst. Die erste Waffel ist bereits fertig.

Einer von 5%.

„Vaterschaft verändert sich: Väter heute haben ein neues Selbstverständnis. Sie wollen sich aktiv und auch im Alltag um ihre Kinder kümmern. Gerade junge Paare wollen auch als Eltern gleichberechtigt leben. Tatsächlich erziehen und betreuen Väter ihre Kinder heute mehr als sie es von ihren eigenen Vätern kennen. Sie wünschen sich vielfach noch mehr Zeit für die Familie.“ (Auszug aus dem Väterreport 2019 des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Nur ca. 5% der Väter gehen nach ihrer Elternzeit in Teilzeit zurück in ihren Job, habe ich neulich auf dem Weg nach Hause irgendwo gelesen - auf dem Weg nach Hause nach Feierabend. Denn mein Jahr Elternzeit ist vorbei und nun bin ich einer von den 5%. Es ist ein gutes Gefühl diese Entscheidung getroffen zu haben, so kann und möchte ich mir aktuell nicht vorstelle, wie es wohl wäre, wenn ich wieder Vollzeit arbeiten würde und ja ich weiß: Bei den meisten der „restlichen“ 95% gibt es gute Gründe dafür oder dagegen. Mittlerweile gibt es in unserer Gesellschaft so viele unterschiedliche Lebens – und Arbeitsmodelle, da muss jeder seinen Weg finden und das versuchen wir gerade. Unseren Weg finden, klingt einfach, ist es aber nicht. Egal ob Teilzeit oder Vollzeit, da geht es plötzlich los: das Organisieren und Planen. Wer kann wann wo abholen? Arzttermin am 27.? Ja, geht…gehe ich etwas später ins Büro. Die Herausforderungen sind die gleichen, wenn auch zeitlich etwas flexibler, wenn man Teilzeit arbeitet.

Warum gehen wir diesen Weg? Das werden wir oft gefragt, manchmal führt unser Modell zu Erstaunen und/oder Neugier. Manchmal vielleicht auch zu Kopfschütteln, denn schließlich “muss” der Mann ja die Kohle nach Hause bringen. Kennt man, akzeptiert man. Wir gehen diesen Weg, weil wir freier sein möchten, freier in unserer gemeinsamen, gleichberechtigten Erziehung. Weil wir mehr Zeit als Familie verbringen möchten, mehr Auszeiten schaffen möchten.
Ob der Teilzeit-Weg einfach ist?? Sicherlich nicht, im Gegenteil. Finanzielle Aspekte, gesellschaftliche Diskussionen, Planungen… all das und noch viel mehr ist immer präsent. Aber auf der anderen Seite ist die Zeit. Zeit, die sich nicht in Geld aufwiegen lässt. Momente, die ich nicht missen möchte, die ich vielleicht verpasst hätte in Vollzeit. Und nach einer knappen ersten, vollen Woche kann ich für mich sagen: Es ist ungewohnt in Teilzeit zu arbeiten, generell wieder zu arbeiten, aber es erfüllt mich auch, weil ich a) etwas mache woran ich Spaß habe und b) eben, weil es in Teilzeit ist. Dieser Gedanke macht mich deutlich entspannter und glücklicher in meinem väterlichen Alltag bzw. in unserem Familienalltag.

Macht mich also Teilzeit zu einem “besseren” Vater? Ich weiß es nicht, denn in diesem Zusammenhang das Wort „besser“ zu wählen wäre anmaßend. Aber ich bin mir sicher, dass es etwas mit der Bindung zu meinem Kind macht, dass diese intensiver ist und wird. Der Gedanke macht mich zu einem sehr glücklichen Vater, Gefährten und Vertrauten für meine Tochter. Gleichzeitig verschafft uns diese Entscheidung Freiraum für Ideen, Projekte und Kreativität. Er ermutigt mich und uns an unsere Ziele und Träume zu glauben. Sie nicht einfach nur Träume sein zu lassen, sondern sie weiter beharrlich zu verfolgen. Für uns als Familie.

Kein Ruf.

Als ich den Laptop aufklappte erschien auf dem Bildschirm ein plakatives „Akkustand niedrig!“
„Eben“ dachte ich mir, so kam ich doch aus dem Krankenhaus und war zu dem Zeitpunkt gute 40 Stunden wach und wollte eigentlich nur ein wenig Musik als Hintergrundbeschallung anmachen.
Krankenhaus? 40 Stunden wach? Was war passiert bzw. ist los? Tatsächlich sind die letzten Stunden wie im Film an uns vorbeigezogen, so erschlagend und teilweise lähmend waren die Ereignisse und Momente.

Mittwochabend hatte Hedi nach ihrem spätabendlichen Snack gebrochen, kann passieren und das auch eher selten bis gar nicht. Als wir sie beruhigen und sauber machen wollten, bemerkten wir wie kalt sie sich anfühlte. Ausgezogen auf dem Wickeltisch war sie plötzlich blaugrau, zitterte am ganzen, kleinen Körper, krampfte und schaute uns panisch mit großen Augen an, während sie die ganze Nachbarschaft geweckt haben muss. Was dann begann kann man wohl „elterliche Intuition“ nennen.

„Wir müssen ins Krankenhaus“. Wir zogen uns sofort an, packten noch den Lieblingsteddy von der Oma ein und fuhren in die Kinderklinik. Dort angekommen bekamen wir es mit einer eher überforderten Mitarbeiterin am Empfang zu tun, die uns durch ihre panischen Aussagen nur noch mehr verunsicherte. Derweil übergab sich Hedi in den Empfangsbereich und nach einer gefühlten Ewigkeit (wahrscheinlich nur zwei Minuten), kam aus dem Nichts eine Ärztin zu uns, nahm uns Hedi ab und bat uns ihr zu Folgen. Das war tatsächlich nicht einfach, übermannt von Emotionen und dem nicht Wissen was da gerade passiert, folgten wir Richtung Intensivstation. Hedi´s große Augen und panischen Blick zu uns werde ich niemals nicht vergessen können. Der arme Wurm wusste so gar nicht was los war, ebenso wenig wie wir.

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Auf der Station angekommen ging eine krankenhäusliche Maschinerie an Fragen und Abläufen los. Wir versuchten Fassung zu bewahren, was uns aber nicht gelang. Hedi war so aufgeregt und tapfer zugleich als man ihr einen Zugang am Kopf legte, um ihr Blut abzunehmen. Die Ergebnisse dafür kamen recht schnell zurück und waren ein Schock. Entzündungswerte sollten <5 sein, waren aber deutlich über 100. Das hatte zur Folge das Nervenwasser entnommen werden musste, ein kleiner Eingriff unterhalb der Wirbelsäule inkl. Sedierung. Wir mussten Hedi also kurzzeitig zurücklassen, wir konnten ihr weinen und wimmern hören und da brachen unsere Herzen endgültig. Die Ärztin merkte uns natürlich an, wie es uns erging und verabschiedete uns mit den Worten „Ich passe auf ihre kleine Tochter auf“. Dieses Vertrauen was wir plötzlich haben mussten in Menschen, die wir erst vor zwanzig Minuten kennengelernt hatten.

In dieser Nacht habe ich eine Form von Angst verspürt, welche ich bis dato nicht kannte.
Ich habe große Angst vor Zahnärzten oder aber Präsentationen zu halten bereitet mir Unbehagen. Aber das war eine neue, unbekannte Dimension. Unser tapferes Mädchen kam eine halbe Stunde später wieder zu uns und wir bezogen Zimmer 16 auf der Station mit der Gewissheit wahrscheinlich bis Sonntag in der Klinik ausharren zu müssen. Irgendwann in der Nacht bekamen wir das Erste, mutmaßliche Ergebnis. Das Wort „Blutvergiftung“ stand plötzlich im Raum. Wie bitte? Warum, woher? So hatte ich doch noch Nachmittags mit Hedi gespielt und ihr ging es prächtig.

Was folgte war Rat- und Schlaflosigkeit. Komplettes funktionieren, ferngesteuert und mit freundlicher Unterstützung durch Krankenhauskaffee aus der Pumpkanne.
Hedi hält sich tapfer und die Medikamente helfen ihr, sie spielt wieder und ist sehr fasziniert von ihrem Bettchen im Krankenhaus, so hatte es doch so viele Gitterstäbe, die es zu erkunden gilt.

Nun hat der vierte Tag 2019 begonnen, der Akku vom Laptop zeigt 100% und meine Energie kommt langsam wieder dank frischen Kaffee und einer ordentlichen Mütze Schlaf. Ich habe noch nie so viel Sorge in meinem Leben gehabt wie in den letzten Stunden, aber wir haben ein starkes Mädchen als Tochter und Montag nehme ich meine Familie wieder mit nach Hause. Gleichzeitig habe ich so unfassbar viel Liebe verspürt für meine Mädchen. Wir sind noch enger zusammengewachsen, so rücken doch alle anderen Dinge in den Hintergrund in einer solchen Situation.

Also: Passt auf euch auf. Okay?

Schlafen wie ein Baby.

So vielfältig wie die Bedürfnisse von uns Erwachsenen an das Thema Schlafen sind, so sensibel und vielseitig sind die Bedürfnisse eines Babys.

Was so einfach klingt ist tatsächlich etwas, was ein Baby „lernen“ muss.
Vertrauen fassen, nicht das Gefühl haben alleine gelassen zu werden, die Nähe der Eltern zu spüren. Dieses Leben erst einmal zu verstehen, einen Tagesrhythmus zu erlenen. Tag & Nacht unterscheiden zu können. 

Hedi ist nun gute drei Monate alt und an ablegen war zu Beginn nicht zu denken, sie brauchte unsere Nähe um entspannen zu können. Es war nahezu ein Triumph, wenn sie tagsüber länger als zwanzig Minuten auf ihrem Stillkissen schlafen konnte.  Die Nächte liefen immer reibungslos getreu dem Motto: Eat – Sleep – Eat (Repeat).

Und so beginnt dann im Netz die Recherche, man liest sich durch Foren oder Tipps & Tricks der Apotheker- Familien- Zeitung und alles hat man irgendwie schon mal gelesen oder gehört.

Eine Sache sahen wir regelmäßig in den sozialen Medien: Die Federwiege NONOMO. Logisch, wer möchte nicht gerne in einem konstanten Rhythmus in den Schlaf gewippt werden? Wer schon einmal in einer Hängematte geschlafen hat, kann sich ungefähr denken was ich meine.

Ein paar Tage später klingelte also der Postmann und da war sie, die Lösung unserer „Probleme“. Wir haben uns für die Türrahmenvariante entschieden, so können wir den Schlafort recht flexibel halten. Alternativ gibt es auch noch einen passenden Ständer.

Der vollwertige, aus unbehandelter Bio-Baumwolle hergestellte Schlafplatz inklusive Matratze aus reiner Schafwolle war schnell angebracht.

Wir waren sehr gespannt auf unseren „ersten Versuch“.

Der passende Moment schien gekommen und so legten wir Hedi in die NONOMO ab. Suspekt ist wohl das richtige Wort, es schien Hedi suspekt nun dort zu liegen. Frei schwingend zwischen Wohnzimmer und Flur. An Schlaf war nicht zu denken.

Es folgten zahlreiche mehr oder minder erfolgreiche Anläufe. Mal schaffte sie es für ein paar Minuten, einmal sogar lange 20 Minuten in denen wir unser Abendessen inhalierten und die Gelegenheit nutzten, die Wohnung aufzuräumen. Immer wieder stellten wir uns die Frage: Ist das jetzt DIE Lösung? Irgendwie war sie das (noch) nicht. Und wenn wir eine Sache gelernt haben, neben der Tatsache das jedes Baby unterschiedliche Bedürfnisse hat, so auch,  dass Liebe und Geduld der Schlüssel zu allem ist. So hallten mir immer wieder Sätze durchs Ohr wie „Unsere Kleine konnte das von Beginn an gut“ oder „Auch nach sechs Monaten können wir unseren Sohn nicht ablegen“. Aber auch ein Satz den ich immer wieder gelesen habe, kam mir ins Gedächtnis: „Plötzlich ging es“. So war bzw. ist es dann auch. Von einem Tag auf den anderen, zwischen zwei Schüben legten wir Hedi ab und sie schlief selig für die nächsten sechs (!!) Stunden. Wir waren völlig überfordert mit dieser Situation, glücklich und verwundert. Da lag sie nun, schlummerte im Rhythmus von unserer „Babykrankenhauswirkommennachhause“-Playlist.

 

NONOMO

Mittlerweile gehört das (Ein)Schlafen in der NONOMO zum täglichen Programm, welches Hedi und auch uns als Eltern Struktur und Freiraum gibt. Manchmal bin ich schon ein wenig neidisch, dass ich keine so tolle Federwiege für meinen Mittagschlaf habe. Hängematte wäre vielleicht eine Option. Im nächsten Sommer. Auch hier ist Geduld der Schlüssel. ;)

// Anzeige: Unser Dank geht an die Firma NONOMO für die freundliche Unterstützung.

Less is gold.

Minimalismus. Ein Begriff, der mich seit geraumer Zeit mehr denn je beschäftigt. Ein Begriff, so konträr, wenn ich all die überfrachteten Geschäfte im ansässigen Innenstadt-Dschungel sehe oder Newsletter meiner liebsten Online-Plattformen erhalte. Ob online oder offline: Konsum, wohin das Auge nur reicht, mittlerweile bin ich müde davon, nicht nur wegen kürzerer Nächte aufgrund eines Säuglings im heimischen Nest. Minimalismus steht unschwer im Zusammenhang mit Konsum und vielleicht bedeutet Minimalismus für mich persönlich auch konsumreduziertes Verhalten, nicht aber radikaler Verzicht und moralische Verpflichtung einer neuen Trendbewegung.

Mein Weg zum Minimalismus ist nur schwer zu beschreiben, dennoch übe ich mich darin, diesen in den folgenden Zeilen einmal zu rekapitulieren, schon allein, weil es mich fasziniert, was eigentlich schon zu Kindheitstagen in uns an Eigenschaften und Marotten verankert ist und wie es sich später äußert.

In meinem Elternhaus war es stets sauber, dafür aber zum Teil arg chaotisch. Da existierte dieses Nirvana an Drogeriemarkteinkäufen, formal benannt als das „Kämmerchen“. Ein Abstellraum, der kaum noch zu betreten war. Überblick? No way. Da gesellten sich Deodorant-Tretmienen, die glücklicherweise von Küchenrolle gepolstert wurden nebst Obstkonserven für die nächste Geburtstagstorte. Mich störte dieses Chaos schon zu Kindheitstagen, nicht selten schaffte ich im frühen Jugendalter Ordnung in ebendieser – vergebens. Ich liebte schon immer Ordnung, hatte feste Plätze für meine Spielsachen, meine Schulsachen, meine Bücher und sonstigem Kram. Und diesen gewissen Kram sortierte ich gut und gerne regelmäßig aus und ging mit Oma Elli nebst Isokanne Kaffee auf Flohmärkte, um gesammelten Schätzen ein neues Zuhause zu offerieren. Diese Sonntage liebte ich: wir wurden meist einen Großteil unserer Sachen los, ich zog umher und fand hier und da gewiss auch etwas „Neues Altes“ für mich und es gab belegte Brote und Zitronenlimo von „Omma“. Herrlich!

Retrospektiv hat sich dort möglicherweise meine Flohmarkt-Leidenschaft geformt, die sich bis heute vollzieht und was mich auch schon auf die erste meiner ganz persönlichen Minimalismus-Regeln bringt:

„Wenn ein neues Teil kommt, geht ein Altes.“

Damit klappt es bei mir im Kleiderschrank zum Beispiel besonders gut. Ich erfreue mich an meinem neuen Teil und sortiere gleichzeitig ein Teil aus, was gehen darf. Wobei die zweite Regel wie folgt benannt werden kann:

„Buy less, choose well and make it last.“

Ich liebe Mode, Einrichtung, Produktdesign und noch so vieles mehr, habe mein Kaufverhalten in den letzten Jahren jedoch absolut revolutioniert. Warum? Weil ich meinen Stil in vielerlei Hinsicht gefunden habe und weiß, wo ich etwas finde. Als Liebhaberin von skandinavischer Einrichtung und puristischer Mode in schwarz, weiß, grau und nude kann ich nahezu alle Teile meiner „Kollektion“ miteinander kombinieren. So gibt es eigentlich nur Lieblingsstücke in meinem Schrank, die sich hervorragend kombinieren lassen und meinen ganz eigenen Stil ausmachen.

Stundenlange Shoppingtouren waren mal mein Workout, dann ging es gern einmal an einem Samstag in zwei bis drei Innenstädte oder Shoppinghöllen, ein Hop-on-hop-of-Bus wäre da eine super Sache gewesen! Diese Zeit möchte ich mittlerweile dafür nicht mehr investieren, wenn auch ich es liebe, umher zu bummeln und neue kleine Städte im In- und Ausland kennenzulernen, einen guten Kaffee zu schlürfen und zu entdecken und zu staunen. Ich kaufe mittlerweile größtenteils auf Flohmärkten, weil sich diese ganz eigene Kultur in den letzten Jahren auch unfassbar gut und fernab der Rasierklingen-Ramschmärkte gemacht hat.

Spezielle Klamottenflohmärkte, Nachtmärkte und neuerdings auch der Babykram-Flohmarkt zeigen mir immer wieder auf: wir alle brauchen eigentlich kaum etwas neu kaufen, jeder hat mehr als genug Zuhause und jedes Teil findet meist auch einen Abnehmer, der mehr oder weniger gezielt danach gesucht hat. Übrigens: wenn ich gezielt etwas suche und offline nicht fündig wurde, dann nutze ich Online-Plattformen und Social Media-Kanäle.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: ich brauche es nicht neu (online oder offline) kaufen, bin unabhängig von Raum und Zeit (Möbelstücke an einem Sonntagnachmittag abholen und mit einem Café im Lieblingsviertel der Nachbarstadt verbinden ist toll!), habe etwas für meinen ökologischen Fußabdruck getan und spare hinzukommend noch meist Einiges gegenüber vom Neupreis. Und gleich so funktioniert es eben auch andersherum: obwohl wir zwei kleine Haushalte zusammengelegt haben, trennten wir uns von vielerlei Objekten und leben nun sehr...sagen wir mal „clean“. Dazu passend die (vorerst) letzte Regel:

„Weniger, aber wertvoll und nützlich“

Warum die geräumige 3-Zimmer-Wohnung mit Objekten belagern, die keinerlei Nutzen haben oder einfach nur schön aussehen? Klar, da müssen sich beide Partner und oder Mitbewohner einig sein, wir sind es glücklicherweise und mögen es ruhig und clean, dennoch nicht minder detailverliebt und mit Charakter.

Einzelstücke- GO! Persönliche Lieblingsteile – GO! Massive Möbelstücke – NO, diese lassen weniger Spielraum für Veränderungen.

Veränderungen sind auch machbar, indem man das Sofa neu bezieht, Kissenhüllen austauscht, ein neues Paar Vorhänge besorgt. Und so sollte es auch sein, dass wir unsere Wunschküche online und gebraucht in der Nachbarschaft finden (oder sie uns?!) anstatt eine lange Lieferzeit und ein weniger zutreffendes Alternativmodell in Kauf zu nehmen.

Auch hier hat nun alles seinen Platz gefunden und bis auf den Basilikumstrauch ziert noch rein gar nichts die seidenweiße Arbeitsplatte. Ob wir da noch was für brauchen?

Nein, denn:

LESS IS GOLD.

L.

Morning Glory.

Während der Fliesenleger den Fliesenspiegel in der Küche vollendet, lege ich die neue Nils Frahm Vinyl auf. Vom Kindergarten gegenüber höre ich spielende Kinder und der zweite Kaffee des Tages läuft durch den Filter. Es herrscht eine gewiss besondere Stimmung, so kurz vor Geburt in unserem gemeinsamen Nest.

Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen, plötzlich ist Frühling und ich lebe mittlerweile im Ruhrgebiet. Sonntags muss ich nicht mehr zurück nach Wiesbaden, eine Tatsache die ich manchmal immer noch nicht ganz realisiert habe, während wir gemeinsam den Tatort schauen oder zum Einschlafen der neuen Folge von „Fest & Flauschig“ lauschen.

Bereits beim Tag des Einzugs fügten sich unsere Möbel und Habseligkeiten ganz wunderbar zu einem gemütlichen Zuhause zusammen. Nach und nach entstand und entsteht unser gemeinsamer, sicherer Hafen. In dem wir gemeinsam leben, lieben, lachen, kochen, auch mal weinen, kuscheln und uns bald auch als kleine Familie finden werden. Ich bin sehr dankbar für die helfenden Hände in den letzten Wochen. Sei es mein alter Nachbar, der mir beim Tragen von Dingen und Diversen geholfen hat. Die Transportfirma, die meine Plörren in einem Rutsch und ohne Probleme ins Ruhrgebiet transferiert hat. Oder all die lieben Menschen hier in Bochum die geholfen haben, Löcher zu bohren, Kartons aus der vierten Etage in mein Auto zu tragen oder einfach die neuen Nachbarn, die uns mit einem kleinen Blumengruß willkommen hießen.

Alles ist vertraut hier, ein sehr gutes Gefühl nach so kurzer Zeit. Die neuen Wege in der Wohnung, der Ort an dem die Kaffeefilter liegen, das Licht im Kinderzimmer. Das scheint dieses „Gefühl von ankommen“ zu sein, oder um ein Pop-Zitat zu bemühen: „Gekommen um zu bleiben“. Und so zählen wir die Tage/Stunden bis „Little H.“ bei uns einziehen wird. Da ist sie wieder diese seltsame, wohlige Mischung von Gefühlen, Kaffeeduft und dem Knistern von Vinyl, während die Nadel sich auf die zweite Seite der Platte senkt.

Jetzt heißt es warten und (vor)freuen auf „Little H.“

 Wie wird sich das anfühlen, hier zu Dritt? Wenn sich zum Knistern der Schallplatte die ersten Geräusche unserer Tochter gesellen? Werde ich überhaupt eine Platte auflegen wollen, zwischen Windeln wechseln, Kaffee zubereiten und Wäsche waschen?

Klar werde ich das! Denn diese Wohnung und wir als Paar und Team, wir werden das gemeinsam „bewältigen“. Wobei bewältigen sich so dramatisch anhört, soll es doch gar nicht. Sicherlich wird die nächste Zeit die größte Herausforderung vor der wir bisher standen, aber daran werden wir wachsen und diese einzigartige Zeit genießen. Mit frischem Kaffee und guter Musik natürlich. Aber viel wichtiger: Mit viel Liebe und Ruhe.

Also, „Little H.“ wir sind bereit, wenn du es bist.

Glück auf Bochum.

Lange war es ruhig hier.
Das lag daran, dass ich Kisten und Kartons, Schallplatten und Erinnerungen, sowie Schränke und den Rest meines Lebens verpackt und transportiert habe. Eigentlich mehr die unseres Lebens, denn meine hochschwangere Freundin wurde auch umgezogen.

Umgezogen, tillsammans ins gemeinsame Nest im Ruhrgebiet.
Hej NRW! Da bin ich wieder, nach gut acht Jahren der Abwesenheit.

„Tief im Westen
Wo die Sonne verstaubt
Ist es besser
Viel besser, als man glaubt
Tief im Westen“

Bochum, du bist es geworden. Meine neue Heimat, mitten im Pott, wo die Menschen das Herz auf der Zunge tragen, wo manches ein wenig rauer erscheint, aber eigentlich gar nicht ist. Wo Trinkhallen und Currywurst zur täglichen Kultur gehören und liebe Freunde in der Nachbarschaft leben.

„Du bist keine Weltstadt
Auf deiner Königsallee
Finden keine Modenschauen statt
Hier, wo das Herz noch zählt
Nicht das große Geld
Wer wohnt schon in Düsseldorf?“

Bochum ich freue mich auf dich! Deine Ecken und Kanten zu erkunden, ganz bald dann auch als Familie, immer mit Kamera, Wickeltasche und Kinderwagen ausgestattet.

„Du bist keine Schönheit
Vor Arbeit ganz grau
Du liebst dich ohne Schminke
Bist 'ne ehrliche Haut
Leider total verbaut
Aber grade das macht dich aus“

14 Tage hat es gedauert. Umzug, einrichten, Dinge auf – und abbauen.
Bereits jetzt fühlt es sich nach uns an. Alle Dinge haben ohne Probleme oder Diskussion ihren Platz gefunden (okay, meine Platten noch nicht, da suchen wir noch nach einer skandinavisch-reduzierten Aufbewahrungslösung). Aber alles hat sich ganz wunderbar entspannt nach und nach zusammengefügt.

Diese Entspanntheit tut gut, so kurz vor Geburt.
Wir können uns auf das wesentliche konzentrieren: Uns. Und auf den ein oder anderen Antrag den man als werdende Eltern ausfüllen muss. Aber das wäre wahrscheinlich ein extra Artikel wert.

All change.

Seit ein paar Wochen schlafe ich nicht mehr in (m)einem Bett. Verkauft aufgrund anstehender, räumlicher Veränderungen. Übrig blieb ein Matratzenlager und jeden Morgen das gleiche „Ritual“.

Körper entknittern, Kaffee zubereiten, Gedanken sammeln und so den Tag beginnen. Anfangs habe ich innerlich ein wenig geflucht das Bett so früh verkauft zu haben, denn: „Ist doch noch lang hin bis zum Umzug“.
Umzug und Veränderung. Endlich ziehe ich in meine neue/alte Heimat. Bochum und NRW. Mittlerweile bin ich mehr als glücklich über mein Matratzenlager, denn es steht für mich symbolhaft für die kommende Veränderung.

Veränderung bringt neue Chancen, neue Gedanken und Ideen.

Früher hat mich das innerlich vor große Herausforderungen gestellt. Ungewissheit, damit konnte ich ganz schlecht umgehen. Sie hat mich unsicher gemacht, macht sie auch heute manchmal noch. Aber nicht mehr so sehr wie früher. Klar, man wird älter und entspannter. Lebenserfahrung wahrscheinlich, aber auch die Partnerin an meiner Seite trägt ihren Teil dazu bei. Ich fühle mich sicher und gut aufgehoben mit meinen Gedanken und Ideen.

Aber auch Dinge das (vorerst) letzte Mal zu machen ist eine Macht.

Die Liste wäre endlos. Letzter Montag im Büro, letztes Mal Frankfurter Skyline, letztes Mal die Lieblingspizza. Aber: Es ist egal, denn das Büro rennt nicht weg, ebenso wenig wie die Frankfurter Skyline. Pizza gibt es auch sehr Köstliche in meiner neuen Heimat.

Vielmehr sind es die „ersten Dinge“ die mich so neugierig machen, auf das, was da kommen mag. Am Freitag bekommen wir die Schlüssel für unsere künftige Wohnung und im Kopf formt sich ein Bild, welches Möbelstück wo stehen könnte. Auch die Neugier auf die erste Nacht im neuen Heim, der erste Morgen mit frischem Kaffeeduft. Welcher Song wird das erste Mal durch die Zimmer schallen?

Gar nicht davon zu sprechen wie es sein wird, wenn wir unserer Tochter ihr zu Hause das erste Mal zeigen dürfen. Sie aufwachsen zu sehen, in dieser Wohnung, die in den nächsten Tagen und Wochen unser Nest wird.

All diese Gedanken entschädigen für die morgendlichen Rückenschmerzen, denn:

„The future is bright“.

"Sie hat Strickuterus gesagt".

 

Aus der Reihe „Dinge die ich zum ersten Mal in meinem Leben mache“: Der Geburtsvorbereitungskurs als solches.

Viele Gedanken und Mythen kreisten im Vorfeld des Tagescrashkurses in meinem Hirn.
Werden wir den ganzen Tag „hecheln“? Unsere innere Mitte durch angeleitete Atemtechniken finden? Wie würden die anderen Paare sein? Zukünftige Helikoptereltern?
Wird es Kaffee geben und PEZI Bälle? Fragen die sich innerhalb von sieben Stunden inklusive Mittagspause und Flat White klären sollten.

Denn es sollte um Klarheit gehen.

Bochumer Hinterhof-Romantik, erste Etage.
Hebammen Praxis mit Teeküche und einem Raum, ausgelegt mit Yoga Matten und Stillkissen, sowie ein wenig Grundschulturnhallen-Atmosphäre. Insgesamt neun Paare fanden sich an diesem Samstagvormittag ein, durften sich einander vorstellen, Erwartungen an den Tag äußern und sich den ersten Kaffee aus der vorbereiteten Thermoskanne genehmigen.

Erwartungen. Was hat man als werdende Eltern für Erwartungen an einen solchen Tag? Oder an die Geburt an sich? Vieles was vorgetragen wurde von den anderen, zukünftigen Eltern drehte sich um Ängste, Schmerzen und „…im Internet hatte ich folgendes darüber gelesen…“. Da kam zum ersten Mal ein guter Einwand der Kurs gebenden Hebamme: „Das ist alles nur in euren Köpfen“. Da und wahrscheinlich in WhatsApp Gruppen und Google. Wer bin ich, der sich ein Bild davon machen kann, wie eine Schwangerschaft oder Geburt abläuft? Was meine Partnerin fühlt, wie es ist, ein Kind auszutragen und dann „herzugeben“ wie die Hebamme es formulierte. Ich als Mann kann „nur“ da sein, helfen und unterstützen. Dabei hilft Klarheit, Ruhe und Vertrauen in die Partnerin.

The Tribe

So ging es im Verlauf des Tages um die verschiedenen Phasen der Geburt, was teils sehr anschaulich Mittels Hüftmodell und Stoffplazenta, inklusive Strickuterus veranschaulicht wurde. Aber auch Basics wie: Wann fahre ich ins Krankenhaus, was nehme ich mit und worauf kann ich auch verzichten wurden besprochen. Ebenso über das nicht zu verachtende Thema Babyblues und Wochenbett-Depression.
Klar, ein bisschen gehechelt wurde auch und eine weitere Erkenntnis meinerseits: Die Dehnübung „Gestrandeter Walfisch“ oder auch bekannt als Balasana Stellung aka „Die Position des Kindes“ kann ich. Auch mit meinem langen Rücken und Ü40.

Ich erspare euch die Details zu Plazenta Ablösungen, möglichen Blutungen und anderen Dramen. Daher mein Fazit: Macht einen solchen Kurs, denn er bringt wirklich Klarheit, Ruhe und dadurch auch Entspannung im Schwangerschaftsgedankenkarussell. Es stärkt euch als Paar, als Team und künftige Familie. Zudem kann man sich im ersten Austausch mit (werdenden) anderen Eltern üben. Denn das wird einen ja auch zukünftig begleiten und prägen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Mutterschutz & Butterbrot.

Wo sich eine Tür schließt öffnet sich eine andere.

Ein Sprichwort, was zu vielerlei Lebenssituationen passt und derzeit sinnbildlich auf die grundierten Türen des baldigen Familiennests zutrifft. Aber: noch gilt es, sich ein wenig zu gedulden und die Zeit zu nutzen, zwei Haushalte passioniert minimalistisch zusammenzuführen. 

Welche Tür sich jedoch diese Woche auch schließt, ist die meines Arbeitgebers und in naher Zukunft auch die von Svenssons, der sich in die Elternzeit begeben wird. 

Für mich beginnt der Mutterschutz. Ein Wort, welches etwas Wohliges und Behütetes ausdrückt, zugleich aber natürlich auch mit administrativen Challenges verbunden ist. 

Ich denke, für viele werdende Mütter kommen gemischte Gefühle auf, wenn der TAG X dann erst einmal bevor steht. Und das ist auch total verständlich, da ein neuer Lebensabschnitt wartet, der so viel Veränderung und teils ungewisse Situationen mit sich bringt und man sich in eine ganz neue (gesellschaftliche) Rolle einfinden muss, kann und darf.

Und: mir geht es da ab und an nicht anders, wenn auch mein Job kein Vollzeitjob ist und ich meinen Alltag mit den Endzügen meines Studiums und besagtem Job bestreite, ABER: ich bin Veränderungen gewohnt, nehme diese an und habe mich dadurch in den letzten Jahren auch vielleicht zu der Person entwickeln können, die ich heute bin. Ich bin rückblickend meist an Veränderungen gewachsen (ach, nun kann ich mir auch besser die 184cm Hightower-Größe erklären!), bin offener und gelassener geworden und vor allem versuche ich, auch negative Veränderungen zu positiven zu machen getreu dem Motto: „Mach´ das Beste draus.“ 

Klappt natürlich mal besser, mal schlechter!

Da ich mich unfassbar sehr auf die kommende(n) Veränderung(en) freue und man die Feste feiern sollte, wie sie fallen, habe ich mich dazu entschieden, meinen beginnenden Mutterschutz zu zelebrieren. Klein, aber fein. Mit Ideenreichtum und Raum für kreative Ausbrüche. Und was passt besser zu einer solchen Feierei, als saure Gurken nebst herzhaftem Käse auf einer ehrlichen Scheibe Sauerteigbrot? I call it STULLEN-Sause. Ein Zusammenkommen zum gemeinsamen Abendbrot hat doch fast was mit der dänischen HYGGE-Mentalität zutun, die ich zu sehr schätze. Das Bild im Kopf stand schnell fest, also wurde alles Passende zusammengesucht und auf einer langen Tafel (Kaufempfehlung: Mehrzwecktische!) liebevoll hergerichtet. Das 13qm-Wohnzimmer wurde zum Hort der Gemütlichkeit und bewies wieder einmal Raumwunder-Qualitäten. Eventuell ein letztes Zusammenkommen in diesen Wänden vor dem Umzug ins neue Nest und klein H.´s Geburt? So oder so war es in diesem Falle ein gebührender Abschied an einem gemütlichen Abend Mitte Februar, der Woche vor dem großen Wort „Mutterschutz“!

PS: im nächsten Leben würde ich gerne Dekorateurin werden. Oder Stullen-Schmiererin. Oder Abendbrot-Beautragte. 

L.

Depth over distance.

Depth over distance every time, my dear.
And this tree of ours may grow tall in the woods.
— Ben Howard "Depth over distance"

Distanz, du olles Ding.

Ein Gastbeitrag und Manifest für die Liebe von mir, Lisbeth.


Diesen Beitrag zu verfassen und den Gedanken freien Lauf zu lassen, könnte vom Moment her nicht passender sein: ICE 712 Destination Köln HBF. Startbahnhof Wiesbaden an einem für Januar recht milden Montagmorgen gen 6:15 an Gleis 9.

Abschied. Bis Freitag. Bepackt mit Erinnerungen vom Wochenende im Herzen nebst Kulturbeutel und Reise-Butterbrot. Abschied. Oh, du bittersüßes Wort. Ich sitze mit vielen Geschäftsreisenden in Wagen 17 und bin zuversichtlich, meinen Anschlusszug in Köln Richtung Ruhrgebiet zu erwischen.

Ich komme nicht umher, mich zu fragen, woher all diese Menschen kommen mögen und welches Ziel sie für den heutigen Tag ansteuern. Kehren sie wohl am Abend nach Hause zurück zu ihren Lieben? Meine Reiseintention ist weniger geschäftlich, ich reise der Liebe wegen- als Teilzeitkraft. Teile mir diese Tätigkeit mit meinem Partner. Kann man so sagen.

(Er bat mich, einmal meine Sicht der Dinge niederzuschreiben. OK, here we go.)

So verrückt unsere Liebesgeschichte begann, so kurios gestaltet sich seither auch unsere Historie, was das Abenteuer #distancelove betrifft. Wir meisterten länderübergreifend eine Distanz von 1555km zwischen Schweden und Deutschland pro Weg, düsten quer durch die schwedische Natur, um auch nur einen Tag und eine Nacht beieinander sein zu können, wurden zu Flugplanexperten und ließen kaum ein Verkehrsmittel aus, um diese wahrlich schmerzhafte Distanz zu überwinden. Irgendwann haben wir einmal die zurückgelegten Kilometer ausgerechnet und staunten nicht schlecht, was wir da gemeinsam „geschafft“ hatten: es waren mehr als 21.753km in knapp vier Monaten und jeder Kilometer war es (mir) wert, so viel sei gesagt.

Doch auch die nationale Distanz von knapp 235km pro Strecke gilt es, seit letztem Frühsommer zu meistern. Auch da sind wir durchaus erfinderisch: Deutsche Bahn, Mietwagen und der verflixte Flixbus, welcher nicht selten zum Namens- Paradoxon wurde: wir nahmen alles in Kauf. Nun gibt es unseren Dirk, einen soliden Volkswagen, den wir jeden Tag aufs Neue zu schätzen wissen und der so vieles einfacher macht, wenn nicht gerade Vollsperrungen und plötzliche Schneestürme hereinbrechen. Geräumig ist er auch, insbesondere für die kommenden Abenteuer, dennoch brannte ich zuvor für einen kleinen Franzosen. Allein die Vorstellung zweier Hightower in der kleinen Kiste... lassen wir das!

Zurück zu den wesentlich aufregenderen Erlebnissen: einmal brauchte ich für die Strecke Wiesbaden-Bochum via Flixbus-Direktverbindung acht (!) anstatt angepeilter vier Stunden, unser erstes Treffen begann panisch mit dem Verpassen des Anschlusszuges am Frankfurter Flughafen und ein tödlicher „Personenunfall“ auf dem Weg gen Bochum von Wiesbaden aus zählt gewiss zu den einschneidensten Erlebnissen, die man niemandem wünscht. Was noch aussteht: Fahrrad und Taxi. Beim Rad bin ich raus, da ich einmal im heimischen Stadtpark bei zu großer Hitze und zu wenig Wasser am Mann schlapp gemacht und ein nachhaltiges Trauma davon getragen habe, Taxi fände ich höchst amüsant und ist noch nicht ganz aus dem Gedankengut, wenn auch arg absurd!

 

Um das ganze noch zu toppen, sei anzumerken, dass sich die #distancelove noch einmal maßgeblich verändert, wenn man eine Familie gründet. Und das Abenteuer dürfen wir derzeit erleben und erwarten im Frühjahr unsere kleine Tochter, der wir irgendwann einmal unsere (Liebes-)geschichte aufs Auge drücken werden, dann aber unter der einen ausschlaggebenden Bedingung: auf dem heimischen Sofa des gemeinsamen Familiennests.

Und darin besteht der für mich sehr wichtige Punkt: „Sei realistisch und plane ein Wunder“- getreu fokussieren wir uns auf kleine und große Etappenziele, zur zeit ist dies natürlich das gemeinsame Heim, in der wir uns als Paar, Eltern und kleine Familie finden und zusammen diesen einen Ort schaffen können, den unsere kleine Tochter einmal ihr „Elternhaus“ nennen wird. Gemeinsam – tillsammans, wie es so schön auf schwedisch heißt und wo so viel Bedeutung hinter steckt. Gemeinsame Zeit ist das kostbarste Gut bei der #distancelove, da geht es weniger um allwöchentliches Entertainment und Druck, alle ToDos und soziale Verpflichtungen gemeinsam am Wochenende „abzuarbeiten“. Da geht es um das Miteinander und um (begrenzte) Zeitfenster, die sich auch in Jogginghose auf dem Sofa bei Tiefkühlpizza gut anfühlen. Es braucht nicht viel. Und Zeit ist wahrlich ein Geschenk, was man jede Woche aufs Neue zu schätzen weiß.

Dennoch bedeutet Begrenzung auch immer Traurigkeit und Phasen, in denen einem die aufbauenden Worte des jeweils Anderen nur teilweise aufmuntern. Meister im Abschiednehmen möchte ich niemals nie werden, vielmehr im Willkommenheißen und Ankommen. Dennoch sind diese (traurigen)Phasen wichtig, sie machen stark und lassen einen noch näher zueinander finden, denn: The distance is only physical, baby.

Auf viele Abenteuer- tillsammans und an einem gemeinsamen Ort, unserem Zuhause.Ich bin sehr stolz auf dich und unendlich dankbar.

L.

 

 

Letter to Little H.

Hej „Little H.“

 


Als ich von dir erfahren habe, da kam ich gerade mit deiner Mutter aus Frankfurt.
Sie hatte mich mit einem Besuch überrascht und wir gingen abends gemeinsam auf eine Ausstellung, wo auch eines meiner Fotos ausgestellt wurde. Ich mag Fotografieren sehr, das wirst du sicherlich auch schnell merken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mir ist der Abend so sehr in Erinnerung geblieben, damals im August.
Deine Mutter trieb ein wenig Schabernack mit mir, überraschte mich mit einem positiven Schwangerschafts-Test und wundervollen Worten. Das kann sie gut, deine Mutter. Schabernack treiben und wundervolle Worte finden. Überraschen auch.

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Oft habe ich darüber nachgedacht wie es vielleicht sein wird, wenn ich davon erfahre, Vater zu werden. Werde ich weinen, lachen, was für Musik läuft, läuft überhaupt welche, wo werde ich sein? 

An die Musik erinnere ich mich nicht mehr, aber daran, dass ich gelacht und geweint habe.
Alles vor Freude und purem Glück. Ich konnte es kaum fassen, kann es manchmal immer noch nicht. Wir werden eine Familie und ich bin so gespannt auf dich, „little H.“
Wie du wohl aussehen wirst? Wie wirst du dich anfühlen, wie wirst du riechen? All das, ich kann es kaum erwarten. Aber sei gewiss: Lass dir Zeit im Bauch deiner Mama, komm zu uns wenn es soweit ist. Wir sind da für dich. Immer.

All change – Zurzeit lebe ich ohne Sofa und Bett, zwischen Kartons und mit brummender Therme. Das kann ich dir später dann mal erzählen. Machen Eltern ja so. „Weißt du? Damals als wir auf dich gewartet haben, da haben wir alles vorbereitet …“
Ein gemeinsamer Hort, in einer Stadt die ich Heimat nenne, die dir und uns als Familie Heimat und Geborgenheit geben wird. Wo wir gemeinsam lachen, weinen, spielen, lesen, kuscheln werden. Wenn du wüsstest wie es aktuell in deinem zukünftigen Zimmer aussieht. Bis du ankommst ist alles fertig, versprochen.

„Little H.“ wir freuen uns auf dich! Arg sehr.

Hej 2017!

Du hast alles verändert in meinem Leben, unerwartet und auf wundervollste Art und Weise.

Ich reiste nach Schweden, Finnland, Spanien, Belgien und Holland. Ich habe Playlisten gebastelt und so viel neue Musik entdeckt. Viel Fotografiert und doch noch zu wenig.

Wundervolle Menschen traten in mein Leben und wurden Freunde.

Doch DU, DU übertriffst alles.
Einzigartig, wundervoll und an meiner Seite. Depth over distance.
Wir machten Roadtrips ans Meer, kicherten unter der Bettdecke wie kleine Kinder und fühlten uns Verstanden. Angekommen.

Viel mehr kann ich gar nicht zu 2017 sagen bzw. schreiben.
Denn es drückt alles aus, was ich damit verbinde,  emotional und wenn es um mich persönlich geht.

2018??! Ich freue mich auf dich! Du wirst groß und besonders.

We see things they´ll never see

Ich werde Vater.


Drei simple, aber hochemotionale Worte. Lange habe ich überlegt, wieder zu bloggen, Gedanken zu notieren, vielleicht auch mein Inneres nach außen zu kehren.

Hier sitze ich nun. Mit frischem Kaffee und Blick in den Innenhof.
Während Elbow und John Grant mein Wohnzimmer mit wundervollen Melodien füllen, wird mir mal wieder bewusst: „Ich werde Vater“. Die Sache ist, dass ich es kaum erwarten kann. Da musste ich 42 Jahre alt werden und diverse Beziehungen später, da treffe ich diese eine Frau und alles ist klar. Klar im Sinne von: Wir gehören zusammen, wir sind ein Team, egal wie kompliziert vielleicht die Lebensumstände gerade sein mögen. Gemeinsam schaffen wir das.

Wir haben wahrlich viel gemeinsam geschafft in den letzten Wochen und Monaten, all das scheint wie eine Vorbereitung auf das was da kommen mag. Auf das, was wir noch gar nicht einschätzen können. Auf dieses Wunder. Wir gründen eine Familie, übernehmen Verantwortung, sind füreinander da, in Zeiten von weltweiten Krisen und purem Einhorn-Overload im Einzelhandel.

Dazwischen versucht man das Leben zu organisieren, sucht nach einem bezahlbaren Gefährt, brüht Kaffee auf oder saugt nochmal durch die Wohnung.

Diese Zeilen sind für dich und für das wir bereits geschafft haben.
Diese Zeilen sind für uns und das wir und unsere Zukunft.

Ich werde Vater und verdammt (!) es fühlt sich großartig an.

PS: In Zukunft dann mehr Emotionales, Alltägliches, Fotografisches, irgendwas mit Käsekuchen, Musik, Leben