achtsamkeit

Don´t look back in anger.

“Achtsamkeit”
Substantiv, feminin (die)
das Achtsamsein, achtsames Wesen, Verhalten

Es ist sicherlich Zufall, dass ich ein paar Zeilen zum Thema „Achtsamkeit“ so kurz vor Weihnachten schreibe. Aber vielleicht motivierte mich der bereits angesprochene vorweihnachtliche Glühwein-Ballermann in der Innenstadt, gut besucht von den umliegenden Bürogemeinschaften in der Mittagspause, Reisegruppen kurz vor ihrem Starlight-Express Besuch und manchmal doch noch leuchtenden Kinderaugen aufgrund der tiefroten Zuckerfärbung des Liebesapfels. Vielleicht liegt es auch an den Rückenschmerzen, die ich seit Tagen im wahrsten Sinne des Wortes mit mir umhertrage, oder daran, dass Suede gerade im Radio eine wundervolle Akustikversion von „Wastelands“ spielen.

Seit ich Vater bin (und man verzeihe mir die zu erwartende Storyline), bin ich noch sensibler und achtsamer geworden. Achtsamer auf meine Familie, auf mich aber auch auf unsere Gesellschaft.

Ja ich weiß, ich oller Romantiker. Da werde ich gleich die Fragen in den Raum stellen, was denn los ist mit uns Menschen, woher diese teils unglaubliche Unverbindlichkeit kommt, dieses Traurige in den Augen vieler Menschen, wenn sie sich den zweiten Becher Glühwein in der Mittagspause ordern, bevor es wieder ins Büro zur „Gemeinschaft“ geht.

Fragen, die ich wahrlich nicht klären kann und möchte, da zu komplex. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass morgens der Lieblingspulli in der Wäsche, der Kaffee zu heiß aufgebrüht, das Kind zu langsam auf dem Weg in die KiTa war oder oder oder ….

Vielen Menschen schwirrt pausenlos Alltagsstress durch den Kopf, der Autopilot ist auf „Funktionieren“ von Montag bis Freitag eingestellt. Wenn man Glück hat, ist im Zeitprogramm für freitags noch „früher Feierabend, Kinder aus KiTa abholen“ hinterlegt.  Vorher überfliegt man noch endlose Email-Verläufe, spurtet zum nächsten Meeting oder steht einfach genervt im Supermarkt, weil die ältere Dame ihr Kleingeld genau abzählt für das „Goldene Blatt“. Aber kann/darf/wird das unser Leben sein? Ständiges Vergleichen, immer über den Zaun zum Nachbarn in der gepflegten Reihenhaus-Siedlung schauen. „The grass is always greener on the other side“. Kennt man.

Vielleicht lebe ich auch in meiner eigenen, kleinen Elternzeit-Blase und bin der Realität Richtung Windel wechseln oder als Familie in der Küche zu Kylie Minogue´s „I should be so lucky“ tanzen, geflüchtet?! Wer weiß das schon? Fakt ist: Ich möchte mich nicht dieser vergleichenden Ohnmacht hingeben. Achtsamkeit scheint aktuell in aller Munde zu sein. Das Allheilmittel für und gegen alles. Ein wahrer Hype könnte man meinen. So notwendig wie unnötig, denn vielleicht (oder bestimmt) ist Achtsamkeit eine besondere (Zusatz-)Version der Aufmerksamkeit. Ein kleines Add-on, ein neuer Reiter in der offenen Alltags-Registerkarte.

Vielleicht braucht dieses Add-on manchmal nur ein kleines Update in Form eines Lächelns, eines „Danke“ an der Kasse oder schlichtweg mal ordentliches Durchatmen.

In diesem Sinne besinnliche Zeiten.