Erinnerungen.

Du möchtest emotionale Erinnerungen, diesen einen, kleinen Moment konservieren bevor er verloren geht? So könnte es aussehen. Bei euch zu Hause, in eurem Garten oder auf Mallorca. 😉

Wenn dir mein Stil gefällt und du auch gerne Bilder von dir und deiner Familie haben möchtest, dann nutz gerne das Kontaktformular oder schreibe mir eine Mail an hej@svenkleuter.com

Ich freue mich auf euch.

Tag am Meer.

Jeder Schritt neues Land
Wird das immer so sein
du spürest die Lebensenergie
Die durch dich durchfließt
Das Leben wie noch nie in Harmonie und genießt
Es gibt nichts zu verbessern
Nichts was noch besser wär’
Außer dir im Jetzt und Hier
Und dem Tag am Meer
— Die Fantastischen Vier "Tag am Meer"

Es ist Sommer. Eindeutig ist es Sommer. 38° im Ruhrgebiet, überfüllte Freibäder, die mit Sicherheitskräften aufgestockt werden müssen und Wohnungskoller gepaart mit dem Drang „man MUSS ja raus“. Klar muss bzw. kann man, aber mit einem Kleinkind gar nicht so einfach. Ist es uns Erwachsenen bereits zu anstrengend, wie soll so ein kleiner Körper das gut verpacken?

Eine Lösung muss also her.

Denn ein paar Tage in Folge hält man die oben beschriebene Situation nicht aus.
Also, alle Mann mit frisch aufgebrühten Kaffee, „Leih-Omma“ und Snacks ins Auto Richtung Holland ans Meer. Wenn auch nur für einen Tag, da eine Übernachtung absolut nicht bezahlbar gewesen wäre.

Zur besten Strandzeit angekommen in Noordwijk, zuammen mit (gefühlt) Halb Holland und anderen Meer suchenden aus Deutschland. Kurz das Parkplatz-Karma aktiviert und den perfekten Platz gefunden, die minimalistischen Plörren ausgepackt und zum Strand transportiert.

Da waren wir nun mit köstlichem Nudelsalat und Blick aufs Meer, wir als kleine Familie.
Hedi war mehr als fasziniert vom bunten Strandtreiben um sie rum, so war sie doch nur den menschenleeren Strand gewohnt.

Vorteil wenn man die „Leih-Omma“ dabei hat, man kann als Paar endlich mal wieder was alleine machen. Ins Meer gehen, gemeinsam schwimmen, dass Wasser und die Zeit zusammen genießen.
Welch Wohltat diese paar Stunden für uns waren, raus aus der Stadt hin zu Zeit für uns. Selfcare am Strand quasi.

Neben schwimmenden Eltern gab es aber ein weiteres Großereignis, welches diesen Tag für uns unvergesslich machen sollte und damit meine ich nicht die unverschämt leckere Erdnussbutter, die ich später in einem holländischen Supermarkt erbeutet habe.

Hedi ging ihre ersten, freien Schritte am Strand mit Blick aufs Meer. Ohne sichernde Hand von uns, einfach so und mit stolzem Lächeln im Gesicht beim Kinde und Tränen vor Glück in den Augen der Eltern. Welch besseren, schöneren Ort und Moment hätte es dafür geben können? Genau. Keinen. 😉

Auf der Rückfahrt waren alle Müde von der vielen, frischen Luft und dem erlebten bzw. neu erlernten. Es war diese Art von Müdigkeit, die einen zufrieden und glücklich auf den Tag zurückblicken lässt. So wie es nach einem Tag am Meer sein soll.

End of Story.

Nimm mein Mixtape, Babe.

“A good compilation tape, like breaking up, is hard to do. You've got to kick off with a corker, to hold the attention (I started with 'Got To Get You Off My Mind', but then realised that she might not get any further than track one, side one if I delivered what she wanted straight away, so I buried it in the middle of side two), and then you've got to up it a notch, and you can't have white music and black music together, unless the white music sounds like black music, and you can't have two tracks by the same artist side by side, unless you've done the whole thing in pairs, and ... oh there are loads of rules.”

Tape

Ich bin ein Kind der 80´er und ich bin ein Kassetten-Deck Kind.

Damals habe ich unzählige Sonntag Nachmittage damit verbracht auf diversen UKW Radiosendern die aktuellen Lieblingshits mitzuschneiden.

Was es damals noch für Unwegsamkeiten gab: Der Sender rauschte plötzlich, der Song wurde zu frühe beendet, weil irgendwo ein Falschfahrer unterwegs oder die eigene Berechnung der Kassetten Länge vs. Hits passte nicht zusammen und man musste langsam, aber zu früh ausfaden. Worst Case war dann , wenn die Kassette des Vertrauens plötzlich anfing zu leiern oder nicht richtig beschriftet war. Dem habe ich dann irgendwann entgegengewirkt und aus der BRAVO die entsprechenden Interpreten ausgeschnitten und liebevoll zu einem Cover-Artwork verziert. Was man halt so gemacht hat.

Dann viele Jahre später, kam einer meiner absoluten Lieblingsfilme in die Kinos, vielleicht ist das sogar DER Lieblingsfilm schlechthin meinerseits.

„High Fidelity“, ein Film über einen hoffnungslos verliebten und nerdigen Plattenladenbesitzer, aus dem auch das Zitat oben ist.

High Fidelity

Dieses Zitat und der ganz Film öffneten mir die musikalischen Augen in vielerlei Hinsicht: Musikalische Referenzen von vermeintlichen Klassikern, Verbindungen zwischen verschiedenen Genren und für mich am allerwichtigsten bis heute: Mixtapes mit Spannungsbogen und welche Emotionen man(n) damit auslösen kann. Weiß auch Olli Schulz:

Nimm mein Mixtape, babe
Ich hoffe daß es dir gefällt
Nimm mein Mixtape, babe
Mit Liebe zusammen gestellt
Nimm mein Mixtape, babe
Ich hoffe du kannst es brauchen
Nimm mein Mixtape, babe
Kannst du in meinen Sound eintauchen

Was hab ich mir Gedanken gemacht im Vorfeld über die Mixtape Empfängerin aka. Herzensdame. Was gefällt ihr bzw. Was könnte ihr gefallen und was kennt sie vielleicht noch nicht? Überraschungseffekt und so.

Plattensammlung

Mittlerweile gibt es diverse Streamingdienste und somit quasi ALLES auf Knopfdruck was irgendwann mal irgendwo veröffentlicht wurde, ein schier unendlich großer Pool an Musik aus allen Genren die man sich so denken kann. Somit sind mein Playlisten/Mixtapes digital. Keine leiernden Kassetten mehr oder UKW Rauschen im Hintergrund. Dafür aber Spannungsbögen gestaltet durch verschiedenste Dekaden, Genre und und und. Auch heute noch höre ich verdammt gerne und viel Radio, nur dass ich nicht mitschneide, sondern beim Streaminganbieter des Vertrauens dann weiter recherchiere. Fluch und Segen zu gleich, schier endlose Möglichkeiten und Zeit die dabei verfliegt. 

Freundin, Songs für die Tochter, Roadtrips, Arbeit, Best of 2019 …. 

Anlässe für Playlisten sind gar vielfältiger Natur und machmal denke ich darüber nach, ob es nicht doch eine (Nischen) Geschäftsidee wäre einen Playlist-Service anzubieten. Auftraggeber gibt Anlass und Genre vor, ich mache den Rest. Aber der Gedanke bleibt wohl in seiner kleinen Nische und ich mache weiterhin Fotos und die ein oder andere Playlist fürs gute Gefühl am Sonntag Vormittag mit der Familie. 

Einer von 5%.

„Vaterschaft verändert sich: Väter heute haben ein neues Selbstverständnis. Sie wollen sich aktiv und auch im Alltag um ihre Kinder kümmern. Gerade junge Paare wollen auch als Eltern gleichberechtigt leben. Tatsächlich erziehen und betreuen Väter ihre Kinder heute mehr als sie es von ihren eigenen Vätern kennen. Sie wünschen sich vielfach noch mehr Zeit für die Familie.“ (Auszug aus dem Väterreport 2019 des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Nur ca. 5% der Väter gehen nach ihrer Elternzeit in Teilzeit zurück in ihren Job, habe ich neulich auf dem Weg nach Hause irgendwo gelesen - auf dem Weg nach Hause nach Feierabend. Denn mein Jahr Elternzeit ist vorbei und nun bin ich einer von den 5%. Es ist ein gutes Gefühl diese Entscheidung getroffen zu haben, so kann und möchte ich mir aktuell nicht vorstelle, wie es wohl wäre, wenn ich wieder Vollzeit arbeiten würde und ja ich weiß: Bei den meisten der „restlichen“ 95% gibt es gute Gründe dafür oder dagegen. Mittlerweile gibt es in unserer Gesellschaft so viele unterschiedliche Lebens – und Arbeitsmodelle, da muss jeder seinen Weg finden und das versuchen wir gerade. Unseren Weg finden, klingt einfach, ist es aber nicht. Egal ob Teilzeit oder Vollzeit, da geht es plötzlich los: das Organisieren und Planen. Wer kann wann wo abholen? Arzttermin am 27.? Ja, geht…gehe ich etwas später ins Büro. Die Herausforderungen sind die gleichen, wenn auch zeitlich etwas flexibler, wenn man Teilzeit arbeitet.

Warum gehen wir diesen Weg? Das werden wir oft gefragt, manchmal führt unser Modell zu Erstaunen und/oder Neugier. Manchmal vielleicht auch zu Kopfschütteln, denn schließlich “muss” der Mann ja die Kohle nach Hause bringen. Kennt man, akzeptiert man. Wir gehen diesen Weg, weil wir freier sein möchten, freier in unserer gemeinsamen, gleichberechtigten Erziehung. Weil wir mehr Zeit als Familie verbringen möchten, mehr Auszeiten schaffen möchten.
Ob der Teilzeit-Weg einfach ist?? Sicherlich nicht, im Gegenteil. Finanzielle Aspekte, gesellschaftliche Diskussionen, Planungen… all das und noch viel mehr ist immer präsent. Aber auf der anderen Seite ist die Zeit. Zeit, die sich nicht in Geld aufwiegen lässt. Momente, die ich nicht missen möchte, die ich vielleicht verpasst hätte in Vollzeit. Und nach einer knappen ersten, vollen Woche kann ich für mich sagen: Es ist ungewohnt in Teilzeit zu arbeiten, generell wieder zu arbeiten, aber es erfüllt mich auch, weil ich a) etwas mache woran ich Spaß habe und b) eben, weil es in Teilzeit ist. Dieser Gedanke macht mich deutlich entspannter und glücklicher in meinem väterlichen Alltag bzw. in unserem Familienalltag.

Macht mich also Teilzeit zu einem “besseren” Vater? Ich weiß es nicht, denn in diesem Zusammenhang das Wort „besser“ zu wählen wäre anmaßend. Aber ich bin mir sicher, dass es etwas mit der Bindung zu meinem Kind macht, dass diese intensiver ist und wird. Der Gedanke macht mich zu einem sehr glücklichen Vater, Gefährten und Vertrauten für meine Tochter. Gleichzeitig verschafft uns diese Entscheidung Freiraum für Ideen, Projekte und Kreativität. Er ermutigt mich und uns an unsere Ziele und Träume zu glauben. Sie nicht einfach nur Träume sein zu lassen, sondern sie weiter beharrlich zu verfolgen. Für uns als Familie.

An end has a start.

Oft habe ich mich gefragt: „Wann kommt der Moment? Wo werde ich sein? Was werde ich tun?“ Der Moment an dem ich plötzlich realisiere das mein Jahr Elternzeit in ein paar Tagen vorbei ist. Der Moment an dem mir klar wird „Hej, geht wieder los. Das „wahre“ Leben“ Mit arbeiten gehen und so.

Heute war er dann da, am Strand in Noordwijk, während ich meine schaukelnde Familie durch den Sucher meiner Kamera betrachtete und ich diese pure Lebensfreude in den Augen meiner Liebsten versuchte zu konservieren, für die Zeit danach. Nach dem Wochenende am Strand, nach der ersten Arbeitswoche, nach einem Jahr Elternzeit. Es lief „The National“ über die Lautsprecher, welche den noch fast leeren Strand beschallten und während ich durch den Sucher blickte kamen mir die Tränen. Vor Freude und Vorfreude. Und Dankbarkeit.


Dieses erste Jahr als Papa, Familienvater, Gefährte, Freund, Verlobter…es war Besonders. Ich glaube diese Zeit hat mich geprägt wie keine andere in meinem bisherigen Leben. Dieser Moment wo ich Hedi das erste Mal in meinen Armen hielt, sie noch keine fünf Minuten auf dieser Welt, in die OP Lichter blinzelte, da hatte sie mein Herz erobert und gleichzeitig sollte es der Start in dieses erste, gemeinsame Jahr werden. Ein Jahr voller Liebe und Abenteuer, voller „erster Male“ und Ritualen. Ein Jahr voller Veränderung und Anstrengung. Ein Jahr voller Dankbarkeit, voller Lernen und gemeinsamen entdecken.

Und wir sind gewachsen an all dem. Sei es beim Windeln wechseln auf dem Flug nach Mallorca, während ich mich mit meinen zwei Metern Körpergröße in die Boardtoilette falten musste. Im Krankenhaus Anfang des Jahres, nicht zu wissen was plötzlich passierte mit Hedi und uns. Oder am ersten Mal getrennt voneinander sein, weil ich für ein paar Tage in Schottland und Südkorea war.
Wir sind eine Familie geworden in diesem Jahr, welch wundervolles Gefühl. Diese tiefe Bindung, die in den letzten Monaten zwischen uns entstanden ist bzw. sich gefestigt hat, die ist unbezahlbar und deswegen würde ich es jederzeit wieder so machen. Mir und uns ein ganzes Jahr Zeit geben, um anzukommen in den neuen Rollen, im Leben oder eben beim (r)einfalten in besagte Boardtoilette.

Was kommt also als nächstes? Der ganz normale Familienalltag? Ja, vielleicht. Aber immer mit unserer eigenen Handschrift, unserem eigenen Tempo. Sei es beim eingewöhnen bei der Tagesmutter, oder aber beim erstmaligen schaukeln am Strand von Noordwijk. Wir haben so viele Ideen und Möglichkeiten, uns steht alles offen. Klingt vielleicht ein wenig pathetisch, aber so ist es. Ich bin voller Vorfreude auf all das. Auf unsere gemeinsamen Projekte, Schnapsideen, konkreten Pläne und und und.

Während ich diese Zeilen schreibe, liegen wir auf unserem Hotelbett (mittlerweile in Utrecht angekommen) und da lese ich folgendes:

E N D E. Vier Buchstaben, die es in sich haben. Sie markieren Abschiede, Schlussstriche, mögliche Neuanfänge, sind plötzlich oder vorhersehbar, möglicherweise planbar und doch überraschend. Unser E N D E beschreibt in diesen Tagen Ebensolches der Elternzeit. Ein Jahr als Mann in Elternzeit: sagen wir es so: die Reaktionen dazu waren zu Haufe identisch: einerseits belächelnd & kritisch, andererseits „neutral“ und verhalten, vielerseits jedoch auch bejahend und begeistert. Im Alter von sechs Wochen waren wir zusammen das erste Mal an der holländischen Nordsee, die Babytrage lies „damals“ noch kaum ein sich darin befindliches Baby vermuten, so winzig warst du da, kleine Hedi. Wir schnupperten Meeresluft, gingen etliche Kilometer spazieren und hatten deutlich mehr Gepäck für ein paar Tage dabei, als heute. Wir schließen das Kapitel Elternzeit deshalb an der selbigen See, dieses Mal mit einem neugierigen Kleinkind im „Gepäck“ ab, was freudig auf Möwen, Wellen und Hunde zeigt und das ein oder andere holländische Matschbrötchen verdrückt. Dieses Bild, es ist der Inbegriff des vergangenen Jahres für mich: Nähe, Vertrauen, Ankommen, Glückseligkeit. Ich könnte noch lange fortfahren, aber das braucht es nicht. Ich bin unglaublich stolz auf dich, Svensson! Du bist unser liebevoller Papa bear, unser sicherer Hafen, unser Zuhause.

Danke, dass du so „mutig“ und offen warst, dein gesamtes Leben umzukrempeln und wir jeden Tag die kleinen und großen Momente zu schätzen wissen- Wir, die kleine F A M I L I E.

L O V E, L

Schöner kann ich es nicht formulieren, von daher (für heute) ENDE.

 

 

Diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart, wie du denkst.

Guten Morgen Berlin
Du kannst so hässlich sein
So dreckig und grau
Du kannst so schön schrecklich sein
— Peter Fox "Schwarz zu blau"

Northern wind.

You’re the Northern Wind
Sending shivers down my spine
You’re like fallen leaves
In an autumn night
You’re the lullaby
Singing me to sleep
You are the other half
You’re like the missing piece
— City and Colour "Northern wind"

Kein Ruf.

Als ich den Laptop aufklappte erschien auf dem Bildschirm ein plakatives „Akkustand niedrig!“
„Eben“ dachte ich mir, so kam ich doch aus dem Krankenhaus und war zu dem Zeitpunkt gute 40 Stunden wach und wollte eigentlich nur ein wenig Musik als Hintergrundbeschallung anmachen.
Krankenhaus? 40 Stunden wach? Was war passiert bzw. ist los? Tatsächlich sind die letzten Stunden wie im Film an uns vorbeigezogen, so erschlagend und teilweise lähmend waren die Ereignisse und Momente.

Mittwochabend hatte Hedi nach ihrem spätabendlichen Snack gebrochen, kann passieren und das auch eher selten bis gar nicht. Als wir sie beruhigen und sauber machen wollten, bemerkten wir wie kalt sie sich anfühlte. Ausgezogen auf dem Wickeltisch war sie plötzlich blaugrau, zitterte am ganzen, kleinen Körper, krampfte und schaute uns panisch mit großen Augen an, während sie die ganze Nachbarschaft geweckt haben muss. Was dann begann kann man wohl „elterliche Intuition“ nennen.

„Wir müssen ins Krankenhaus“. Wir zogen uns sofort an, packten noch den Lieblingsteddy von der Oma ein und fuhren in die Kinderklinik. Dort angekommen bekamen wir es mit einer eher überforderten Mitarbeiterin am Empfang zu tun, die uns durch ihre panischen Aussagen nur noch mehr verunsicherte. Derweil übergab sich Hedi in den Empfangsbereich und nach einer gefühlten Ewigkeit (wahrscheinlich nur zwei Minuten), kam aus dem Nichts eine Ärztin zu uns, nahm uns Hedi ab und bat uns ihr zu Folgen. Das war tatsächlich nicht einfach, übermannt von Emotionen und dem nicht Wissen was da gerade passiert, folgten wir Richtung Intensivstation. Hedi´s große Augen und panischen Blick zu uns werde ich niemals nicht vergessen können. Der arme Wurm wusste so gar nicht was los war, ebenso wenig wie wir.

Kein Ruf.jpg

Auf der Station angekommen ging eine krankenhäusliche Maschinerie an Fragen und Abläufen los. Wir versuchten Fassung zu bewahren, was uns aber nicht gelang. Hedi war so aufgeregt und tapfer zugleich als man ihr einen Zugang am Kopf legte, um ihr Blut abzunehmen. Die Ergebnisse dafür kamen recht schnell zurück und waren ein Schock. Entzündungswerte sollten <5 sein, waren aber deutlich über 100. Das hatte zur Folge das Nervenwasser entnommen werden musste, ein kleiner Eingriff unterhalb der Wirbelsäule inkl. Sedierung. Wir mussten Hedi also kurzzeitig zurücklassen, wir konnten ihr weinen und wimmern hören und da brachen unsere Herzen endgültig. Die Ärztin merkte uns natürlich an, wie es uns erging und verabschiedete uns mit den Worten „Ich passe auf ihre kleine Tochter auf“. Dieses Vertrauen was wir plötzlich haben mussten in Menschen, die wir erst vor zwanzig Minuten kennengelernt hatten.

In dieser Nacht habe ich eine Form von Angst verspürt, welche ich bis dato nicht kannte.
Ich habe große Angst vor Zahnärzten oder aber Präsentationen zu halten bereitet mir Unbehagen. Aber das war eine neue, unbekannte Dimension. Unser tapferes Mädchen kam eine halbe Stunde später wieder zu uns und wir bezogen Zimmer 16 auf der Station mit der Gewissheit wahrscheinlich bis Sonntag in der Klinik ausharren zu müssen. Irgendwann in der Nacht bekamen wir das Erste, mutmaßliche Ergebnis. Das Wort „Blutvergiftung“ stand plötzlich im Raum. Wie bitte? Warum, woher? So hatte ich doch noch Nachmittags mit Hedi gespielt und ihr ging es prächtig.

Was folgte war Rat- und Schlaflosigkeit. Komplettes funktionieren, ferngesteuert und mit freundlicher Unterstützung durch Krankenhauskaffee aus der Pumpkanne.
Hedi hält sich tapfer und die Medikamente helfen ihr, sie spielt wieder und ist sehr fasziniert von ihrem Bettchen im Krankenhaus, so hatte es doch so viele Gitterstäbe, die es zu erkunden gilt.

Nun hat der vierte Tag 2019 begonnen, der Akku vom Laptop zeigt 100% und meine Energie kommt langsam wieder dank frischen Kaffee und einer ordentlichen Mütze Schlaf. Ich habe noch nie so viel Sorge in meinem Leben gehabt wie in den letzten Stunden, aber wir haben ein starkes Mädchen als Tochter und Montag nehme ich meine Familie wieder mit nach Hause. Gleichzeitig habe ich so unfassbar viel Liebe verspürt für meine Mädchen. Wir sind noch enger zusammengewachsen, so rücken doch alle anderen Dinge in den Hintergrund in einer solchen Situation.

Also: Passt auf euch auf. Okay?

Supernova.

Letztes Jahr schrieb ich hier das 2018 groß wird. Groß, bedeutsam und alles verändernd.
So war und ist es auch. Ich bin Vater geworden. Allein diese vier Worte bedeuten alles für mich. Alles und noch viel mehr. Dieser Satz erfüllt mich mit Liebe, Stolz und Dankbarkeit.

Dann all diese „ersten Male“  2018.
Windeln wechseln, auf einem Metal Festival an einem veganen Food-Stand aushelfen, nach Schottland und Polen reisen, mit Hedi nach Mallorca fliegen, am Strand im Bulli übernachten, Interviews geben vor laufender Kamera oder Mario Götze fotografieren.
Wieder habe ich Playlisten gebastelt, viel und doch zu wenig fotografiert. Ich bin ins Ruhrgebiet gezogen, befinde mich immer noch in Elternzeit und finde es großartig.

Jetzt könnte/kann man natürlich sagen: „Wie, mehr ist bei dir 2018 nicht passiert??“
In meinen Augen ist das schon eine ganze Menge. Mein Leben stand und steht Kopf. Und das meine ich durchaus und nur positiv. Jeden Tag lerne ich neue Dinge. Über mich als Vater, Partner oder einfach nur Svensson. Was bleibt ist die Frage nach der Zukunft. Was wird 2019 zum Jahresende hier stehen? Ich hoffe neue „erste Male“, noch mehr Inspiration, Fotos, Musik, Reisen, Veränderung und noch viel viel mehr Familie und Abenteuer im Alltag.

Half the world away.

Heute früh, als ich unsere Wohnung verlassen habe, um mich Richtung Bahnhof und dann Richtung Flughafen aufzumachen, da war es wieder da: dieses Gefühl was bereits eingemottet schien.

Ein Gefühl, welches sich in der Vergangenheit schneller und größer entwickelte, als das Haushaltsdefizit der USA. Ein Gefühl, welches mich manchmal unvermittelt an der Kaffeemaschine im Büro überkam, manchmal auf dem Weg nach Hause nach einem gemeinsamen Wochenende - fuhr man doch wissentlich in die schlichtweg „falsche Richtung“ oder gerne und regelmäßig beim (alleine) Einschlafen. Akute Vermissung geschuldet der anfänglichen Fernbeziehung. Zuerst Schweden vs. Deutschland und dann Ruhrgebiet vs. Rhein-Main. So nah und doch so fern.

We see things they’ll never see
— oasis

Warum also kam dieses Gefühl heute Morgen einfach mit an die Bushaltestelle Richtung Bahnhof und rollte dann am Kofferband der Zieldestination im Kreis? Alte Wunden, vorweihnachtliche Emotionen? Sicherlich, denn eigentlich wollten wir zusammen als Familie nach Krakau und haben uns spontan dagegen entschieden. Hedi im Schub, zusätzlich das unvermeidlich unangenehme Zahnen und zu kalt um die Jahreszeit noch on top. Vernünftig vs. Vermissung. Während ich mich durch das Online- Angebot von BBC Radio 6 höre, kommt die Sprachnachricht von zu Hause: „Könntest du bitte einmal all unsere Reisen und Ausflüge mit Hedi (auch schon im Bauch) auflisten?“ Kurzes Revue passieren lassen vor dem inneren Reisepass und zum Schluss kommen welches Privileg wir haben. Freies Reisen, als Familie, als Team. Hedi und uns die Welt zeigen.

„Die Welt zeigen“, was für eine wundervolle Aufgabe eigentlich. Egal ob Pommes-Bude in Wattenscheid oder die kleine, versteckte Bucht auf Mallorca oder das Café in Hamburg mit den köstlichen Pfannkuchen. Alles ist neu für Hedi und auch oftmals für uns

So sitze ich nun hier in Krakau auf dem Bett meines Hotelzimmers, ein wenig wehmütig und gleichzeitig voller Neugier, was hier auf mich wartet. Eine grobe Route steht schon, Pierogi sind ein MUSS, vielleicht auch Bigos, Fotos und Videos und hoffentlich viel Inspiration für neue, gemeinsame Reisen, für 2019 und für dieses Blog. Für uns als Familie, für mich als Vater, für meine kleine und große Gefährtin zu Hause.

Deshalb wird jetzt das abendliche „Anti-Vermissungs-Programm“ gestartet, bestehend aus Netflix, „Erdnuss-Locken“ und einer lauten Version von Oasis „Half the world away“ via Kopfhörer, während eine weitere Straßenbahn an meinem Hotelfenster längs knattert.

Don´t look back in anger.

“Achtsamkeit”
Substantiv, feminin (die)
das Achtsamsein, achtsames Wesen, Verhalten

Es ist sicherlich Zufall, dass ich ein paar Zeilen zum Thema „Achtsamkeit“ so kurz vor Weihnachten schreibe. Aber vielleicht motivierte mich der bereits angesprochene vorweihnachtliche Glühwein-Ballermann in der Innenstadt, gut besucht von den umliegenden Bürogemeinschaften in der Mittagspause, Reisegruppen kurz vor ihrem Starlight-Express Besuch und manchmal doch noch leuchtenden Kinderaugen aufgrund der tiefroten Zuckerfärbung des Liebesapfels. Vielleicht liegt es auch an den Rückenschmerzen, die ich seit Tagen im wahrsten Sinne des Wortes mit mir umhertrage, oder daran, dass Suede gerade im Radio eine wundervolle Akustikversion von „Wastelands“ spielen.

Seit ich Vater bin (und man verzeihe mir die zu erwartende Storyline), bin ich noch sensibler und achtsamer geworden. Achtsamer auf meine Familie, auf mich aber auch auf unsere Gesellschaft.

Ja ich weiß, ich oller Romantiker. Da werde ich gleich die Fragen in den Raum stellen, was denn los ist mit uns Menschen, woher diese teils unglaubliche Unverbindlichkeit kommt, dieses Traurige in den Augen vieler Menschen, wenn sie sich den zweiten Becher Glühwein in der Mittagspause ordern, bevor es wieder ins Büro zur „Gemeinschaft“ geht.

Fragen, die ich wahrlich nicht klären kann und möchte, da zu komplex. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass morgens der Lieblingspulli in der Wäsche, der Kaffee zu heiß aufgebrüht, das Kind zu langsam auf dem Weg in die KiTa war oder oder oder ….

Vielen Menschen schwirrt pausenlos Alltagsstress durch den Kopf, der Autopilot ist auf „Funktionieren“ von Montag bis Freitag eingestellt. Wenn man Glück hat, ist im Zeitprogramm für freitags noch „früher Feierabend, Kinder aus KiTa abholen“ hinterlegt.  Vorher überfliegt man noch endlose Email-Verläufe, spurtet zum nächsten Meeting oder steht einfach genervt im Supermarkt, weil die ältere Dame ihr Kleingeld genau abzählt für das „Goldene Blatt“. Aber kann/darf/wird das unser Leben sein? Ständiges Vergleichen, immer über den Zaun zum Nachbarn in der gepflegten Reihenhaus-Siedlung schauen. „The grass is always greener on the other side“. Kennt man.

Vielleicht lebe ich auch in meiner eigenen, kleinen Elternzeit-Blase und bin der Realität Richtung Windel wechseln oder als Familie in der Küche zu Kylie Minogue´s „I should be so lucky“ tanzen, geflüchtet?! Wer weiß das schon? Fakt ist: Ich möchte mich nicht dieser vergleichenden Ohnmacht hingeben. Achtsamkeit scheint aktuell in aller Munde zu sein. Das Allheilmittel für und gegen alles. Ein wahrer Hype könnte man meinen. So notwendig wie unnötig, denn vielleicht (oder bestimmt) ist Achtsamkeit eine besondere (Zusatz-)Version der Aufmerksamkeit. Ein kleines Add-on, ein neuer Reiter in der offenen Alltags-Registerkarte.

Vielleicht braucht dieses Add-on manchmal nur ein kleines Update in Form eines Lächelns, eines „Danke“ an der Kasse oder schlichtweg mal ordentliches Durchatmen.

In diesem Sinne besinnliche Zeiten.

Weil die Zeit sich so beeilt.

Samstagabend in der Küche. Die Spülmaschine dreht ihre Runden und ich sitze am Küchentisch, lausche der Hintergrundbeschallung aus dem neuen, drahtlosen Lautsprecher inklusive Regen von draußen. Die Liebste entspannt in der Badewanne, Hedi schläft tief und fest, träumt hoffentlich vom letzten Abendbrei oder kleinen Häschen und ich aka. der Papa genehmige mir einen Gin Tonic.

Seit ein paar Tagen begleitet mich neue Musik. Dafür liebe ich Spotify, diese schier endlose Möglichkeit quasi „Unerhörtes“ (meinerseits) zu entdecken. Eine Band Namens „Hammock“ erreichte meine Ohren und schlagen in die gleiche Kerbe wie „The Album Leaf“ oder „This will destroy you“. Bands, die ich allesamt sehr schätze und mir ebenso ein Kopfkino bereiten.

Letzten Samstag begann es. In Sankt-Peter Ording. Wir verbrachten ein paar Tage an der See, erstmalig in SPO gastierten wir im Beachmotel bei wundervollem Herbstwetter. Ich stand früh morgens am Leuchtturm von Westerhever, hatte meine Kopfhörer auf und die Musik passte perfekt zur Szenerie. Ich war völlig allein dort, zumindest was Menschen betrifft. Um mich rum hunderte Gänse in den Salzwiesen bei den Vorbereitungen, um Richtung Süden aufzubrechen, um dort zu überwintern. Ich musste sehr grinsen, ein wahrlich gelungener Morgen. So friedlich und wunderschön.

Leuchtturm Westerhever

Zurück im Hotel traf ich meine Liebsten zum Frühstück. Warmer Kaffee und frisches Rührei stärkten für den Tag, während sich Hedi im Hochstuhl sitzend daran begab, eine Mandarine genauestens zu erkunden und dabei die Gäste um uns rum unbemerkt verzauberte.
Unser Hotel lag quasi direkt hinter dem Deich und so lagen lange Strandspaziergänge sprichwörtlich nah. Die Weite am Strand, die Dünen und das Meer trugen ihr Übriges zur Erholung bei. Und manchmal, da schossen mir wieder Bildfragmente von früh morgens durch den Kopf und vor meinem geistigen Auge. Nachhaltiges Kopfkino, gepaart mit Gedanken an Gegenwart und Zukunft, befüllt mit dankbaren Emotionen und Glücksmomenten.

So gingen ein paar erholsame Herbsttage ins Land. SPA, Strand, Spaziergänge, Kaffee & Kuchen und (!) wir feierten unser zweijähriges Kennenlernen. „Weil die Zeit sich so beeilt“ könnte man jetzt sagen, wenn man Popzitate als Referenz verwenden möchte. Wo ist sie hin? Die Zeit? Was wir nicht alles erlebt haben, worauf wir nicht alles stolz sein können. So standen wir also in den Dünen von SPO und die Zeit sie beeilte sich etwas weniger in diesem Moment. Das nennt man wohl Inne halten, ohne 4G oder WiFi, nur wir als Familie und Team.

Am Freitag ist Hedi sieben Monate alt geworden. Als wir damals nach Hause kamen, lief eine sehr ruhige und entspannte Playlist auf Spotify. Wie es der Zufall (?) so will, findet sich darauf die Band „Hammock“ wieder.  Und weil die Zeit sich so beeilt ist in vier Wochen Weihnachten, der entsprechende Glühweinballermann in der Innenstadt fand unlängst seine Eröffnung. Ich hörte heute den Song „Sinking inside yourself“ auf dem Weg in die Stadt und all die hektischen Menschen wabberten an mir vorbei Richtung Black-Weekend-Schnäppchen und ich sehnte mich einfach nur zurück, an diesen Morgen am Leuchtturm.

// Anzeige: Unser Dank geht an das Beachmotel SPO für die herzliche Gastfreundschaft.

Sechs Monate.

Seit einem halben Jahr sind wir nun Eltern. Sechs Monate voller Herausforderungen, Abenteuern, Reisen, Lachen, Weinen, Schlafmangel, Glücksmomenten, Account Takeovern und vor allem DANKBARKEIT. Keinen dieser Momente möchte ich missen, keinen einzigen.

Man ist mir das schwer gefallen neun Tage alleine durch Schottland zu reisen, da war Hedi noch ein ganz anderer Mensch. So frisch und klein. Das war eine Macht, ein Gefühl was ich unterschätzt hatte. Vatergefühle eben. Und genau diese (Vater/Mutter/Eltern) Gefühle lassen uns täglich alles geben. Alles für unser Kind, alles für Hedi und uns als Familie. Egal ob man um 0:17 Uhr nochmal in den Keller geht um die Wäsche aufzuhängen, spontan nochmal in den Supermarkt um die Ecke geht um eine frische Packung Schoko Eis für die elterlichen Nerven erbeutet. Oder Nachts im Bulli in Dänemark, eben nochmal umparken da sich die Windrichtung gegen das Aufstelldach gedreht hat. Oder in der Drogerie auf der Suche nach einem “neutralen” Schnuller, beim ersten Möhrenbrei oder in der Federwiege beim einschlafen. Im Krankenhaus als ich Hedi das erste Mal im Arm gehalten habe, ihre Augen völlig überfordert in das OP Licht schauten, als ich sie das erste Mal berühren, riechen, spüren konnte. Beim stillen in der Öffentlichkeit oder auf unserem ersten, gemeinsamen Flug.


Die Zeit, sie rast und steht manchmal doch still. Morgens wenn wir gemeinsam aufwachen, Hedi als erste wach und munter ist und sie uns auf ihre verzaubernde Weise klar macht: “Ich wäre soweit. Ich bin bereit für einen weiteren Tag voller Abenteuer und Entdeckungen”

All diese ganzen “ersten Male”.

Windeln wechseln, nach Mallorca fliegen, Sand unter den Füßen spüren, Möhrenbrei essen oder für zwei Stunden bei der Patentante sein. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, all diese kostbaren Momente und Erlebnisse. Fordernd und fördernd. Für Hedi um sich zu entwickeln und für uns als Paar und Familie zu wachsen. Jeden Tag zu lernen, zu lachen und zu staunen.  

Für das alles bin ich sehr dankbar.


Nur gucken.

Sonntag ist es wieder passiert. Der (vorerst) letzte Sonn(en)tag.

Alle waren sie unterwegs, Familien, Rentner, alt, jung, Singles, Paare. Alle nochmal raus. Alle nochmal auslüften und da passierte es mal wieder.

Wir (als Familie) werden angestarrt, quer durch alle Altersgruppen und unabhängig vom Beziehungsstatus. Ich trage meine Tochter stolz und glücklich auf dem Arm, sie lächelt, wir lächeln und von zufällig passierenden Mitmenschen kommt eine komplette “Gesichtsentgleisung”. Teilweise ist die Mimik wahlweise auf Valium oder hatte einen 0,5l Energy-Drink auf ex. Teilweise verbittert, teilweise fassungslos und (ganz traurig) leblos

Die Frage ist nun: Warum? Warum ist das so? Mimik nicht unter Kontrolle? Allgemeine Verwirrtheit? Neid? Erstaunt?


Wenn von den möglichen Antworten eine oder gar mehrere zutreffen sollte, kommen wir zur nächsten Frage: Warum? Warum Neid, warum verwirrt oder oder?

Diese Phänomen begleitet uns nun schon eine ganze Weile, definitiv verstärkt seit Hedi´s Geburt. Egal ob als Familie oder wenn einer von uns Hedi in der Trage hat und eben noch ein paar Sachen in der Drogerie shoppt. Egal wo. Mallorca Urlaub, Wanne-Eickel oder im Park um die Ecke. So versuche ich mittlerweile ein Muster zu erkennen, aber das gelingt mir nicht so Recht.

Nun könnte ich ein “gesellschaftliches Fass” aufmachen. Neid, Missgunst, schlicht “gönnen können”. Warum muss alles immer ein gesellschaftlicher Wettbewerb sein? (Und da möchte ich jetzt noch gar nicht an die künftigen Begegnungen im Kindergarten oder noch später in der Schule denken) Aber das mache ich nicht, dass haben bereits viele andere vor mir gemacht. Dennoch würde ich gerne verstehen was in den Köpfen der Menschen manchmal so passiert, diesen kleinen, inneren Smalltalk würde ich manchmal gerne mitschneiden.

Aber da gibt es natürlich auch all die anderen Menschen, die einen anlächeln, manchmal stehen bleiben und sogar ab und an das Gespräch suchen. Eine Wohltat, zwischen all den Nachrichten über mögliche kündigen von Atomabkommen und bayrischen Parteitagen

Manchmal stört uns dieses angestarrt werden arg, kennt man es noch aus seiner Kindheit, weil man war ja immer größer als die anderen Kinder und manchmal ist es völlig egal. So sollte es eigentlich sein. Völlig egal. Dann starren unsere Mitmenschen halt, anstatt sich an der frischen Herbst-Luft und Sonne zu erfreuen. Oder an einem Eis, oder an dem niedlichen Hundewelpen Video im sozialen Netzwerk.


Coastline.

Mehr Meer. Ist doch nachvollziehbar, oder?

Da wir unseren Bulli in Hamburg angemietet hatten und wir nicht sofort zurück “ins wahre Leben” wollten, nutzten wir die Gelegenheit um nochmal zwei Tage am Meer zu verbringen.

Heiligenhafen lag da nah. Sowohl geografisch als auch emotional. Unbedingt wollten wir mit Hedi an den Ort zurückkehren, wo wir unseren “Babymoon” verbracht haben im vergangenen Dezember.

Als wir in Heiligenhafen ankamen, wurden wir mit wundervollem Wetter begrüßt. Die Sonne schien in diesem “Endless Summer” mit aller Kraft und der Ausblick aus unserem Zimmer auf die Seebrücke war ein toller “Willkommensgruß”, zusammen mit einer Flasche Sekt im dazugehörigen Sektkühler.


Überhaupt ist die Seebrücke ein toller Ort in HHF, die Menschen scheinen dort ihre Sehnsucht nach Meer und Fernweh zu stillen. Fast andächtig schauen sie raus aufs Meer, lassen die Blicke schweifen und atmen durch. So auch wir und diesmal mit Hedi. Spaziergänge an dem Ort, an dem sie zuletzt noch in Mamas Bauch war. Verrückt ist das alles. Unser kleines Reisemädchen muss sich sicherlich wundern warum Mama und Papa immer so emotional werden auf ihren Ausflügen.

So verbrachten wir zwei wundervolle Tage & Nächte im Beachmotel HHF, genossen das ausgiebige Frühstück und den SPA Bereich. Nahmen Hedi mit in den hoteleigenen Pool und mussten feststellen: Hedi liebt es im Wasser, ebenso wie wir. Strandspaziergänge und ein Besuch im lokalen Surfshop sind natürlich Pflicht gewesen für uns.

Aber das oben beschriebene “aufs Meer schauen” war und ist einfach unbezahlbar. Egal ob in Dänemark, Mallorca oder eben in HHF. Dieses durchatmen, alles um einen herum vergessen. Ich fühle mich dann immer wie angekommen, irgendwie zu Hause. Es entspannt uns einfach ungemein.


So verliessen wir entspannt, aber auch ein wenig wehmütig diesen wundervollen Ort Richtung Ruhrgebiet und auf zu neuen Abenteuern.

// Anzeige: Unser Dank geht an das Beachmotel Heiligenhafen für die freundliche Unterstützung.

Schlafen wie ein Baby.

So vielfältig wie die Bedürfnisse von uns Erwachsenen an das Thema Schlafen sind, so sensibel und vielseitig sind die Bedürfnisse eines Babys.

Was so einfach klingt ist tatsächlich etwas, was ein Baby „lernen“ muss.
Vertrauen fassen, nicht das Gefühl haben alleine gelassen zu werden, die Nähe der Eltern zu spüren. Dieses Leben erst einmal zu verstehen, einen Tagesrhythmus zu erlenen. Tag & Nacht unterscheiden zu können. 

Hedi ist nun gute drei Monate alt und an ablegen war zu Beginn nicht zu denken, sie brauchte unsere Nähe um entspannen zu können. Es war nahezu ein Triumph, wenn sie tagsüber länger als zwanzig Minuten auf ihrem Stillkissen schlafen konnte.  Die Nächte liefen immer reibungslos getreu dem Motto: Eat – Sleep – Eat (Repeat).

Und so beginnt dann im Netz die Recherche, man liest sich durch Foren oder Tipps & Tricks der Apotheker- Familien- Zeitung und alles hat man irgendwie schon mal gelesen oder gehört.

Eine Sache sahen wir regelmäßig in den sozialen Medien: Die Federwiege NONOMO. Logisch, wer möchte nicht gerne in einem konstanten Rhythmus in den Schlaf gewippt werden? Wer schon einmal in einer Hängematte geschlafen hat, kann sich ungefähr denken was ich meine.

Ein paar Tage später klingelte also der Postmann und da war sie, die Lösung unserer „Probleme“. Wir haben uns für die Türrahmenvariante entschieden, so können wir den Schlafort recht flexibel halten. Alternativ gibt es auch noch einen passenden Ständer.

Der vollwertige, aus unbehandelter Bio-Baumwolle hergestellte Schlafplatz inklusive Matratze aus reiner Schafwolle war schnell angebracht.

Wir waren sehr gespannt auf unseren „ersten Versuch“.

Der passende Moment schien gekommen und so legten wir Hedi in die NONOMO ab. Suspekt ist wohl das richtige Wort, es schien Hedi suspekt nun dort zu liegen. Frei schwingend zwischen Wohnzimmer und Flur. An Schlaf war nicht zu denken.

Es folgten zahlreiche mehr oder minder erfolgreiche Anläufe. Mal schaffte sie es für ein paar Minuten, einmal sogar lange 20 Minuten in denen wir unser Abendessen inhalierten und die Gelegenheit nutzten, die Wohnung aufzuräumen. Immer wieder stellten wir uns die Frage: Ist das jetzt DIE Lösung? Irgendwie war sie das (noch) nicht. Und wenn wir eine Sache gelernt haben, neben der Tatsache das jedes Baby unterschiedliche Bedürfnisse hat, so auch,  dass Liebe und Geduld der Schlüssel zu allem ist. So hallten mir immer wieder Sätze durchs Ohr wie „Unsere Kleine konnte das von Beginn an gut“ oder „Auch nach sechs Monaten können wir unseren Sohn nicht ablegen“. Aber auch ein Satz den ich immer wieder gelesen habe, kam mir ins Gedächtnis: „Plötzlich ging es“. So war bzw. ist es dann auch. Von einem Tag auf den anderen, zwischen zwei Schüben legten wir Hedi ab und sie schlief selig für die nächsten sechs (!!) Stunden. Wir waren völlig überfordert mit dieser Situation, glücklich und verwundert. Da lag sie nun, schlummerte im Rhythmus von unserer „Babykrankenhauswirkommennachhause“-Playlist.

 

NONOMO

Mittlerweile gehört das (Ein)Schlafen in der NONOMO zum täglichen Programm, welches Hedi und auch uns als Eltern Struktur und Freiraum gibt. Manchmal bin ich schon ein wenig neidisch, dass ich keine so tolle Federwiege für meinen Mittagschlaf habe. Hängematte wäre vielleicht eine Option. Im nächsten Sommer. Auch hier ist Geduld der Schlüssel. ;)

// Anzeige: Unser Dank geht an die Firma NONOMO für die freundliche Unterstützung.

Less is gold.

Minimalismus. Ein Begriff, der mich seit geraumer Zeit mehr denn je beschäftigt. Ein Begriff, so konträr, wenn ich all die überfrachteten Geschäfte im ansässigen Innenstadt-Dschungel sehe oder Newsletter meiner liebsten Online-Plattformen erhalte. Ob online oder offline: Konsum, wohin das Auge nur reicht, mittlerweile bin ich müde davon, nicht nur wegen kürzerer Nächte aufgrund eines Säuglings im heimischen Nest. Minimalismus steht unschwer im Zusammenhang mit Konsum und vielleicht bedeutet Minimalismus für mich persönlich auch konsumreduziertes Verhalten, nicht aber radikaler Verzicht und moralische Verpflichtung einer neuen Trendbewegung.

Mein Weg zum Minimalismus ist nur schwer zu beschreiben, dennoch übe ich mich darin, diesen in den folgenden Zeilen einmal zu rekapitulieren, schon allein, weil es mich fasziniert, was eigentlich schon zu Kindheitstagen in uns an Eigenschaften und Marotten verankert ist und wie es sich später äußert.

In meinem Elternhaus war es stets sauber, dafür aber zum Teil arg chaotisch. Da existierte dieses Nirvana an Drogeriemarkteinkäufen, formal benannt als das „Kämmerchen“. Ein Abstellraum, der kaum noch zu betreten war. Überblick? No way. Da gesellten sich Deodorant-Tretmienen, die glücklicherweise von Küchenrolle gepolstert wurden nebst Obstkonserven für die nächste Geburtstagstorte. Mich störte dieses Chaos schon zu Kindheitstagen, nicht selten schaffte ich im frühen Jugendalter Ordnung in ebendieser – vergebens. Ich liebte schon immer Ordnung, hatte feste Plätze für meine Spielsachen, meine Schulsachen, meine Bücher und sonstigem Kram. Und diesen gewissen Kram sortierte ich gut und gerne regelmäßig aus und ging mit Oma Elli nebst Isokanne Kaffee auf Flohmärkte, um gesammelten Schätzen ein neues Zuhause zu offerieren. Diese Sonntage liebte ich: wir wurden meist einen Großteil unserer Sachen los, ich zog umher und fand hier und da gewiss auch etwas „Neues Altes“ für mich und es gab belegte Brote und Zitronenlimo von „Omma“. Herrlich!

Retrospektiv hat sich dort möglicherweise meine Flohmarkt-Leidenschaft geformt, die sich bis heute vollzieht und was mich auch schon auf die erste meiner ganz persönlichen Minimalismus-Regeln bringt:

„Wenn ein neues Teil kommt, geht ein Altes.“

Damit klappt es bei mir im Kleiderschrank zum Beispiel besonders gut. Ich erfreue mich an meinem neuen Teil und sortiere gleichzeitig ein Teil aus, was gehen darf. Wobei die zweite Regel wie folgt benannt werden kann:

„Buy less, choose well and make it last.“

Ich liebe Mode, Einrichtung, Produktdesign und noch so vieles mehr, habe mein Kaufverhalten in den letzten Jahren jedoch absolut revolutioniert. Warum? Weil ich meinen Stil in vielerlei Hinsicht gefunden habe und weiß, wo ich etwas finde. Als Liebhaberin von skandinavischer Einrichtung und puristischer Mode in schwarz, weiß, grau und nude kann ich nahezu alle Teile meiner „Kollektion“ miteinander kombinieren. So gibt es eigentlich nur Lieblingsstücke in meinem Schrank, die sich hervorragend kombinieren lassen und meinen ganz eigenen Stil ausmachen.

Stundenlange Shoppingtouren waren mal mein Workout, dann ging es gern einmal an einem Samstag in zwei bis drei Innenstädte oder Shoppinghöllen, ein Hop-on-hop-of-Bus wäre da eine super Sache gewesen! Diese Zeit möchte ich mittlerweile dafür nicht mehr investieren, wenn auch ich es liebe, umher zu bummeln und neue kleine Städte im In- und Ausland kennenzulernen, einen guten Kaffee zu schlürfen und zu entdecken und zu staunen. Ich kaufe mittlerweile größtenteils auf Flohmärkten, weil sich diese ganz eigene Kultur in den letzten Jahren auch unfassbar gut und fernab der Rasierklingen-Ramschmärkte gemacht hat.

Spezielle Klamottenflohmärkte, Nachtmärkte und neuerdings auch der Babykram-Flohmarkt zeigen mir immer wieder auf: wir alle brauchen eigentlich kaum etwas neu kaufen, jeder hat mehr als genug Zuhause und jedes Teil findet meist auch einen Abnehmer, der mehr oder weniger gezielt danach gesucht hat. Übrigens: wenn ich gezielt etwas suche und offline nicht fündig wurde, dann nutze ich Online-Plattformen und Social Media-Kanäle.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: ich brauche es nicht neu (online oder offline) kaufen, bin unabhängig von Raum und Zeit (Möbelstücke an einem Sonntagnachmittag abholen und mit einem Café im Lieblingsviertel der Nachbarstadt verbinden ist toll!), habe etwas für meinen ökologischen Fußabdruck getan und spare hinzukommend noch meist Einiges gegenüber vom Neupreis. Und gleich so funktioniert es eben auch andersherum: obwohl wir zwei kleine Haushalte zusammengelegt haben, trennten wir uns von vielerlei Objekten und leben nun sehr...sagen wir mal „clean“. Dazu passend die (vorerst) letzte Regel:

„Weniger, aber wertvoll und nützlich“

Warum die geräumige 3-Zimmer-Wohnung mit Objekten belagern, die keinerlei Nutzen haben oder einfach nur schön aussehen? Klar, da müssen sich beide Partner und oder Mitbewohner einig sein, wir sind es glücklicherweise und mögen es ruhig und clean, dennoch nicht minder detailverliebt und mit Charakter.

Einzelstücke- GO! Persönliche Lieblingsteile – GO! Massive Möbelstücke – NO, diese lassen weniger Spielraum für Veränderungen.

Veränderungen sind auch machbar, indem man das Sofa neu bezieht, Kissenhüllen austauscht, ein neues Paar Vorhänge besorgt. Und so sollte es auch sein, dass wir unsere Wunschküche online und gebraucht in der Nachbarschaft finden (oder sie uns?!) anstatt eine lange Lieferzeit und ein weniger zutreffendes Alternativmodell in Kauf zu nehmen.

Auch hier hat nun alles seinen Platz gefunden und bis auf den Basilikumstrauch ziert noch rein gar nichts die seidenweiße Arbeitsplatte. Ob wir da noch was für brauchen?

Nein, denn:

LESS IS GOLD.

L.

Driftwood.

Everything is open
Nothing is set in stone
Rivers turn to ocean
Oceans tide you home
Home is where your heart is
But your heart had to roam
Drifting over bridges
Never to return
Watching bridges burn

You’re driftwood floating underwater
Breaking into pieces pieces pieces
Just driftwood hollow and of no use
Waterfalls will find you bind you grind you.
— Travis "Driftwood"

Schottland, du naturgewaltiges Juwel im Norden Großbritanniens.

Was hatte ich nicht alles im Vorfeld über dich gelesen? Unbeständiges Wetter, maximale 18°C im Sommer. Grau und melancholisch-stimmungsvoll solltest du sein. So erstellte ich im Vorfeld der Reise -zwecks Inspiration und Reiseplanung- eine Sammlung an Bildern auf Instagram. Schließich wollte ich vorbereitet sein, auf dieser für mich einmaligen Reise in Kooperation mit SAMSUNG. Einmalig weil: Das erste Mal als Familienvater ohne meine kleine Familie. Wie würde sich das wohl anfühlen? Fast jeden morgen an einem anderen Ort aufwachen, an Orten die mich beeindrucken sollten mit ihrer Schönheit, aber ohne die Lieben, ohne die Möglichkeit das Erlebte gemeinsam teilen zu können.

Playlisten wurden angelegt, um für den Linksverkehr musikalisch gewappnet zu sein. Hotels gebucht, Routen geplant und ehe ich mich umschauen bzw. das Wort „Haggis“ aussprechen konnte, saß ich im Mietwagen am Flughafen von Edinburgh. Gott sei Dank hatte ich mir einen Mietwagen mit Automatik gebucht, so konnte ich mich erst einmal an die neue Verkehrslage gewöhnen. Diese führte mich zunächst eine Stunde lang über Autobahnen und Kreisverkehre Richtung Glasgow. Puuh, ich dachte ja so einen Spur-Assistenten nie benötigen zu müssen, aber auf der linken Seite in einem relativ unübersichtlichen Auto zu fahren kann zumindest die ersten Kilometer -respektive Meilen- eine Herausforderung sein.

In Glasgow angekommen hatte ich sofort ein Gefühl von San Francisco inne. All die Hügel und kleinen Straßenschluchten erinnerten mich doch sehr daran.

So führten mich die nächsten zwei Tage durch Glasgow und Edinburgh, quer über die „Royal Mile“ oder dem Riverside Museum oder einfach zu einer kleinen Kaffeepause am Kanal. Besonders Edinburgh sah aus wie eine durchgängige Filmkulisse. Hinter jeder Ecke erwartet einen ein neuer und faszinierender Anblick.

Nach zwei Tage des Städte Erkundens, ging es dann Richtung Nationalpark und einer kleinen Unterkunft am Loch Lomond. Dort trat ich auch meinen ersten, kleinen Hike an und wenn ich zu Beginn das Wetter erwähnte, so hatte ich an diese Tag 28,5°C und keinen Schatten weit und breit. Der einzige schottische Wanderer, der mir unterwegs begegnete meinte nur: „Son, this ist the best week up here in decades“. Der Ausblick sollte mich auch für den schweißtreibenden Aufstieg belohnen.

In den nächsten Tagen ging es dann weiter Richtung Glencoe und Umgebung. So kam es, dass ich bei noch heißeren Temperaturen die berühmte Harry Potter Eisenbahnbrücke besuchte, ein Schiffswrack entdeckte, Gin Tipps an der Hotelbar bekam, sich entlegene Cottages mitten im Nichts auftaten und ich am Loch Ness ein wenig mit der Tatsache überfordert war, plötzlich wieder so viele Menschen um mich zu haben. Unzählige Eindrücke und Meilen später endete mein kleiner Roadtrip wieder in Edinburgh. Anderthalb Tage nochmal Stadtleben und eine Badewanne im Hotel die selbst mich größentechnisch komplett aufnehmen konnte. Das tat auch spürbar gut, nach einem durchgelaufenen Paar Schuhe.

Was bleibt? Unglaublich schöne und einmalige Eindrücke. Diese Natur, diese Geschichte und herzlichen Menschen haben mich schwer beeindruckt. So saß ich dann am Flughafen und wartete auf meinen Rückflug, tauschte Sprachnachrichten mit zu Hause aus und schaute mir die Fotos der letzten Tage an. Schottland? Ich komme wieder, aber dann bringe ich meine kleine Familie mit.

Mehr visuelle Eindrücke findet ihr hier.

// Anzeige: Mein Dank geht an SAMSUNG für die freundliche Unterstützung.

 

 

 

 

 

Hej Hedi.

„Hedi“ -  die süße Kämpferin mit dem ruhigen, geduldigen Geist.


Liebe Hedi,

welch friedlicher Sonntagmorgen es ist. Draußen grau und nass, drinnen entspannt und verzaubernd. Noch keine ganze Woche bist du nun bei uns und was haben wir schon alles erlebt in der kurzen Zeit mit dir? Vorhin habe ich das erste Mal Kaffee mit dir auf dem Arm aufgebrüht. Das war ´ne Macht. Ich dachte mir: „Wahnsinn, letzte Woche um die Zeit, da war deine Mama in den Wehen und wir wussten noch nicht wie und wann geht´s los? Klinik oder doch erstmal noch Sofa?“

Letzte Woche Samstag auf dem Geburtstag von deinem Cousin, da fingen die Wehen bei Mama an. Die 500 Meter nach Hause dauerten echt lang, inklusive kurzem Zwischenstopp bei deiner Patentante. Ich hätte deine Mama ja mit dem Auto abgeholt, aber sie wollte unbedingt laufen. Deine Patentante hat uns dann noch das letzte Stück nach Hause begleitet und in deiner zukünftigen Heimat befanden wir uns in einer sehr seltsamen „Blase“ die sich die nächsten Stunden und Tage weiter aufblähen sollte. Aber erstmal das frisch erworbene Vinyl vom Recordstore Day auflegen und Pizza bestellen.

Nachts sind wir dann das erste Mal in die Klinik gefahren.
Mit der Kliniktasche sind wir dann los. Man, waren wir aufgeregt und doch voller Vorfreude auf die Geburt und vor allem: Dich! Die übliche Routine im Kreißsaal ging los. CTG schreiben und gebannt auf den Monitor schauen. Aber erstmal „Entwarnung“. 
„Fahren sie ruhig nochmal nach Hause, es kann noch ein wenig dauern“. Gesagt getan und dann hieß es weiter warten, Wehen veratmen und Übersprungshandlungen erledigen. Was man halt so macht.

Sonntag sind wir dann erneut in die Klinik gefahren zu den Klängen von „It´s now or never“ von Elvis Presley. Welch Zeichen! 

When I first saw you
With your smile so tender
My heart was captured,
My soul surrendered
I’d spend a lifetime
Waiting for the right time
Now that your near
The time is here at last.
— Elvis Presley



Und wir sollten bleiben, der Tag und Abend verlief der Situation entsprechend „entspannt“, aber die Nacht hatte es in sich. Die Wehen bei deiner Mama wurden heftiger und ich wurde Montagmorgen von deiner Mama mit den Worten: „Svensson, es geht los. Die Hedi kommt heute nach Hause“ geweckt. Sie hatte sich in der Nacht leise aus unserem Familienzimmer in den Kreißsaal geschlichen und mich schlafen lassen, damit ich genug Energie und Kraft für die kommenden Stunden haben sollte.
Montag sind wir dann kurz nach Schichtwechsel im Krankenhaus in einen großen, hellen, wohltemperierten Kreißsaal eingezogen.

Was folgte waren Wehen, Fruchtsnacks aus der Tüte und die Zeit rannte, aber dennoch stand sie still. Um Punkt 13:30 Uhr bist du dann zu uns gekommen. Es ist tatsächlich so, die Zeit dazwischen ist plötzlich weg und du bist da. Ich kann das gar nicht in Worte fassen dieses Wunder, diese pure Liebe, die man sofort verspürt. Dieses wohlige Gefühl, dass du nun endlich gesund bei uns angekommen bist.

Hedi_1.jpg

 
Als wir ein paar Stunden später auf unserem Zimmer waren, da waren wir zu dritt, als Familie und begannen uns langsam kennenzulernen. Wir konnten und können nicht die Augen von dir lassen, dich ständig anschauen um zu begreifen, was gerade passiert. Die nächsten Tage waren wirklich verrückt, man vergisst zu essen, hat dich zu Untersuchungen gebracht, mit dir gekuschelt und den ein oder anderen Spaß mit den Hebammen, Kinderkrankenschwestern oder Ärzten gemacht. Das sind so tolle Menschen dort, alle unfassbar emphatisch und herzlich. Wir können gar nicht genug DANKE sagen für die tolle Betreuung. Keine Frage zu viel, immer ein offenes Ohr und vor allem Herz. Gebor(g)en trifft es da ganz gut.

Freitag sind wir nach Hause gefahren und du hast deine erste Autofahrt verpennt.
Angekommen in unserem Hort, raus aus dem Krankenhaus Cocoon und rein ins Familiennest.
Und während die neue Platte von Sigur Rós lief, liefen auch die Tränen. Tränen purer Liebe und Freude. Wir haben so viel von dir zu lernen, kleine Hedi und wir entwickeln uns Tag für Tag weiter. Werden langsam eine kleine Familie, betreiben Schabernack und brühen auch mal gemeinsam Kaffee auf. Lass uns gemeinsam die Welt (neu) entdecken. 

Schön, dass du nun endlich bei uns bist. Du kleines Wunder. Willkommen auf dieser Erde.
Willkommen in unserer Mitte.

In Liebe,
L&S

Morning Glory.

Während der Fliesenleger den Fliesenspiegel in der Küche vollendet, lege ich die neue Nils Frahm Vinyl auf. Vom Kindergarten gegenüber höre ich spielende Kinder und der zweite Kaffee des Tages läuft durch den Filter. Es herrscht eine gewiss besondere Stimmung, so kurz vor Geburt in unserem gemeinsamen Nest.

Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen, plötzlich ist Frühling und ich lebe mittlerweile im Ruhrgebiet. Sonntags muss ich nicht mehr zurück nach Wiesbaden, eine Tatsache die ich manchmal immer noch nicht ganz realisiert habe, während wir gemeinsam den Tatort schauen oder zum Einschlafen der neuen Folge von „Fest & Flauschig“ lauschen.

Bereits beim Tag des Einzugs fügten sich unsere Möbel und Habseligkeiten ganz wunderbar zu einem gemütlichen Zuhause zusammen. Nach und nach entstand und entsteht unser gemeinsamer, sicherer Hafen. In dem wir gemeinsam leben, lieben, lachen, kochen, auch mal weinen, kuscheln und uns bald auch als kleine Familie finden werden. Ich bin sehr dankbar für die helfenden Hände in den letzten Wochen. Sei es mein alter Nachbar, der mir beim Tragen von Dingen und Diversen geholfen hat. Die Transportfirma, die meine Plörren in einem Rutsch und ohne Probleme ins Ruhrgebiet transferiert hat. Oder all die lieben Menschen hier in Bochum die geholfen haben, Löcher zu bohren, Kartons aus der vierten Etage in mein Auto zu tragen oder einfach die neuen Nachbarn, die uns mit einem kleinen Blumengruß willkommen hießen.

Alles ist vertraut hier, ein sehr gutes Gefühl nach so kurzer Zeit. Die neuen Wege in der Wohnung, der Ort an dem die Kaffeefilter liegen, das Licht im Kinderzimmer. Das scheint dieses „Gefühl von ankommen“ zu sein, oder um ein Pop-Zitat zu bemühen: „Gekommen um zu bleiben“. Und so zählen wir die Tage/Stunden bis „Little H.“ bei uns einziehen wird. Da ist sie wieder diese seltsame, wohlige Mischung von Gefühlen, Kaffeeduft und dem Knistern von Vinyl, während die Nadel sich auf die zweite Seite der Platte senkt.

Jetzt heißt es warten und (vor)freuen auf „Little H.“

 Wie wird sich das anfühlen, hier zu Dritt? Wenn sich zum Knistern der Schallplatte die ersten Geräusche unserer Tochter gesellen? Werde ich überhaupt eine Platte auflegen wollen, zwischen Windeln wechseln, Kaffee zubereiten und Wäsche waschen?

Klar werde ich das! Denn diese Wohnung und wir als Paar und Team, wir werden das gemeinsam „bewältigen“. Wobei bewältigen sich so dramatisch anhört, soll es doch gar nicht. Sicherlich wird die nächste Zeit die größte Herausforderung vor der wir bisher standen, aber daran werden wir wachsen und diese einzigartige Zeit genießen. Mit frischem Kaffee und guter Musik natürlich. Aber viel wichtiger: Mit viel Liebe und Ruhe.

Also, „Little H.“ wir sind bereit, wenn du es bist.