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Half the world away.

Heute früh, als ich unsere Wohnung verlassen habe, um mich Richtung Bahnhof und dann Richtung Flughafen aufzumachen, da war es wieder da: dieses Gefühl was bereits eingemottet schien.

Ein Gefühl, welches sich in der Vergangenheit schneller und größer entwickelte, als das Haushaltsdefizit der USA. Ein Gefühl, welches mich manchmal unvermittelt an der Kaffeemaschine im Büro überkam, manchmal auf dem Weg nach Hause nach einem gemeinsamen Wochenende - fuhr man doch wissentlich in die schlichtweg „falsche Richtung“ oder gerne und regelmäßig beim (alleine) Einschlafen. Akute Vermissung geschuldet der anfänglichen Fernbeziehung. Zuerst Schweden vs. Deutschland und dann Ruhrgebiet vs. Rhein-Main. So nah und doch so fern.

We see things they’ll never see
— oasis

Warum also kam dieses Gefühl heute Morgen einfach mit an die Bushaltestelle Richtung Bahnhof und rollte dann am Kofferband der Zieldestination im Kreis? Alte Wunden, vorweihnachtliche Emotionen? Sicherlich, denn eigentlich wollten wir zusammen als Familie nach Krakau und haben uns spontan dagegen entschieden. Hedi im Schub, zusätzlich das unvermeidlich unangenehme Zahnen und zu kalt um die Jahreszeit noch on top. Vernünftig vs. Vermissung. Während ich mich durch das Online- Angebot von BBC Radio 6 höre, kommt die Sprachnachricht von zu Hause: „Könntest du bitte einmal all unsere Reisen und Ausflüge mit Hedi (auch schon im Bauch) auflisten?“ Kurzes Revue passieren lassen vor dem inneren Reisepass und zum Schluss kommen welches Privileg wir haben. Freies Reisen, als Familie, als Team. Hedi und uns die Welt zeigen.

„Die Welt zeigen“, was für eine wundervolle Aufgabe eigentlich. Egal ob Pommes-Bude in Wattenscheid oder die kleine, versteckte Bucht auf Mallorca oder das Café in Hamburg mit den köstlichen Pfannkuchen. Alles ist neu für Hedi und auch oftmals für uns

So sitze ich nun hier in Krakau auf dem Bett meines Hotelzimmers, ein wenig wehmütig und gleichzeitig voller Neugier, was hier auf mich wartet. Eine grobe Route steht schon, Pierogi sind ein MUSS, vielleicht auch Bigos, Fotos und Videos und hoffentlich viel Inspiration für neue, gemeinsame Reisen, für 2019 und für dieses Blog. Für uns als Familie, für mich als Vater, für meine kleine und große Gefährtin zu Hause.

Deshalb wird jetzt das abendliche „Anti-Vermissungs-Programm“ gestartet, bestehend aus Netflix, „Erdnuss-Locken“ und einer lauten Version von Oasis „Half the world away“ via Kopfhörer, während eine weitere Straßenbahn an meinem Hotelfenster längs knattert.

Sechs Monate.

Seit einem halben Jahr sind wir nun Eltern. Sechs Monate voller Herausforderungen, Abenteuern, Reisen, Lachen, Weinen, Schlafmangel, Glücksmomenten, Account Takeovern und vor allem DANKBARKEIT. Keinen dieser Momente möchte ich missen, keinen einzigen.

Man ist mir das schwer gefallen neun Tage alleine durch Schottland zu reisen, da war Hedi noch ein ganz anderer Mensch. So frisch und klein. Das war eine Macht, ein Gefühl was ich unterschätzt hatte. Vatergefühle eben. Und genau diese (Vater/Mutter/Eltern) Gefühle lassen uns täglich alles geben. Alles für unser Kind, alles für Hedi und uns als Familie. Egal ob man um 0:17 Uhr nochmal in den Keller geht um die Wäsche aufzuhängen, spontan nochmal in den Supermarkt um die Ecke geht um eine frische Packung Schoko Eis für die elterlichen Nerven erbeutet. Oder Nachts im Bulli in Dänemark, eben nochmal umparken da sich die Windrichtung gegen das Aufstelldach gedreht hat. Oder in der Drogerie auf der Suche nach einem “neutralen” Schnuller, beim ersten Möhrenbrei oder in der Federwiege beim einschlafen. Im Krankenhaus als ich Hedi das erste Mal im Arm gehalten habe, ihre Augen völlig überfordert in das OP Licht schauten, als ich sie das erste Mal berühren, riechen, spüren konnte. Beim stillen in der Öffentlichkeit oder auf unserem ersten, gemeinsamen Flug.


Die Zeit, sie rast und steht manchmal doch still. Morgens wenn wir gemeinsam aufwachen, Hedi als erste wach und munter ist und sie uns auf ihre verzaubernde Weise klar macht: “Ich wäre soweit. Ich bin bereit für einen weiteren Tag voller Abenteuer und Entdeckungen”

All diese ganzen “ersten Male”.

Windeln wechseln, nach Mallorca fliegen, Sand unter den Füßen spüren, Möhrenbrei essen oder für zwei Stunden bei der Patentante sein. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, all diese kostbaren Momente und Erlebnisse. Fordernd und fördernd. Für Hedi um sich zu entwickeln und für uns als Paar und Familie zu wachsen. Jeden Tag zu lernen, zu lachen und zu staunen.  

Für das alles bin ich sehr dankbar.


Letter to Little H.

Hej „Little H.“

 


Als ich von dir erfahren habe, da kam ich gerade mit deiner Mutter aus Frankfurt.
Sie hatte mich mit einem Besuch überrascht und wir gingen abends gemeinsam auf eine Ausstellung, wo auch eines meiner Fotos ausgestellt wurde. Ich mag Fotografieren sehr, das wirst du sicherlich auch schnell merken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mir ist der Abend so sehr in Erinnerung geblieben, damals im August.
Deine Mutter trieb ein wenig Schabernack mit mir, überraschte mich mit einem positiven Schwangerschafts-Test und wundervollen Worten. Das kann sie gut, deine Mutter. Schabernack treiben und wundervolle Worte finden. Überraschen auch.

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Oft habe ich darüber nachgedacht wie es vielleicht sein wird, wenn ich davon erfahre, Vater zu werden. Werde ich weinen, lachen, was für Musik läuft, läuft überhaupt welche, wo werde ich sein? 

An die Musik erinnere ich mich nicht mehr, aber daran, dass ich gelacht und geweint habe.
Alles vor Freude und purem Glück. Ich konnte es kaum fassen, kann es manchmal immer noch nicht. Wir werden eine Familie und ich bin so gespannt auf dich, „little H.“
Wie du wohl aussehen wirst? Wie wirst du dich anfühlen, wie wirst du riechen? All das, ich kann es kaum erwarten. Aber sei gewiss: Lass dir Zeit im Bauch deiner Mama, komm zu uns wenn es soweit ist. Wir sind da für dich. Immer.

All change – Zurzeit lebe ich ohne Sofa und Bett, zwischen Kartons und mit brummender Therme. Das kann ich dir später dann mal erzählen. Machen Eltern ja so. „Weißt du? Damals als wir auf dich gewartet haben, da haben wir alles vorbereitet …“
Ein gemeinsamer Hort, in einer Stadt die ich Heimat nenne, die dir und uns als Familie Heimat und Geborgenheit geben wird. Wo wir gemeinsam lachen, weinen, spielen, lesen, kuscheln werden. Wenn du wüsstest wie es aktuell in deinem zukünftigen Zimmer aussieht. Bis du ankommst ist alles fertig, versprochen.

„Little H.“ wir freuen uns auf dich! Arg sehr.

We see things they´ll never see

Ich werde Vater.


Drei simple, aber hochemotionale Worte. Lange habe ich überlegt, wieder zu bloggen, Gedanken zu notieren, vielleicht auch mein Inneres nach außen zu kehren.

Hier sitze ich nun. Mit frischem Kaffee und Blick in den Innenhof.
Während Elbow und John Grant mein Wohnzimmer mit wundervollen Melodien füllen, wird mir mal wieder bewusst: „Ich werde Vater“. Die Sache ist, dass ich es kaum erwarten kann. Da musste ich 42 Jahre alt werden und diverse Beziehungen später, da treffe ich diese eine Frau und alles ist klar. Klar im Sinne von: Wir gehören zusammen, wir sind ein Team, egal wie kompliziert vielleicht die Lebensumstände gerade sein mögen. Gemeinsam schaffen wir das.

Wir haben wahrlich viel gemeinsam geschafft in den letzten Wochen und Monaten, all das scheint wie eine Vorbereitung auf das was da kommen mag. Auf das, was wir noch gar nicht einschätzen können. Auf dieses Wunder. Wir gründen eine Familie, übernehmen Verantwortung, sind füreinander da, in Zeiten von weltweiten Krisen und purem Einhorn-Overload im Einzelhandel.

Dazwischen versucht man das Leben zu organisieren, sucht nach einem bezahlbaren Gefährt, brüht Kaffee auf oder saugt nochmal durch die Wohnung.

Diese Zeilen sind für dich und für das wir bereits geschafft haben.
Diese Zeilen sind für uns und das wir und unsere Zukunft.

Ich werde Vater und verdammt (!) es fühlt sich großartig an.

PS: In Zukunft dann mehr Emotionales, Alltägliches, Fotografisches, irgendwas mit Käsekuchen, Musik, Leben