Leben

Diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart, wie du denkst.

Guten Morgen Berlin
Du kannst so hässlich sein
So dreckig und grau
Du kannst so schön schrecklich sein
— Peter Fox "Schwarz zu blau"

Northern wind.

You’re the Northern Wind
Sending shivers down my spine
You’re like fallen leaves
In an autumn night
You’re the lullaby
Singing me to sleep
You are the other half
You’re like the missing piece
— City and Colour "Northern wind"

Kein Ruf.

Als ich den Laptop aufklappte erschien auf dem Bildschirm ein plakatives „Akkustand niedrig!“
„Eben“ dachte ich mir, so kam ich doch aus dem Krankenhaus und war zu dem Zeitpunkt gute 40 Stunden wach und wollte eigentlich nur ein wenig Musik als Hintergrundbeschallung anmachen.
Krankenhaus? 40 Stunden wach? Was war passiert bzw. ist los? Tatsächlich sind die letzten Stunden wie im Film an uns vorbeigezogen, so erschlagend und teilweise lähmend waren die Ereignisse und Momente.

Mittwochabend hatte Hedi nach ihrem spätabendlichen Snack gebrochen, kann passieren und das auch eher selten bis gar nicht. Als wir sie beruhigen und sauber machen wollten, bemerkten wir wie kalt sie sich anfühlte. Ausgezogen auf dem Wickeltisch war sie plötzlich blaugrau, zitterte am ganzen, kleinen Körper, krampfte und schaute uns panisch mit großen Augen an, während sie die ganze Nachbarschaft geweckt haben muss. Was dann begann kann man wohl „elterliche Intuition“ nennen.

„Wir müssen ins Krankenhaus“. Wir zogen uns sofort an, packten noch den Lieblingsteddy von der Oma ein und fuhren in die Kinderklinik. Dort angekommen bekamen wir es mit einer eher überforderten Mitarbeiterin am Empfang zu tun, die uns durch ihre panischen Aussagen nur noch mehr verunsicherte. Derweil übergab sich Hedi in den Empfangsbereich und nach einer gefühlten Ewigkeit (wahrscheinlich nur zwei Minuten), kam aus dem Nichts eine Ärztin zu uns, nahm uns Hedi ab und bat uns ihr zu Folgen. Das war tatsächlich nicht einfach, übermannt von Emotionen und dem nicht Wissen was da gerade passiert, folgten wir Richtung Intensivstation. Hedi´s große Augen und panischen Blick zu uns werde ich niemals nicht vergessen können. Der arme Wurm wusste so gar nicht was los war, ebenso wenig wie wir.

Kein Ruf.jpg

Auf der Station angekommen ging eine krankenhäusliche Maschinerie an Fragen und Abläufen los. Wir versuchten Fassung zu bewahren, was uns aber nicht gelang. Hedi war so aufgeregt und tapfer zugleich als man ihr einen Zugang am Kopf legte, um ihr Blut abzunehmen. Die Ergebnisse dafür kamen recht schnell zurück und waren ein Schock. Entzündungswerte sollten <5 sein, waren aber deutlich über 100. Das hatte zur Folge das Nervenwasser entnommen werden musste, ein kleiner Eingriff unterhalb der Wirbelsäule inkl. Sedierung. Wir mussten Hedi also kurzzeitig zurücklassen, wir konnten ihr weinen und wimmern hören und da brachen unsere Herzen endgültig. Die Ärztin merkte uns natürlich an, wie es uns erging und verabschiedete uns mit den Worten „Ich passe auf ihre kleine Tochter auf“. Dieses Vertrauen was wir plötzlich haben mussten in Menschen, die wir erst vor zwanzig Minuten kennengelernt hatten.

In dieser Nacht habe ich eine Form von Angst verspürt, welche ich bis dato nicht kannte.
Ich habe große Angst vor Zahnärzten oder aber Präsentationen zu halten bereitet mir Unbehagen. Aber das war eine neue, unbekannte Dimension. Unser tapferes Mädchen kam eine halbe Stunde später wieder zu uns und wir bezogen Zimmer 16 auf der Station mit der Gewissheit wahrscheinlich bis Sonntag in der Klinik ausharren zu müssen. Irgendwann in der Nacht bekamen wir das Erste, mutmaßliche Ergebnis. Das Wort „Blutvergiftung“ stand plötzlich im Raum. Wie bitte? Warum, woher? So hatte ich doch noch Nachmittags mit Hedi gespielt und ihr ging es prächtig.

Was folgte war Rat- und Schlaflosigkeit. Komplettes funktionieren, ferngesteuert und mit freundlicher Unterstützung durch Krankenhauskaffee aus der Pumpkanne.
Hedi hält sich tapfer und die Medikamente helfen ihr, sie spielt wieder und ist sehr fasziniert von ihrem Bettchen im Krankenhaus, so hatte es doch so viele Gitterstäbe, die es zu erkunden gilt.

Nun hat der vierte Tag 2019 begonnen, der Akku vom Laptop zeigt 100% und meine Energie kommt langsam wieder dank frischen Kaffee und einer ordentlichen Mütze Schlaf. Ich habe noch nie so viel Sorge in meinem Leben gehabt wie in den letzten Stunden, aber wir haben ein starkes Mädchen als Tochter und Montag nehme ich meine Familie wieder mit nach Hause. Gleichzeitig habe ich so unfassbar viel Liebe verspürt für meine Mädchen. Wir sind noch enger zusammengewachsen, so rücken doch alle anderen Dinge in den Hintergrund in einer solchen Situation.

Also: Passt auf euch auf. Okay?

Supernova.

Letztes Jahr schrieb ich hier das 2018 groß wird. Groß, bedeutsam und alles verändernd.
So war und ist es auch. Ich bin Vater geworden. Allein diese vier Worte bedeuten alles für mich. Alles und noch viel mehr. Dieser Satz erfüllt mich mit Liebe, Stolz und Dankbarkeit.

Dann all diese „ersten Male“  2018.
Windeln wechseln, auf einem Metal Festival an einem veganen Food-Stand aushelfen, nach Schottland und Polen reisen, mit Hedi nach Mallorca fliegen, am Strand im Bulli übernachten, Interviews geben vor laufender Kamera oder Mario Götze fotografieren.
Wieder habe ich Playlisten gebastelt, viel und doch zu wenig fotografiert. Ich bin ins Ruhrgebiet gezogen, befinde mich immer noch in Elternzeit und finde es großartig.

Jetzt könnte/kann man natürlich sagen: „Wie, mehr ist bei dir 2018 nicht passiert??“
In meinen Augen ist das schon eine ganze Menge. Mein Leben stand und steht Kopf. Und das meine ich durchaus und nur positiv. Jeden Tag lerne ich neue Dinge. Über mich als Vater, Partner oder einfach nur Svensson. Was bleibt ist die Frage nach der Zukunft. Was wird 2019 zum Jahresende hier stehen? Ich hoffe neue „erste Male“, noch mehr Inspiration, Fotos, Musik, Reisen, Veränderung und noch viel viel mehr Familie und Abenteuer im Alltag.

Half the world away.

Heute früh, als ich unsere Wohnung verlassen habe, um mich Richtung Bahnhof und dann Richtung Flughafen aufzumachen, da war es wieder da: dieses Gefühl was bereits eingemottet schien.

Ein Gefühl, welches sich in der Vergangenheit schneller und größer entwickelte, als das Haushaltsdefizit der USA. Ein Gefühl, welches mich manchmal unvermittelt an der Kaffeemaschine im Büro überkam, manchmal auf dem Weg nach Hause nach einem gemeinsamen Wochenende - fuhr man doch wissentlich in die schlichtweg „falsche Richtung“ oder gerne und regelmäßig beim (alleine) Einschlafen. Akute Vermissung geschuldet der anfänglichen Fernbeziehung. Zuerst Schweden vs. Deutschland und dann Ruhrgebiet vs. Rhein-Main. So nah und doch so fern.

We see things they’ll never see
— oasis

Warum also kam dieses Gefühl heute Morgen einfach mit an die Bushaltestelle Richtung Bahnhof und rollte dann am Kofferband der Zieldestination im Kreis? Alte Wunden, vorweihnachtliche Emotionen? Sicherlich, denn eigentlich wollten wir zusammen als Familie nach Krakau und haben uns spontan dagegen entschieden. Hedi im Schub, zusätzlich das unvermeidlich unangenehme Zahnen und zu kalt um die Jahreszeit noch on top. Vernünftig vs. Vermissung. Während ich mich durch das Online- Angebot von BBC Radio 6 höre, kommt die Sprachnachricht von zu Hause: „Könntest du bitte einmal all unsere Reisen und Ausflüge mit Hedi (auch schon im Bauch) auflisten?“ Kurzes Revue passieren lassen vor dem inneren Reisepass und zum Schluss kommen welches Privileg wir haben. Freies Reisen, als Familie, als Team. Hedi und uns die Welt zeigen.

„Die Welt zeigen“, was für eine wundervolle Aufgabe eigentlich. Egal ob Pommes-Bude in Wattenscheid oder die kleine, versteckte Bucht auf Mallorca oder das Café in Hamburg mit den köstlichen Pfannkuchen. Alles ist neu für Hedi und auch oftmals für uns

So sitze ich nun hier in Krakau auf dem Bett meines Hotelzimmers, ein wenig wehmütig und gleichzeitig voller Neugier, was hier auf mich wartet. Eine grobe Route steht schon, Pierogi sind ein MUSS, vielleicht auch Bigos, Fotos und Videos und hoffentlich viel Inspiration für neue, gemeinsame Reisen, für 2019 und für dieses Blog. Für uns als Familie, für mich als Vater, für meine kleine und große Gefährtin zu Hause.

Deshalb wird jetzt das abendliche „Anti-Vermissungs-Programm“ gestartet, bestehend aus Netflix, „Erdnuss-Locken“ und einer lauten Version von Oasis „Half the world away“ via Kopfhörer, während eine weitere Straßenbahn an meinem Hotelfenster längs knattert.

Don´t look back in anger.

“Achtsamkeit”
Substantiv, feminin (die)
das Achtsamsein, achtsames Wesen, Verhalten

Es ist sicherlich Zufall, dass ich ein paar Zeilen zum Thema „Achtsamkeit“ so kurz vor Weihnachten schreibe. Aber vielleicht motivierte mich der bereits angesprochene vorweihnachtliche Glühwein-Ballermann in der Innenstadt, gut besucht von den umliegenden Bürogemeinschaften in der Mittagspause, Reisegruppen kurz vor ihrem Starlight-Express Besuch und manchmal doch noch leuchtenden Kinderaugen aufgrund der tiefroten Zuckerfärbung des Liebesapfels. Vielleicht liegt es auch an den Rückenschmerzen, die ich seit Tagen im wahrsten Sinne des Wortes mit mir umhertrage, oder daran, dass Suede gerade im Radio eine wundervolle Akustikversion von „Wastelands“ spielen.

Seit ich Vater bin (und man verzeihe mir die zu erwartende Storyline), bin ich noch sensibler und achtsamer geworden. Achtsamer auf meine Familie, auf mich aber auch auf unsere Gesellschaft.

Ja ich weiß, ich oller Romantiker. Da werde ich gleich die Fragen in den Raum stellen, was denn los ist mit uns Menschen, woher diese teils unglaubliche Unverbindlichkeit kommt, dieses Traurige in den Augen vieler Menschen, wenn sie sich den zweiten Becher Glühwein in der Mittagspause ordern, bevor es wieder ins Büro zur „Gemeinschaft“ geht.

Fragen, die ich wahrlich nicht klären kann und möchte, da zu komplex. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass morgens der Lieblingspulli in der Wäsche, der Kaffee zu heiß aufgebrüht, das Kind zu langsam auf dem Weg in die KiTa war oder oder oder ….

Vielen Menschen schwirrt pausenlos Alltagsstress durch den Kopf, der Autopilot ist auf „Funktionieren“ von Montag bis Freitag eingestellt. Wenn man Glück hat, ist im Zeitprogramm für freitags noch „früher Feierabend, Kinder aus KiTa abholen“ hinterlegt.  Vorher überfliegt man noch endlose Email-Verläufe, spurtet zum nächsten Meeting oder steht einfach genervt im Supermarkt, weil die ältere Dame ihr Kleingeld genau abzählt für das „Goldene Blatt“. Aber kann/darf/wird das unser Leben sein? Ständiges Vergleichen, immer über den Zaun zum Nachbarn in der gepflegten Reihenhaus-Siedlung schauen. „The grass is always greener on the other side“. Kennt man.

Vielleicht lebe ich auch in meiner eigenen, kleinen Elternzeit-Blase und bin der Realität Richtung Windel wechseln oder als Familie in der Küche zu Kylie Minogue´s „I should be so lucky“ tanzen, geflüchtet?! Wer weiß das schon? Fakt ist: Ich möchte mich nicht dieser vergleichenden Ohnmacht hingeben. Achtsamkeit scheint aktuell in aller Munde zu sein. Das Allheilmittel für und gegen alles. Ein wahrer Hype könnte man meinen. So notwendig wie unnötig, denn vielleicht (oder bestimmt) ist Achtsamkeit eine besondere (Zusatz-)Version der Aufmerksamkeit. Ein kleines Add-on, ein neuer Reiter in der offenen Alltags-Registerkarte.

Vielleicht braucht dieses Add-on manchmal nur ein kleines Update in Form eines Lächelns, eines „Danke“ an der Kasse oder schlichtweg mal ordentliches Durchatmen.

In diesem Sinne besinnliche Zeiten.

Weil die Zeit sich so beeilt.

Samstagabend in der Küche. Die Spülmaschine dreht ihre Runden und ich sitze am Küchentisch, lausche der Hintergrundbeschallung aus dem neuen, drahtlosen Lautsprecher inklusive Regen von draußen. Die Liebste entspannt in der Badewanne, Hedi schläft tief und fest, träumt hoffentlich vom letzten Abendbrei oder kleinen Häschen und ich aka. der Papa genehmige mir einen Gin Tonic.

Seit ein paar Tagen begleitet mich neue Musik. Dafür liebe ich Spotify, diese schier endlose Möglichkeit quasi „Unerhörtes“ (meinerseits) zu entdecken. Eine Band Namens „Hammock“ erreichte meine Ohren und schlagen in die gleiche Kerbe wie „The Album Leaf“ oder „This will destroy you“. Bands, die ich allesamt sehr schätze und mir ebenso ein Kopfkino bereiten.

Letzten Samstag begann es. In Sankt-Peter Ording. Wir verbrachten ein paar Tage an der See, erstmalig in SPO gastierten wir im Beachmotel bei wundervollem Herbstwetter. Ich stand früh morgens am Leuchtturm von Westerhever, hatte meine Kopfhörer auf und die Musik passte perfekt zur Szenerie. Ich war völlig allein dort, zumindest was Menschen betrifft. Um mich rum hunderte Gänse in den Salzwiesen bei den Vorbereitungen, um Richtung Süden aufzubrechen, um dort zu überwintern. Ich musste sehr grinsen, ein wahrlich gelungener Morgen. So friedlich und wunderschön.

Leuchtturm Westerhever

Zurück im Hotel traf ich meine Liebsten zum Frühstück. Warmer Kaffee und frisches Rührei stärkten für den Tag, während sich Hedi im Hochstuhl sitzend daran begab, eine Mandarine genauestens zu erkunden und dabei die Gäste um uns rum unbemerkt verzauberte.
Unser Hotel lag quasi direkt hinter dem Deich und so lagen lange Strandspaziergänge sprichwörtlich nah. Die Weite am Strand, die Dünen und das Meer trugen ihr Übriges zur Erholung bei. Und manchmal, da schossen mir wieder Bildfragmente von früh morgens durch den Kopf und vor meinem geistigen Auge. Nachhaltiges Kopfkino, gepaart mit Gedanken an Gegenwart und Zukunft, befüllt mit dankbaren Emotionen und Glücksmomenten.

So gingen ein paar erholsame Herbsttage ins Land. SPA, Strand, Spaziergänge, Kaffee & Kuchen und (!) wir feierten unser zweijähriges Kennenlernen. „Weil die Zeit sich so beeilt“ könnte man jetzt sagen, wenn man Popzitate als Referenz verwenden möchte. Wo ist sie hin? Die Zeit? Was wir nicht alles erlebt haben, worauf wir nicht alles stolz sein können. So standen wir also in den Dünen von SPO und die Zeit sie beeilte sich etwas weniger in diesem Moment. Das nennt man wohl Inne halten, ohne 4G oder WiFi, nur wir als Familie und Team.

Am Freitag ist Hedi sieben Monate alt geworden. Als wir damals nach Hause kamen, lief eine sehr ruhige und entspannte Playlist auf Spotify. Wie es der Zufall (?) so will, findet sich darauf die Band „Hammock“ wieder.  Und weil die Zeit sich so beeilt ist in vier Wochen Weihnachten, der entsprechende Glühweinballermann in der Innenstadt fand unlängst seine Eröffnung. Ich hörte heute den Song „Sinking inside yourself“ auf dem Weg in die Stadt und all die hektischen Menschen wabberten an mir vorbei Richtung Black-Weekend-Schnäppchen und ich sehnte mich einfach nur zurück, an diesen Morgen am Leuchtturm.

// Anzeige: Unser Dank geht an das Beachmotel SPO für die herzliche Gastfreundschaft.

Sechs Monate.

Seit einem halben Jahr sind wir nun Eltern. Sechs Monate voller Herausforderungen, Abenteuern, Reisen, Lachen, Weinen, Schlafmangel, Glücksmomenten, Account Takeovern und vor allem DANKBARKEIT. Keinen dieser Momente möchte ich missen, keinen einzigen.

Man ist mir das schwer gefallen neun Tage alleine durch Schottland zu reisen, da war Hedi noch ein ganz anderer Mensch. So frisch und klein. Das war eine Macht, ein Gefühl was ich unterschätzt hatte. Vatergefühle eben. Und genau diese (Vater/Mutter/Eltern) Gefühle lassen uns täglich alles geben. Alles für unser Kind, alles für Hedi und uns als Familie. Egal ob man um 0:17 Uhr nochmal in den Keller geht um die Wäsche aufzuhängen, spontan nochmal in den Supermarkt um die Ecke geht um eine frische Packung Schoko Eis für die elterlichen Nerven erbeutet. Oder Nachts im Bulli in Dänemark, eben nochmal umparken da sich die Windrichtung gegen das Aufstelldach gedreht hat. Oder in der Drogerie auf der Suche nach einem “neutralen” Schnuller, beim ersten Möhrenbrei oder in der Federwiege beim einschlafen. Im Krankenhaus als ich Hedi das erste Mal im Arm gehalten habe, ihre Augen völlig überfordert in das OP Licht schauten, als ich sie das erste Mal berühren, riechen, spüren konnte. Beim stillen in der Öffentlichkeit oder auf unserem ersten, gemeinsamen Flug.


Die Zeit, sie rast und steht manchmal doch still. Morgens wenn wir gemeinsam aufwachen, Hedi als erste wach und munter ist und sie uns auf ihre verzaubernde Weise klar macht: “Ich wäre soweit. Ich bin bereit für einen weiteren Tag voller Abenteuer und Entdeckungen”

All diese ganzen “ersten Male”.

Windeln wechseln, nach Mallorca fliegen, Sand unter den Füßen spüren, Möhrenbrei essen oder für zwei Stunden bei der Patentante sein. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, all diese kostbaren Momente und Erlebnisse. Fordernd und fördernd. Für Hedi um sich zu entwickeln und für uns als Paar und Familie zu wachsen. Jeden Tag zu lernen, zu lachen und zu staunen.  

Für das alles bin ich sehr dankbar.


Nur gucken.

Sonntag ist es wieder passiert. Der (vorerst) letzte Sonn(en)tag.

Alle waren sie unterwegs, Familien, Rentner, alt, jung, Singles, Paare. Alle nochmal raus. Alle nochmal auslüften und da passierte es mal wieder.

Wir (als Familie) werden angestarrt, quer durch alle Altersgruppen und unabhängig vom Beziehungsstatus. Ich trage meine Tochter stolz und glücklich auf dem Arm, sie lächelt, wir lächeln und von zufällig passierenden Mitmenschen kommt eine komplette “Gesichtsentgleisung”. Teilweise ist die Mimik wahlweise auf Valium oder hatte einen 0,5l Energy-Drink auf ex. Teilweise verbittert, teilweise fassungslos und (ganz traurig) leblos

Die Frage ist nun: Warum? Warum ist das so? Mimik nicht unter Kontrolle? Allgemeine Verwirrtheit? Neid? Erstaunt?


Wenn von den möglichen Antworten eine oder gar mehrere zutreffen sollte, kommen wir zur nächsten Frage: Warum? Warum Neid, warum verwirrt oder oder?

Diese Phänomen begleitet uns nun schon eine ganze Weile, definitiv verstärkt seit Hedi´s Geburt. Egal ob als Familie oder wenn einer von uns Hedi in der Trage hat und eben noch ein paar Sachen in der Drogerie shoppt. Egal wo. Mallorca Urlaub, Wanne-Eickel oder im Park um die Ecke. So versuche ich mittlerweile ein Muster zu erkennen, aber das gelingt mir nicht so Recht.

Nun könnte ich ein “gesellschaftliches Fass” aufmachen. Neid, Missgunst, schlicht “gönnen können”. Warum muss alles immer ein gesellschaftlicher Wettbewerb sein? (Und da möchte ich jetzt noch gar nicht an die künftigen Begegnungen im Kindergarten oder noch später in der Schule denken) Aber das mache ich nicht, dass haben bereits viele andere vor mir gemacht. Dennoch würde ich gerne verstehen was in den Köpfen der Menschen manchmal so passiert, diesen kleinen, inneren Smalltalk würde ich manchmal gerne mitschneiden.

Aber da gibt es natürlich auch all die anderen Menschen, die einen anlächeln, manchmal stehen bleiben und sogar ab und an das Gespräch suchen. Eine Wohltat, zwischen all den Nachrichten über mögliche kündigen von Atomabkommen und bayrischen Parteitagen

Manchmal stört uns dieses angestarrt werden arg, kennt man es noch aus seiner Kindheit, weil man war ja immer größer als die anderen Kinder und manchmal ist es völlig egal. So sollte es eigentlich sein. Völlig egal. Dann starren unsere Mitmenschen halt, anstatt sich an der frischen Herbst-Luft und Sonne zu erfreuen. Oder an einem Eis, oder an dem niedlichen Hundewelpen Video im sozialen Netzwerk.


Coastline.

Mehr Meer. Ist doch nachvollziehbar, oder?

Da wir unseren Bulli in Hamburg angemietet hatten und wir nicht sofort zurück “ins wahre Leben” wollten, nutzten wir die Gelegenheit um nochmal zwei Tage am Meer zu verbringen.

Heiligenhafen lag da nah. Sowohl geografisch als auch emotional. Unbedingt wollten wir mit Hedi an den Ort zurückkehren, wo wir unseren “Babymoon” verbracht haben im vergangenen Dezember.

Als wir in Heiligenhafen ankamen, wurden wir mit wundervollem Wetter begrüßt. Die Sonne schien in diesem “Endless Summer” mit aller Kraft und der Ausblick aus unserem Zimmer auf die Seebrücke war ein toller “Willkommensgruß”, zusammen mit einer Flasche Sekt im dazugehörigen Sektkühler.


Überhaupt ist die Seebrücke ein toller Ort in HHF, die Menschen scheinen dort ihre Sehnsucht nach Meer und Fernweh zu stillen. Fast andächtig schauen sie raus aufs Meer, lassen die Blicke schweifen und atmen durch. So auch wir und diesmal mit Hedi. Spaziergänge an dem Ort, an dem sie zuletzt noch in Mamas Bauch war. Verrückt ist das alles. Unser kleines Reisemädchen muss sich sicherlich wundern warum Mama und Papa immer so emotional werden auf ihren Ausflügen.

So verbrachten wir zwei wundervolle Tage & Nächte im Beachmotel HHF, genossen das ausgiebige Frühstück und den SPA Bereich. Nahmen Hedi mit in den hoteleigenen Pool und mussten feststellen: Hedi liebt es im Wasser, ebenso wie wir. Strandspaziergänge und ein Besuch im lokalen Surfshop sind natürlich Pflicht gewesen für uns.

Aber das oben beschriebene “aufs Meer schauen” war und ist einfach unbezahlbar. Egal ob in Dänemark, Mallorca oder eben in HHF. Dieses durchatmen, alles um einen herum vergessen. Ich fühle mich dann immer wie angekommen, irgendwie zu Hause. Es entspannt uns einfach ungemein.


So verliessen wir entspannt, aber auch ein wenig wehmütig diesen wundervollen Ort Richtung Ruhrgebiet und auf zu neuen Abenteuern.

// Anzeige: Unser Dank geht an das Beachmotel Heiligenhafen für die freundliche Unterstützung.

Schlafen wie ein Baby.

So vielfältig wie die Bedürfnisse von uns Erwachsenen an das Thema Schlafen sind, so sensibel und vielseitig sind die Bedürfnisse eines Babys.

Was so einfach klingt ist tatsächlich etwas, was ein Baby „lernen“ muss.
Vertrauen fassen, nicht das Gefühl haben alleine gelassen zu werden, die Nähe der Eltern zu spüren. Dieses Leben erst einmal zu verstehen, einen Tagesrhythmus zu erlenen. Tag & Nacht unterscheiden zu können. 

Hedi ist nun gute drei Monate alt und an ablegen war zu Beginn nicht zu denken, sie brauchte unsere Nähe um entspannen zu können. Es war nahezu ein Triumph, wenn sie tagsüber länger als zwanzig Minuten auf ihrem Stillkissen schlafen konnte.  Die Nächte liefen immer reibungslos getreu dem Motto: Eat – Sleep – Eat (Repeat).

Und so beginnt dann im Netz die Recherche, man liest sich durch Foren oder Tipps & Tricks der Apotheker- Familien- Zeitung und alles hat man irgendwie schon mal gelesen oder gehört.

Eine Sache sahen wir regelmäßig in den sozialen Medien: Die Federwiege NONOMO. Logisch, wer möchte nicht gerne in einem konstanten Rhythmus in den Schlaf gewippt werden? Wer schon einmal in einer Hängematte geschlafen hat, kann sich ungefähr denken was ich meine.

Ein paar Tage später klingelte also der Postmann und da war sie, die Lösung unserer „Probleme“. Wir haben uns für die Türrahmenvariante entschieden, so können wir den Schlafort recht flexibel halten. Alternativ gibt es auch noch einen passenden Ständer.

Der vollwertige, aus unbehandelter Bio-Baumwolle hergestellte Schlafplatz inklusive Matratze aus reiner Schafwolle war schnell angebracht.

Wir waren sehr gespannt auf unseren „ersten Versuch“.

Der passende Moment schien gekommen und so legten wir Hedi in die NONOMO ab. Suspekt ist wohl das richtige Wort, es schien Hedi suspekt nun dort zu liegen. Frei schwingend zwischen Wohnzimmer und Flur. An Schlaf war nicht zu denken.

Es folgten zahlreiche mehr oder minder erfolgreiche Anläufe. Mal schaffte sie es für ein paar Minuten, einmal sogar lange 20 Minuten in denen wir unser Abendessen inhalierten und die Gelegenheit nutzten, die Wohnung aufzuräumen. Immer wieder stellten wir uns die Frage: Ist das jetzt DIE Lösung? Irgendwie war sie das (noch) nicht. Und wenn wir eine Sache gelernt haben, neben der Tatsache das jedes Baby unterschiedliche Bedürfnisse hat, so auch,  dass Liebe und Geduld der Schlüssel zu allem ist. So hallten mir immer wieder Sätze durchs Ohr wie „Unsere Kleine konnte das von Beginn an gut“ oder „Auch nach sechs Monaten können wir unseren Sohn nicht ablegen“. Aber auch ein Satz den ich immer wieder gelesen habe, kam mir ins Gedächtnis: „Plötzlich ging es“. So war bzw. ist es dann auch. Von einem Tag auf den anderen, zwischen zwei Schüben legten wir Hedi ab und sie schlief selig für die nächsten sechs (!!) Stunden. Wir waren völlig überfordert mit dieser Situation, glücklich und verwundert. Da lag sie nun, schlummerte im Rhythmus von unserer „Babykrankenhauswirkommennachhause“-Playlist.

 

NONOMO

Mittlerweile gehört das (Ein)Schlafen in der NONOMO zum täglichen Programm, welches Hedi und auch uns als Eltern Struktur und Freiraum gibt. Manchmal bin ich schon ein wenig neidisch, dass ich keine so tolle Federwiege für meinen Mittagschlaf habe. Hängematte wäre vielleicht eine Option. Im nächsten Sommer. Auch hier ist Geduld der Schlüssel. ;)

// Anzeige: Unser Dank geht an die Firma NONOMO für die freundliche Unterstützung.

Less is gold.

Minimalismus. Ein Begriff, der mich seit geraumer Zeit mehr denn je beschäftigt. Ein Begriff, so konträr, wenn ich all die überfrachteten Geschäfte im ansässigen Innenstadt-Dschungel sehe oder Newsletter meiner liebsten Online-Plattformen erhalte. Ob online oder offline: Konsum, wohin das Auge nur reicht, mittlerweile bin ich müde davon, nicht nur wegen kürzerer Nächte aufgrund eines Säuglings im heimischen Nest. Minimalismus steht unschwer im Zusammenhang mit Konsum und vielleicht bedeutet Minimalismus für mich persönlich auch konsumreduziertes Verhalten, nicht aber radikaler Verzicht und moralische Verpflichtung einer neuen Trendbewegung.

Mein Weg zum Minimalismus ist nur schwer zu beschreiben, dennoch übe ich mich darin, diesen in den folgenden Zeilen einmal zu rekapitulieren, schon allein, weil es mich fasziniert, was eigentlich schon zu Kindheitstagen in uns an Eigenschaften und Marotten verankert ist und wie es sich später äußert.

In meinem Elternhaus war es stets sauber, dafür aber zum Teil arg chaotisch. Da existierte dieses Nirvana an Drogeriemarkteinkäufen, formal benannt als das „Kämmerchen“. Ein Abstellraum, der kaum noch zu betreten war. Überblick? No way. Da gesellten sich Deodorant-Tretmienen, die glücklicherweise von Küchenrolle gepolstert wurden nebst Obstkonserven für die nächste Geburtstagstorte. Mich störte dieses Chaos schon zu Kindheitstagen, nicht selten schaffte ich im frühen Jugendalter Ordnung in ebendieser – vergebens. Ich liebte schon immer Ordnung, hatte feste Plätze für meine Spielsachen, meine Schulsachen, meine Bücher und sonstigem Kram. Und diesen gewissen Kram sortierte ich gut und gerne regelmäßig aus und ging mit Oma Elli nebst Isokanne Kaffee auf Flohmärkte, um gesammelten Schätzen ein neues Zuhause zu offerieren. Diese Sonntage liebte ich: wir wurden meist einen Großteil unserer Sachen los, ich zog umher und fand hier und da gewiss auch etwas „Neues Altes“ für mich und es gab belegte Brote und Zitronenlimo von „Omma“. Herrlich!

Retrospektiv hat sich dort möglicherweise meine Flohmarkt-Leidenschaft geformt, die sich bis heute vollzieht und was mich auch schon auf die erste meiner ganz persönlichen Minimalismus-Regeln bringt:

„Wenn ein neues Teil kommt, geht ein Altes.“

Damit klappt es bei mir im Kleiderschrank zum Beispiel besonders gut. Ich erfreue mich an meinem neuen Teil und sortiere gleichzeitig ein Teil aus, was gehen darf. Wobei die zweite Regel wie folgt benannt werden kann:

„Buy less, choose well and make it last.“

Ich liebe Mode, Einrichtung, Produktdesign und noch so vieles mehr, habe mein Kaufverhalten in den letzten Jahren jedoch absolut revolutioniert. Warum? Weil ich meinen Stil in vielerlei Hinsicht gefunden habe und weiß, wo ich etwas finde. Als Liebhaberin von skandinavischer Einrichtung und puristischer Mode in schwarz, weiß, grau und nude kann ich nahezu alle Teile meiner „Kollektion“ miteinander kombinieren. So gibt es eigentlich nur Lieblingsstücke in meinem Schrank, die sich hervorragend kombinieren lassen und meinen ganz eigenen Stil ausmachen.

Stundenlange Shoppingtouren waren mal mein Workout, dann ging es gern einmal an einem Samstag in zwei bis drei Innenstädte oder Shoppinghöllen, ein Hop-on-hop-of-Bus wäre da eine super Sache gewesen! Diese Zeit möchte ich mittlerweile dafür nicht mehr investieren, wenn auch ich es liebe, umher zu bummeln und neue kleine Städte im In- und Ausland kennenzulernen, einen guten Kaffee zu schlürfen und zu entdecken und zu staunen. Ich kaufe mittlerweile größtenteils auf Flohmärkten, weil sich diese ganz eigene Kultur in den letzten Jahren auch unfassbar gut und fernab der Rasierklingen-Ramschmärkte gemacht hat.

Spezielle Klamottenflohmärkte, Nachtmärkte und neuerdings auch der Babykram-Flohmarkt zeigen mir immer wieder auf: wir alle brauchen eigentlich kaum etwas neu kaufen, jeder hat mehr als genug Zuhause und jedes Teil findet meist auch einen Abnehmer, der mehr oder weniger gezielt danach gesucht hat. Übrigens: wenn ich gezielt etwas suche und offline nicht fündig wurde, dann nutze ich Online-Plattformen und Social Media-Kanäle.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: ich brauche es nicht neu (online oder offline) kaufen, bin unabhängig von Raum und Zeit (Möbelstücke an einem Sonntagnachmittag abholen und mit einem Café im Lieblingsviertel der Nachbarstadt verbinden ist toll!), habe etwas für meinen ökologischen Fußabdruck getan und spare hinzukommend noch meist Einiges gegenüber vom Neupreis. Und gleich so funktioniert es eben auch andersherum: obwohl wir zwei kleine Haushalte zusammengelegt haben, trennten wir uns von vielerlei Objekten und leben nun sehr...sagen wir mal „clean“. Dazu passend die (vorerst) letzte Regel:

„Weniger, aber wertvoll und nützlich“

Warum die geräumige 3-Zimmer-Wohnung mit Objekten belagern, die keinerlei Nutzen haben oder einfach nur schön aussehen? Klar, da müssen sich beide Partner und oder Mitbewohner einig sein, wir sind es glücklicherweise und mögen es ruhig und clean, dennoch nicht minder detailverliebt und mit Charakter.

Einzelstücke- GO! Persönliche Lieblingsteile – GO! Massive Möbelstücke – NO, diese lassen weniger Spielraum für Veränderungen.

Veränderungen sind auch machbar, indem man das Sofa neu bezieht, Kissenhüllen austauscht, ein neues Paar Vorhänge besorgt. Und so sollte es auch sein, dass wir unsere Wunschküche online und gebraucht in der Nachbarschaft finden (oder sie uns?!) anstatt eine lange Lieferzeit und ein weniger zutreffendes Alternativmodell in Kauf zu nehmen.

Auch hier hat nun alles seinen Platz gefunden und bis auf den Basilikumstrauch ziert noch rein gar nichts die seidenweiße Arbeitsplatte. Ob wir da noch was für brauchen?

Nein, denn:

LESS IS GOLD.

L.

Morning Glory.

Während der Fliesenleger den Fliesenspiegel in der Küche vollendet, lege ich die neue Nils Frahm Vinyl auf. Vom Kindergarten gegenüber höre ich spielende Kinder und der zweite Kaffee des Tages läuft durch den Filter. Es herrscht eine gewiss besondere Stimmung, so kurz vor Geburt in unserem gemeinsamen Nest.

Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen, plötzlich ist Frühling und ich lebe mittlerweile im Ruhrgebiet. Sonntags muss ich nicht mehr zurück nach Wiesbaden, eine Tatsache die ich manchmal immer noch nicht ganz realisiert habe, während wir gemeinsam den Tatort schauen oder zum Einschlafen der neuen Folge von „Fest & Flauschig“ lauschen.

Bereits beim Tag des Einzugs fügten sich unsere Möbel und Habseligkeiten ganz wunderbar zu einem gemütlichen Zuhause zusammen. Nach und nach entstand und entsteht unser gemeinsamer, sicherer Hafen. In dem wir gemeinsam leben, lieben, lachen, kochen, auch mal weinen, kuscheln und uns bald auch als kleine Familie finden werden. Ich bin sehr dankbar für die helfenden Hände in den letzten Wochen. Sei es mein alter Nachbar, der mir beim Tragen von Dingen und Diversen geholfen hat. Die Transportfirma, die meine Plörren in einem Rutsch und ohne Probleme ins Ruhrgebiet transferiert hat. Oder all die lieben Menschen hier in Bochum die geholfen haben, Löcher zu bohren, Kartons aus der vierten Etage in mein Auto zu tragen oder einfach die neuen Nachbarn, die uns mit einem kleinen Blumengruß willkommen hießen.

Alles ist vertraut hier, ein sehr gutes Gefühl nach so kurzer Zeit. Die neuen Wege in der Wohnung, der Ort an dem die Kaffeefilter liegen, das Licht im Kinderzimmer. Das scheint dieses „Gefühl von ankommen“ zu sein, oder um ein Pop-Zitat zu bemühen: „Gekommen um zu bleiben“. Und so zählen wir die Tage/Stunden bis „Little H.“ bei uns einziehen wird. Da ist sie wieder diese seltsame, wohlige Mischung von Gefühlen, Kaffeeduft und dem Knistern von Vinyl, während die Nadel sich auf die zweite Seite der Platte senkt.

Jetzt heißt es warten und (vor)freuen auf „Little H.“

 Wie wird sich das anfühlen, hier zu Dritt? Wenn sich zum Knistern der Schallplatte die ersten Geräusche unserer Tochter gesellen? Werde ich überhaupt eine Platte auflegen wollen, zwischen Windeln wechseln, Kaffee zubereiten und Wäsche waschen?

Klar werde ich das! Denn diese Wohnung und wir als Paar und Team, wir werden das gemeinsam „bewältigen“. Wobei bewältigen sich so dramatisch anhört, soll es doch gar nicht. Sicherlich wird die nächste Zeit die größte Herausforderung vor der wir bisher standen, aber daran werden wir wachsen und diese einzigartige Zeit genießen. Mit frischem Kaffee und guter Musik natürlich. Aber viel wichtiger: Mit viel Liebe und Ruhe.

Also, „Little H.“ wir sind bereit, wenn du es bist.

Glück auf Bochum.

Lange war es ruhig hier.
Das lag daran, dass ich Kisten und Kartons, Schallplatten und Erinnerungen, sowie Schränke und den Rest meines Lebens verpackt und transportiert habe. Eigentlich mehr die unseres Lebens, denn meine hochschwangere Freundin wurde auch umgezogen.

Umgezogen, tillsammans ins gemeinsame Nest im Ruhrgebiet.
Hej NRW! Da bin ich wieder, nach gut acht Jahren der Abwesenheit.

„Tief im Westen
Wo die Sonne verstaubt
Ist es besser
Viel besser, als man glaubt
Tief im Westen“

Bochum, du bist es geworden. Meine neue Heimat, mitten im Pott, wo die Menschen das Herz auf der Zunge tragen, wo manches ein wenig rauer erscheint, aber eigentlich gar nicht ist. Wo Trinkhallen und Currywurst zur täglichen Kultur gehören und liebe Freunde in der Nachbarschaft leben.

„Du bist keine Weltstadt
Auf deiner Königsallee
Finden keine Modenschauen statt
Hier, wo das Herz noch zählt
Nicht das große Geld
Wer wohnt schon in Düsseldorf?“

Bochum ich freue mich auf dich! Deine Ecken und Kanten zu erkunden, ganz bald dann auch als Familie, immer mit Kamera, Wickeltasche und Kinderwagen ausgestattet.

„Du bist keine Schönheit
Vor Arbeit ganz grau
Du liebst dich ohne Schminke
Bist 'ne ehrliche Haut
Leider total verbaut
Aber grade das macht dich aus“

14 Tage hat es gedauert. Umzug, einrichten, Dinge auf – und abbauen.
Bereits jetzt fühlt es sich nach uns an. Alle Dinge haben ohne Probleme oder Diskussion ihren Platz gefunden (okay, meine Platten noch nicht, da suchen wir noch nach einer skandinavisch-reduzierten Aufbewahrungslösung). Aber alles hat sich ganz wunderbar entspannt nach und nach zusammengefügt.

Diese Entspanntheit tut gut, so kurz vor Geburt.
Wir können uns auf das wesentliche konzentrieren: Uns. Und auf den ein oder anderen Antrag den man als werdende Eltern ausfüllen muss. Aber das wäre wahrscheinlich ein extra Artikel wert.

All change.

Seit ein paar Wochen schlafe ich nicht mehr in (m)einem Bett. Verkauft aufgrund anstehender, räumlicher Veränderungen. Übrig blieb ein Matratzenlager und jeden Morgen das gleiche „Ritual“.

Körper entknittern, Kaffee zubereiten, Gedanken sammeln und so den Tag beginnen. Anfangs habe ich innerlich ein wenig geflucht das Bett so früh verkauft zu haben, denn: „Ist doch noch lang hin bis zum Umzug“.
Umzug und Veränderung. Endlich ziehe ich in meine neue/alte Heimat. Bochum und NRW. Mittlerweile bin ich mehr als glücklich über mein Matratzenlager, denn es steht für mich symbolhaft für die kommende Veränderung.

Veränderung bringt neue Chancen, neue Gedanken und Ideen.

Früher hat mich das innerlich vor große Herausforderungen gestellt. Ungewissheit, damit konnte ich ganz schlecht umgehen. Sie hat mich unsicher gemacht, macht sie auch heute manchmal noch. Aber nicht mehr so sehr wie früher. Klar, man wird älter und entspannter. Lebenserfahrung wahrscheinlich, aber auch die Partnerin an meiner Seite trägt ihren Teil dazu bei. Ich fühle mich sicher und gut aufgehoben mit meinen Gedanken und Ideen.

Aber auch Dinge das (vorerst) letzte Mal zu machen ist eine Macht.

Die Liste wäre endlos. Letzter Montag im Büro, letztes Mal Frankfurter Skyline, letztes Mal die Lieblingspizza. Aber: Es ist egal, denn das Büro rennt nicht weg, ebenso wenig wie die Frankfurter Skyline. Pizza gibt es auch sehr Köstliche in meiner neuen Heimat.

Vielmehr sind es die „ersten Dinge“ die mich so neugierig machen, auf das, was da kommen mag. Am Freitag bekommen wir die Schlüssel für unsere künftige Wohnung und im Kopf formt sich ein Bild, welches Möbelstück wo stehen könnte. Auch die Neugier auf die erste Nacht im neuen Heim, der erste Morgen mit frischem Kaffeeduft. Welcher Song wird das erste Mal durch die Zimmer schallen?

Gar nicht davon zu sprechen wie es sein wird, wenn wir unserer Tochter ihr zu Hause das erste Mal zeigen dürfen. Sie aufwachsen zu sehen, in dieser Wohnung, die in den nächsten Tagen und Wochen unser Nest wird.

All diese Gedanken entschädigen für die morgendlichen Rückenschmerzen, denn:

„The future is bright“.

"Sie hat Strickuterus gesagt".

 

Aus der Reihe „Dinge die ich zum ersten Mal in meinem Leben mache“: Der Geburtsvorbereitungskurs als solches.

Viele Gedanken und Mythen kreisten im Vorfeld des Tagescrashkurses in meinem Hirn.
Werden wir den ganzen Tag „hecheln“? Unsere innere Mitte durch angeleitete Atemtechniken finden? Wie würden die anderen Paare sein? Zukünftige Helikoptereltern?
Wird es Kaffee geben und PEZI Bälle? Fragen die sich innerhalb von sieben Stunden inklusive Mittagspause und Flat White klären sollten.

Denn es sollte um Klarheit gehen.

Bochumer Hinterhof-Romantik, erste Etage.
Hebammen Praxis mit Teeküche und einem Raum, ausgelegt mit Yoga Matten und Stillkissen, sowie ein wenig Grundschulturnhallen-Atmosphäre. Insgesamt neun Paare fanden sich an diesem Samstagvormittag ein, durften sich einander vorstellen, Erwartungen an den Tag äußern und sich den ersten Kaffee aus der vorbereiteten Thermoskanne genehmigen.

Erwartungen. Was hat man als werdende Eltern für Erwartungen an einen solchen Tag? Oder an die Geburt an sich? Vieles was vorgetragen wurde von den anderen, zukünftigen Eltern drehte sich um Ängste, Schmerzen und „…im Internet hatte ich folgendes darüber gelesen…“. Da kam zum ersten Mal ein guter Einwand der Kurs gebenden Hebamme: „Das ist alles nur in euren Köpfen“. Da und wahrscheinlich in WhatsApp Gruppen und Google. Wer bin ich, der sich ein Bild davon machen kann, wie eine Schwangerschaft oder Geburt abläuft? Was meine Partnerin fühlt, wie es ist, ein Kind auszutragen und dann „herzugeben“ wie die Hebamme es formulierte. Ich als Mann kann „nur“ da sein, helfen und unterstützen. Dabei hilft Klarheit, Ruhe und Vertrauen in die Partnerin.

The Tribe

So ging es im Verlauf des Tages um die verschiedenen Phasen der Geburt, was teils sehr anschaulich Mittels Hüftmodell und Stoffplazenta, inklusive Strickuterus veranschaulicht wurde. Aber auch Basics wie: Wann fahre ich ins Krankenhaus, was nehme ich mit und worauf kann ich auch verzichten wurden besprochen. Ebenso über das nicht zu verachtende Thema Babyblues und Wochenbett-Depression.
Klar, ein bisschen gehechelt wurde auch und eine weitere Erkenntnis meinerseits: Die Dehnübung „Gestrandeter Walfisch“ oder auch bekannt als Balasana Stellung aka „Die Position des Kindes“ kann ich. Auch mit meinem langen Rücken und Ü40.

Ich erspare euch die Details zu Plazenta Ablösungen, möglichen Blutungen und anderen Dramen. Daher mein Fazit: Macht einen solchen Kurs, denn er bringt wirklich Klarheit, Ruhe und dadurch auch Entspannung im Schwangerschaftsgedankenkarussell. Es stärkt euch als Paar, als Team und künftige Familie. Zudem kann man sich im ersten Austausch mit (werdenden) anderen Eltern üben. Denn das wird einen ja auch zukünftig begleiten und prägen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Mutterschutz & Butterbrot.

Wo sich eine Tür schließt öffnet sich eine andere.

Ein Sprichwort, was zu vielerlei Lebenssituationen passt und derzeit sinnbildlich auf die grundierten Türen des baldigen Familiennests zutrifft. Aber: noch gilt es, sich ein wenig zu gedulden und die Zeit zu nutzen, zwei Haushalte passioniert minimalistisch zusammenzuführen. 

Welche Tür sich jedoch diese Woche auch schließt, ist die meines Arbeitgebers und in naher Zukunft auch die von Svenssons, der sich in die Elternzeit begeben wird. 

Für mich beginnt der Mutterschutz. Ein Wort, welches etwas Wohliges und Behütetes ausdrückt, zugleich aber natürlich auch mit administrativen Challenges verbunden ist. 

Ich denke, für viele werdende Mütter kommen gemischte Gefühle auf, wenn der TAG X dann erst einmal bevor steht. Und das ist auch total verständlich, da ein neuer Lebensabschnitt wartet, der so viel Veränderung und teils ungewisse Situationen mit sich bringt und man sich in eine ganz neue (gesellschaftliche) Rolle einfinden muss, kann und darf.

Und: mir geht es da ab und an nicht anders, wenn auch mein Job kein Vollzeitjob ist und ich meinen Alltag mit den Endzügen meines Studiums und besagtem Job bestreite, ABER: ich bin Veränderungen gewohnt, nehme diese an und habe mich dadurch in den letzten Jahren auch vielleicht zu der Person entwickeln können, die ich heute bin. Ich bin rückblickend meist an Veränderungen gewachsen (ach, nun kann ich mir auch besser die 184cm Hightower-Größe erklären!), bin offener und gelassener geworden und vor allem versuche ich, auch negative Veränderungen zu positiven zu machen getreu dem Motto: „Mach´ das Beste draus.“ 

Klappt natürlich mal besser, mal schlechter!

Da ich mich unfassbar sehr auf die kommende(n) Veränderung(en) freue und man die Feste feiern sollte, wie sie fallen, habe ich mich dazu entschieden, meinen beginnenden Mutterschutz zu zelebrieren. Klein, aber fein. Mit Ideenreichtum und Raum für kreative Ausbrüche. Und was passt besser zu einer solchen Feierei, als saure Gurken nebst herzhaftem Käse auf einer ehrlichen Scheibe Sauerteigbrot? I call it STULLEN-Sause. Ein Zusammenkommen zum gemeinsamen Abendbrot hat doch fast was mit der dänischen HYGGE-Mentalität zutun, die ich zu sehr schätze. Das Bild im Kopf stand schnell fest, also wurde alles Passende zusammengesucht und auf einer langen Tafel (Kaufempfehlung: Mehrzwecktische!) liebevoll hergerichtet. Das 13qm-Wohnzimmer wurde zum Hort der Gemütlichkeit und bewies wieder einmal Raumwunder-Qualitäten. Eventuell ein letztes Zusammenkommen in diesen Wänden vor dem Umzug ins neue Nest und klein H.´s Geburt? So oder so war es in diesem Falle ein gebührender Abschied an einem gemütlichen Abend Mitte Februar, der Woche vor dem großen Wort „Mutterschutz“!

PS: im nächsten Leben würde ich gerne Dekorateurin werden. Oder Stullen-Schmiererin. Oder Abendbrot-Beautragte. 

L.