Einer von 5%.

„Vaterschaft verändert sich: Väter heute haben ein neues Selbstverständnis. Sie wollen sich aktiv und auch im Alltag um ihre Kinder kümmern. Gerade junge Paare wollen auch als Eltern gleichberechtigt leben. Tatsächlich erziehen und betreuen Väter ihre Kinder heute mehr als sie es von ihren eigenen Vätern kennen. Sie wünschen sich vielfach noch mehr Zeit für die Familie.“ (Auszug aus dem Väterreport 2019 des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Nur ca. 5% der Väter gehen nach ihrer Elternzeit in Teilzeit zurück in ihren Job, habe ich neulich auf dem Weg nach Hause irgendwo gelesen - auf dem Weg nach Hause nach Feierabend. Denn mein Jahr Elternzeit ist vorbei und nun bin ich einer von den 5%. Es ist ein gutes Gefühl diese Entscheidung getroffen zu haben, so kann und möchte ich mir aktuell nicht vorstelle, wie es wohl wäre, wenn ich wieder Vollzeit arbeiten würde und ja ich weiß: Bei den meisten der „restlichen“ 95% gibt es gute Gründe dafür oder dagegen. Mittlerweile gibt es in unserer Gesellschaft so viele unterschiedliche Lebens – und Arbeitsmodelle, da muss jeder seinen Weg finden und das versuchen wir gerade. Unseren Weg finden, klingt einfach, ist es aber nicht. Egal ob Teilzeit oder Vollzeit, da geht es plötzlich los: das Organisieren und Planen. Wer kann wann wo abholen? Arzttermin am 27.? Ja, geht…gehe ich etwas später ins Büro. Die Herausforderungen sind die gleichen, wenn auch zeitlich etwas flexibler, wenn man Teilzeit arbeitet.

Warum gehen wir diesen Weg? Das werden wir oft gefragt, manchmal führt unser Modell zu Erstaunen und/oder Neugier. Manchmal vielleicht auch zu Kopfschütteln, denn schließlich “muss” der Mann ja die Kohle nach Hause bringen. Kennt man, akzeptiert man. Wir gehen diesen Weg, weil wir freier sein möchten, freier in unserer gemeinsamen, gleichberechtigten Erziehung. Weil wir mehr Zeit als Familie verbringen möchten, mehr Auszeiten schaffen möchten.
Ob der Teilzeit-Weg einfach ist?? Sicherlich nicht, im Gegenteil. Finanzielle Aspekte, gesellschaftliche Diskussionen, Planungen… all das und noch viel mehr ist immer präsent. Aber auf der anderen Seite ist die Zeit. Zeit, die sich nicht in Geld aufwiegen lässt. Momente, die ich nicht missen möchte, die ich vielleicht verpasst hätte in Vollzeit. Und nach einer knappen ersten, vollen Woche kann ich für mich sagen: Es ist ungewohnt in Teilzeit zu arbeiten, generell wieder zu arbeiten, aber es erfüllt mich auch, weil ich a) etwas mache woran ich Spaß habe und b) eben, weil es in Teilzeit ist. Dieser Gedanke macht mich deutlich entspannter und glücklicher in meinem väterlichen Alltag bzw. in unserem Familienalltag.

Macht mich also Teilzeit zu einem “besseren” Vater? Ich weiß es nicht, denn in diesem Zusammenhang das Wort „besser“ zu wählen wäre anmaßend. Aber ich bin mir sicher, dass es etwas mit der Bindung zu meinem Kind macht, dass diese intensiver ist und wird. Der Gedanke macht mich zu einem sehr glücklichen Vater, Gefährten und Vertrauten für meine Tochter. Gleichzeitig verschafft uns diese Entscheidung Freiraum für Ideen, Projekte und Kreativität. Er ermutigt mich und uns an unsere Ziele und Träume zu glauben. Sie nicht einfach nur Träume sein zu lassen, sondern sie weiter beharrlich zu verfolgen. Für uns als Familie.

An end has a start.

Oft habe ich mich gefragt: „Wann kommt der Moment? Wo werde ich sein? Was werde ich tun?“ Der Moment an dem ich plötzlich realisiere das mein Jahr Elternzeit in ein paar Tagen vorbei ist. Der Moment an dem mir klar wird „Hej, geht wieder los. Das „wahre“ Leben“ Mit arbeiten gehen und so.

Heute war er dann da, am Strand in Noordwijk, während ich meine schaukelnde Familie durch den Sucher meiner Kamera betrachtete und ich diese pure Lebensfreude in den Augen meiner Liebsten versuchte zu konservieren, für die Zeit danach. Nach dem Wochenende am Strand, nach der ersten Arbeitswoche, nach einem Jahr Elternzeit. Es lief „The National“ über die Lautsprecher, welche den noch fast leeren Strand beschallten und während ich durch den Sucher blickte kamen mir die Tränen. Vor Freude und Vorfreude. Und Dankbarkeit.


Dieses erste Jahr als Papa, Familienvater, Gefährte, Freund, Verlobter…es war Besonders. Ich glaube diese Zeit hat mich geprägt wie keine andere in meinem bisherigen Leben. Dieser Moment wo ich Hedi das erste Mal in meinen Armen hielt, sie noch keine fünf Minuten auf dieser Welt, in die OP Lichter blinzelte, da hatte sie mein Herz erobert und gleichzeitig sollte es der Start in dieses erste, gemeinsame Jahr werden. Ein Jahr voller Liebe und Abenteuer, voller „erster Male“ und Ritualen. Ein Jahr voller Veränderung und Anstrengung. Ein Jahr voller Dankbarkeit, voller Lernen und gemeinsamen entdecken.

Und wir sind gewachsen an all dem. Sei es beim Windeln wechseln auf dem Flug nach Mallorca, während ich mich mit meinen zwei Metern Körpergröße in die Boardtoilette falten musste. Im Krankenhaus Anfang des Jahres, nicht zu wissen was plötzlich passierte mit Hedi und uns. Oder am ersten Mal getrennt voneinander sein, weil ich für ein paar Tage in Schottland und Südkorea war.
Wir sind eine Familie geworden in diesem Jahr, welch wundervolles Gefühl. Diese tiefe Bindung, die in den letzten Monaten zwischen uns entstanden ist bzw. sich gefestigt hat, die ist unbezahlbar und deswegen würde ich es jederzeit wieder so machen. Mir und uns ein ganzes Jahr Zeit geben, um anzukommen in den neuen Rollen, im Leben oder eben beim (r)einfalten in besagte Boardtoilette.

Was kommt also als nächstes? Der ganz normale Familienalltag? Ja, vielleicht. Aber immer mit unserer eigenen Handschrift, unserem eigenen Tempo. Sei es beim eingewöhnen bei der Tagesmutter, oder aber beim erstmaligen schaukeln am Strand von Noordwijk. Wir haben so viele Ideen und Möglichkeiten, uns steht alles offen. Klingt vielleicht ein wenig pathetisch, aber so ist es. Ich bin voller Vorfreude auf all das. Auf unsere gemeinsamen Projekte, Schnapsideen, konkreten Pläne und und und.

Während ich diese Zeilen schreibe, liegen wir auf unserem Hotelbett (mittlerweile in Utrecht angekommen) und da lese ich folgendes:

E N D E. Vier Buchstaben, die es in sich haben. Sie markieren Abschiede, Schlussstriche, mögliche Neuanfänge, sind plötzlich oder vorhersehbar, möglicherweise planbar und doch überraschend. Unser E N D E beschreibt in diesen Tagen Ebensolches der Elternzeit. Ein Jahr als Mann in Elternzeit: sagen wir es so: die Reaktionen dazu waren zu Haufe identisch: einerseits belächelnd & kritisch, andererseits „neutral“ und verhalten, vielerseits jedoch auch bejahend und begeistert. Im Alter von sechs Wochen waren wir zusammen das erste Mal an der holländischen Nordsee, die Babytrage lies „damals“ noch kaum ein sich darin befindliches Baby vermuten, so winzig warst du da, kleine Hedi. Wir schnupperten Meeresluft, gingen etliche Kilometer spazieren und hatten deutlich mehr Gepäck für ein paar Tage dabei, als heute. Wir schließen das Kapitel Elternzeit deshalb an der selbigen See, dieses Mal mit einem neugierigen Kleinkind im „Gepäck“ ab, was freudig auf Möwen, Wellen und Hunde zeigt und das ein oder andere holländische Matschbrötchen verdrückt. Dieses Bild, es ist der Inbegriff des vergangenen Jahres für mich: Nähe, Vertrauen, Ankommen, Glückseligkeit. Ich könnte noch lange fortfahren, aber das braucht es nicht. Ich bin unglaublich stolz auf dich, Svensson! Du bist unser liebevoller Papa bear, unser sicherer Hafen, unser Zuhause.

Danke, dass du so „mutig“ und offen warst, dein gesamtes Leben umzukrempeln und wir jeden Tag die kleinen und großen Momente zu schätzen wissen- Wir, die kleine F A M I L I E.

L O V E, L

Schöner kann ich es nicht formulieren, von daher (für heute) ENDE.

 

 

Diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart, wie du denkst.

Guten Morgen Berlin
Du kannst so hässlich sein
So dreckig und grau
Du kannst so schön schrecklich sein
— Peter Fox "Schwarz zu blau"

Northern wind.

You’re the Northern Wind
Sending shivers down my spine
You’re like fallen leaves
In an autumn night
You’re the lullaby
Singing me to sleep
You are the other half
You’re like the missing piece
— City and Colour "Northern wind"

Kein Ruf.

Als ich den Laptop aufklappte erschien auf dem Bildschirm ein plakatives „Akkustand niedrig!“
„Eben“ dachte ich mir, so kam ich doch aus dem Krankenhaus und war zu dem Zeitpunkt gute 40 Stunden wach und wollte eigentlich nur ein wenig Musik als Hintergrundbeschallung anmachen.
Krankenhaus? 40 Stunden wach? Was war passiert bzw. ist los? Tatsächlich sind die letzten Stunden wie im Film an uns vorbeigezogen, so erschlagend und teilweise lähmend waren die Ereignisse und Momente.

Mittwochabend hatte Hedi nach ihrem spätabendlichen Snack gebrochen, kann passieren und das auch eher selten bis gar nicht. Als wir sie beruhigen und sauber machen wollten, bemerkten wir wie kalt sie sich anfühlte. Ausgezogen auf dem Wickeltisch war sie plötzlich blaugrau, zitterte am ganzen, kleinen Körper, krampfte und schaute uns panisch mit großen Augen an, während sie die ganze Nachbarschaft geweckt haben muss. Was dann begann kann man wohl „elterliche Intuition“ nennen.

„Wir müssen ins Krankenhaus“. Wir zogen uns sofort an, packten noch den Lieblingsteddy von der Oma ein und fuhren in die Kinderklinik. Dort angekommen bekamen wir es mit einer eher überforderten Mitarbeiterin am Empfang zu tun, die uns durch ihre panischen Aussagen nur noch mehr verunsicherte. Derweil übergab sich Hedi in den Empfangsbereich und nach einer gefühlten Ewigkeit (wahrscheinlich nur zwei Minuten), kam aus dem Nichts eine Ärztin zu uns, nahm uns Hedi ab und bat uns ihr zu Folgen. Das war tatsächlich nicht einfach, übermannt von Emotionen und dem nicht Wissen was da gerade passiert, folgten wir Richtung Intensivstation. Hedi´s große Augen und panischen Blick zu uns werde ich niemals nicht vergessen können. Der arme Wurm wusste so gar nicht was los war, ebenso wenig wie wir.

Kein Ruf.jpg

Auf der Station angekommen ging eine krankenhäusliche Maschinerie an Fragen und Abläufen los. Wir versuchten Fassung zu bewahren, was uns aber nicht gelang. Hedi war so aufgeregt und tapfer zugleich als man ihr einen Zugang am Kopf legte, um ihr Blut abzunehmen. Die Ergebnisse dafür kamen recht schnell zurück und waren ein Schock. Entzündungswerte sollten <5 sein, waren aber deutlich über 100. Das hatte zur Folge das Nervenwasser entnommen werden musste, ein kleiner Eingriff unterhalb der Wirbelsäule inkl. Sedierung. Wir mussten Hedi also kurzzeitig zurücklassen, wir konnten ihr weinen und wimmern hören und da brachen unsere Herzen endgültig. Die Ärztin merkte uns natürlich an, wie es uns erging und verabschiedete uns mit den Worten „Ich passe auf ihre kleine Tochter auf“. Dieses Vertrauen was wir plötzlich haben mussten in Menschen, die wir erst vor zwanzig Minuten kennengelernt hatten.

In dieser Nacht habe ich eine Form von Angst verspürt, welche ich bis dato nicht kannte.
Ich habe große Angst vor Zahnärzten oder aber Präsentationen zu halten bereitet mir Unbehagen. Aber das war eine neue, unbekannte Dimension. Unser tapferes Mädchen kam eine halbe Stunde später wieder zu uns und wir bezogen Zimmer 16 auf der Station mit der Gewissheit wahrscheinlich bis Sonntag in der Klinik ausharren zu müssen. Irgendwann in der Nacht bekamen wir das Erste, mutmaßliche Ergebnis. Das Wort „Blutvergiftung“ stand plötzlich im Raum. Wie bitte? Warum, woher? So hatte ich doch noch Nachmittags mit Hedi gespielt und ihr ging es prächtig.

Was folgte war Rat- und Schlaflosigkeit. Komplettes funktionieren, ferngesteuert und mit freundlicher Unterstützung durch Krankenhauskaffee aus der Pumpkanne.
Hedi hält sich tapfer und die Medikamente helfen ihr, sie spielt wieder und ist sehr fasziniert von ihrem Bettchen im Krankenhaus, so hatte es doch so viele Gitterstäbe, die es zu erkunden gilt.

Nun hat der vierte Tag 2019 begonnen, der Akku vom Laptop zeigt 100% und meine Energie kommt langsam wieder dank frischen Kaffee und einer ordentlichen Mütze Schlaf. Ich habe noch nie so viel Sorge in meinem Leben gehabt wie in den letzten Stunden, aber wir haben ein starkes Mädchen als Tochter und Montag nehme ich meine Familie wieder mit nach Hause. Gleichzeitig habe ich so unfassbar viel Liebe verspürt für meine Mädchen. Wir sind noch enger zusammengewachsen, so rücken doch alle anderen Dinge in den Hintergrund in einer solchen Situation.

Also: Passt auf euch auf. Okay?

Supernova.

Letztes Jahr schrieb ich hier das 2018 groß wird. Groß, bedeutsam und alles verändernd.
So war und ist es auch. Ich bin Vater geworden. Allein diese vier Worte bedeuten alles für mich. Alles und noch viel mehr. Dieser Satz erfüllt mich mit Liebe, Stolz und Dankbarkeit.

Dann all diese „ersten Male“  2018.
Windeln wechseln, auf einem Metal Festival an einem veganen Food-Stand aushelfen, nach Schottland und Polen reisen, mit Hedi nach Mallorca fliegen, am Strand im Bulli übernachten, Interviews geben vor laufender Kamera oder Mario Götze fotografieren.
Wieder habe ich Playlisten gebastelt, viel und doch zu wenig fotografiert. Ich bin ins Ruhrgebiet gezogen, befinde mich immer noch in Elternzeit und finde es großartig.

Jetzt könnte/kann man natürlich sagen: „Wie, mehr ist bei dir 2018 nicht passiert??“
In meinen Augen ist das schon eine ganze Menge. Mein Leben stand und steht Kopf. Und das meine ich durchaus und nur positiv. Jeden Tag lerne ich neue Dinge. Über mich als Vater, Partner oder einfach nur Svensson. Was bleibt ist die Frage nach der Zukunft. Was wird 2019 zum Jahresende hier stehen? Ich hoffe neue „erste Male“, noch mehr Inspiration, Fotos, Musik, Reisen, Veränderung und noch viel viel mehr Familie und Abenteuer im Alltag.

Half the world away.

Heute früh, als ich unsere Wohnung verlassen habe, um mich Richtung Bahnhof und dann Richtung Flughafen aufzumachen, da war es wieder da: dieses Gefühl was bereits eingemottet schien.

Ein Gefühl, welches sich in der Vergangenheit schneller und größer entwickelte, als das Haushaltsdefizit der USA. Ein Gefühl, welches mich manchmal unvermittelt an der Kaffeemaschine im Büro überkam, manchmal auf dem Weg nach Hause nach einem gemeinsamen Wochenende - fuhr man doch wissentlich in die schlichtweg „falsche Richtung“ oder gerne und regelmäßig beim (alleine) Einschlafen. Akute Vermissung geschuldet der anfänglichen Fernbeziehung. Zuerst Schweden vs. Deutschland und dann Ruhrgebiet vs. Rhein-Main. So nah und doch so fern.

We see things they’ll never see
— oasis

Warum also kam dieses Gefühl heute Morgen einfach mit an die Bushaltestelle Richtung Bahnhof und rollte dann am Kofferband der Zieldestination im Kreis? Alte Wunden, vorweihnachtliche Emotionen? Sicherlich, denn eigentlich wollten wir zusammen als Familie nach Krakau und haben uns spontan dagegen entschieden. Hedi im Schub, zusätzlich das unvermeidlich unangenehme Zahnen und zu kalt um die Jahreszeit noch on top. Vernünftig vs. Vermissung. Während ich mich durch das Online- Angebot von BBC Radio 6 höre, kommt die Sprachnachricht von zu Hause: „Könntest du bitte einmal all unsere Reisen und Ausflüge mit Hedi (auch schon im Bauch) auflisten?“ Kurzes Revue passieren lassen vor dem inneren Reisepass und zum Schluss kommen welches Privileg wir haben. Freies Reisen, als Familie, als Team. Hedi und uns die Welt zeigen.

„Die Welt zeigen“, was für eine wundervolle Aufgabe eigentlich. Egal ob Pommes-Bude in Wattenscheid oder die kleine, versteckte Bucht auf Mallorca oder das Café in Hamburg mit den köstlichen Pfannkuchen. Alles ist neu für Hedi und auch oftmals für uns

So sitze ich nun hier in Krakau auf dem Bett meines Hotelzimmers, ein wenig wehmütig und gleichzeitig voller Neugier, was hier auf mich wartet. Eine grobe Route steht schon, Pierogi sind ein MUSS, vielleicht auch Bigos, Fotos und Videos und hoffentlich viel Inspiration für neue, gemeinsame Reisen, für 2019 und für dieses Blog. Für uns als Familie, für mich als Vater, für meine kleine und große Gefährtin zu Hause.

Deshalb wird jetzt das abendliche „Anti-Vermissungs-Programm“ gestartet, bestehend aus Netflix, „Erdnuss-Locken“ und einer lauten Version von Oasis „Half the world away“ via Kopfhörer, während eine weitere Straßenbahn an meinem Hotelfenster längs knattert.

Don´t look back in anger.

“Achtsamkeit”
Substantiv, feminin (die)
das Achtsamsein, achtsames Wesen, Verhalten

Es ist sicherlich Zufall, dass ich ein paar Zeilen zum Thema „Achtsamkeit“ so kurz vor Weihnachten schreibe. Aber vielleicht motivierte mich der bereits angesprochene vorweihnachtliche Glühwein-Ballermann in der Innenstadt, gut besucht von den umliegenden Bürogemeinschaften in der Mittagspause, Reisegruppen kurz vor ihrem Starlight-Express Besuch und manchmal doch noch leuchtenden Kinderaugen aufgrund der tiefroten Zuckerfärbung des Liebesapfels. Vielleicht liegt es auch an den Rückenschmerzen, die ich seit Tagen im wahrsten Sinne des Wortes mit mir umhertrage, oder daran, dass Suede gerade im Radio eine wundervolle Akustikversion von „Wastelands“ spielen.

Seit ich Vater bin (und man verzeihe mir die zu erwartende Storyline), bin ich noch sensibler und achtsamer geworden. Achtsamer auf meine Familie, auf mich aber auch auf unsere Gesellschaft.

Ja ich weiß, ich oller Romantiker. Da werde ich gleich die Fragen in den Raum stellen, was denn los ist mit uns Menschen, woher diese teils unglaubliche Unverbindlichkeit kommt, dieses Traurige in den Augen vieler Menschen, wenn sie sich den zweiten Becher Glühwein in der Mittagspause ordern, bevor es wieder ins Büro zur „Gemeinschaft“ geht.

Fragen, die ich wahrlich nicht klären kann und möchte, da zu komplex. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass morgens der Lieblingspulli in der Wäsche, der Kaffee zu heiß aufgebrüht, das Kind zu langsam auf dem Weg in die KiTa war oder oder oder ….

Vielen Menschen schwirrt pausenlos Alltagsstress durch den Kopf, der Autopilot ist auf „Funktionieren“ von Montag bis Freitag eingestellt. Wenn man Glück hat, ist im Zeitprogramm für freitags noch „früher Feierabend, Kinder aus KiTa abholen“ hinterlegt.  Vorher überfliegt man noch endlose Email-Verläufe, spurtet zum nächsten Meeting oder steht einfach genervt im Supermarkt, weil die ältere Dame ihr Kleingeld genau abzählt für das „Goldene Blatt“. Aber kann/darf/wird das unser Leben sein? Ständiges Vergleichen, immer über den Zaun zum Nachbarn in der gepflegten Reihenhaus-Siedlung schauen. „The grass is always greener on the other side“. Kennt man.

Vielleicht lebe ich auch in meiner eigenen, kleinen Elternzeit-Blase und bin der Realität Richtung Windel wechseln oder als Familie in der Küche zu Kylie Minogue´s „I should be so lucky“ tanzen, geflüchtet?! Wer weiß das schon? Fakt ist: Ich möchte mich nicht dieser vergleichenden Ohnmacht hingeben. Achtsamkeit scheint aktuell in aller Munde zu sein. Das Allheilmittel für und gegen alles. Ein wahrer Hype könnte man meinen. So notwendig wie unnötig, denn vielleicht (oder bestimmt) ist Achtsamkeit eine besondere (Zusatz-)Version der Aufmerksamkeit. Ein kleines Add-on, ein neuer Reiter in der offenen Alltags-Registerkarte.

Vielleicht braucht dieses Add-on manchmal nur ein kleines Update in Form eines Lächelns, eines „Danke“ an der Kasse oder schlichtweg mal ordentliches Durchatmen.

In diesem Sinne besinnliche Zeiten.

Weil die Zeit sich so beeilt.

Samstagabend in der Küche. Die Spülmaschine dreht ihre Runden und ich sitze am Küchentisch, lausche der Hintergrundbeschallung aus dem neuen, drahtlosen Lautsprecher inklusive Regen von draußen. Die Liebste entspannt in der Badewanne, Hedi schläft tief und fest, träumt hoffentlich vom letzten Abendbrei oder kleinen Häschen und ich aka. der Papa genehmige mir einen Gin Tonic.

Seit ein paar Tagen begleitet mich neue Musik. Dafür liebe ich Spotify, diese schier endlose Möglichkeit quasi „Unerhörtes“ (meinerseits) zu entdecken. Eine Band Namens „Hammock“ erreichte meine Ohren und schlagen in die gleiche Kerbe wie „The Album Leaf“ oder „This will destroy you“. Bands, die ich allesamt sehr schätze und mir ebenso ein Kopfkino bereiten.

Letzten Samstag begann es. In Sankt-Peter Ording. Wir verbrachten ein paar Tage an der See, erstmalig in SPO gastierten wir im Beachmotel bei wundervollem Herbstwetter. Ich stand früh morgens am Leuchtturm von Westerhever, hatte meine Kopfhörer auf und die Musik passte perfekt zur Szenerie. Ich war völlig allein dort, zumindest was Menschen betrifft. Um mich rum hunderte Gänse in den Salzwiesen bei den Vorbereitungen, um Richtung Süden aufzubrechen, um dort zu überwintern. Ich musste sehr grinsen, ein wahrlich gelungener Morgen. So friedlich und wunderschön.

Leuchtturm Westerhever

Zurück im Hotel traf ich meine Liebsten zum Frühstück. Warmer Kaffee und frisches Rührei stärkten für den Tag, während sich Hedi im Hochstuhl sitzend daran begab, eine Mandarine genauestens zu erkunden und dabei die Gäste um uns rum unbemerkt verzauberte.
Unser Hotel lag quasi direkt hinter dem Deich und so lagen lange Strandspaziergänge sprichwörtlich nah. Die Weite am Strand, die Dünen und das Meer trugen ihr Übriges zur Erholung bei. Und manchmal, da schossen mir wieder Bildfragmente von früh morgens durch den Kopf und vor meinem geistigen Auge. Nachhaltiges Kopfkino, gepaart mit Gedanken an Gegenwart und Zukunft, befüllt mit dankbaren Emotionen und Glücksmomenten.

So gingen ein paar erholsame Herbsttage ins Land. SPA, Strand, Spaziergänge, Kaffee & Kuchen und (!) wir feierten unser zweijähriges Kennenlernen. „Weil die Zeit sich so beeilt“ könnte man jetzt sagen, wenn man Popzitate als Referenz verwenden möchte. Wo ist sie hin? Die Zeit? Was wir nicht alles erlebt haben, worauf wir nicht alles stolz sein können. So standen wir also in den Dünen von SPO und die Zeit sie beeilte sich etwas weniger in diesem Moment. Das nennt man wohl Inne halten, ohne 4G oder WiFi, nur wir als Familie und Team.

Am Freitag ist Hedi sieben Monate alt geworden. Als wir damals nach Hause kamen, lief eine sehr ruhige und entspannte Playlist auf Spotify. Wie es der Zufall (?) so will, findet sich darauf die Band „Hammock“ wieder.  Und weil die Zeit sich so beeilt ist in vier Wochen Weihnachten, der entsprechende Glühweinballermann in der Innenstadt fand unlängst seine Eröffnung. Ich hörte heute den Song „Sinking inside yourself“ auf dem Weg in die Stadt und all die hektischen Menschen wabberten an mir vorbei Richtung Black-Weekend-Schnäppchen und ich sehnte mich einfach nur zurück, an diesen Morgen am Leuchtturm.

// Anzeige: Unser Dank geht an das Beachmotel SPO für die herzliche Gastfreundschaft.

Sechs Monate.

Seit einem halben Jahr sind wir nun Eltern. Sechs Monate voller Herausforderungen, Abenteuern, Reisen, Lachen, Weinen, Schlafmangel, Glücksmomenten, Account Takeovern und vor allem DANKBARKEIT. Keinen dieser Momente möchte ich missen, keinen einzigen.

Man ist mir das schwer gefallen neun Tage alleine durch Schottland zu reisen, da war Hedi noch ein ganz anderer Mensch. So frisch und klein. Das war eine Macht, ein Gefühl was ich unterschätzt hatte. Vatergefühle eben. Und genau diese (Vater/Mutter/Eltern) Gefühle lassen uns täglich alles geben. Alles für unser Kind, alles für Hedi und uns als Familie. Egal ob man um 0:17 Uhr nochmal in den Keller geht um die Wäsche aufzuhängen, spontan nochmal in den Supermarkt um die Ecke geht um eine frische Packung Schoko Eis für die elterlichen Nerven erbeutet. Oder Nachts im Bulli in Dänemark, eben nochmal umparken da sich die Windrichtung gegen das Aufstelldach gedreht hat. Oder in der Drogerie auf der Suche nach einem “neutralen” Schnuller, beim ersten Möhrenbrei oder in der Federwiege beim einschlafen. Im Krankenhaus als ich Hedi das erste Mal im Arm gehalten habe, ihre Augen völlig überfordert in das OP Licht schauten, als ich sie das erste Mal berühren, riechen, spüren konnte. Beim stillen in der Öffentlichkeit oder auf unserem ersten, gemeinsamen Flug.


Die Zeit, sie rast und steht manchmal doch still. Morgens wenn wir gemeinsam aufwachen, Hedi als erste wach und munter ist und sie uns auf ihre verzaubernde Weise klar macht: “Ich wäre soweit. Ich bin bereit für einen weiteren Tag voller Abenteuer und Entdeckungen”

All diese ganzen “ersten Male”.

Windeln wechseln, nach Mallorca fliegen, Sand unter den Füßen spüren, Möhrenbrei essen oder für zwei Stunden bei der Patentante sein. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen, all diese kostbaren Momente und Erlebnisse. Fordernd und fördernd. Für Hedi um sich zu entwickeln und für uns als Paar und Familie zu wachsen. Jeden Tag zu lernen, zu lachen und zu staunen.  

Für das alles bin ich sehr dankbar.


Nur gucken.

Sonntag ist es wieder passiert. Der (vorerst) letzte Sonn(en)tag.

Alle waren sie unterwegs, Familien, Rentner, alt, jung, Singles, Paare. Alle nochmal raus. Alle nochmal auslüften und da passierte es mal wieder.

Wir (als Familie) werden angestarrt, quer durch alle Altersgruppen und unabhängig vom Beziehungsstatus. Ich trage meine Tochter stolz und glücklich auf dem Arm, sie lächelt, wir lächeln und von zufällig passierenden Mitmenschen kommt eine komplette “Gesichtsentgleisung”. Teilweise ist die Mimik wahlweise auf Valium oder hatte einen 0,5l Energy-Drink auf ex. Teilweise verbittert, teilweise fassungslos und (ganz traurig) leblos

Die Frage ist nun: Warum? Warum ist das so? Mimik nicht unter Kontrolle? Allgemeine Verwirrtheit? Neid? Erstaunt?


Wenn von den möglichen Antworten eine oder gar mehrere zutreffen sollte, kommen wir zur nächsten Frage: Warum? Warum Neid, warum verwirrt oder oder?

Diese Phänomen begleitet uns nun schon eine ganze Weile, definitiv verstärkt seit Hedi´s Geburt. Egal ob als Familie oder wenn einer von uns Hedi in der Trage hat und eben noch ein paar Sachen in der Drogerie shoppt. Egal wo. Mallorca Urlaub, Wanne-Eickel oder im Park um die Ecke. So versuche ich mittlerweile ein Muster zu erkennen, aber das gelingt mir nicht so Recht.

Nun könnte ich ein “gesellschaftliches Fass” aufmachen. Neid, Missgunst, schlicht “gönnen können”. Warum muss alles immer ein gesellschaftlicher Wettbewerb sein? (Und da möchte ich jetzt noch gar nicht an die künftigen Begegnungen im Kindergarten oder noch später in der Schule denken) Aber das mache ich nicht, dass haben bereits viele andere vor mir gemacht. Dennoch würde ich gerne verstehen was in den Köpfen der Menschen manchmal so passiert, diesen kleinen, inneren Smalltalk würde ich manchmal gerne mitschneiden.

Aber da gibt es natürlich auch all die anderen Menschen, die einen anlächeln, manchmal stehen bleiben und sogar ab und an das Gespräch suchen. Eine Wohltat, zwischen all den Nachrichten über mögliche kündigen von Atomabkommen und bayrischen Parteitagen

Manchmal stört uns dieses angestarrt werden arg, kennt man es noch aus seiner Kindheit, weil man war ja immer größer als die anderen Kinder und manchmal ist es völlig egal. So sollte es eigentlich sein. Völlig egal. Dann starren unsere Mitmenschen halt, anstatt sich an der frischen Herbst-Luft und Sonne zu erfreuen. Oder an einem Eis, oder an dem niedlichen Hundewelpen Video im sozialen Netzwerk.


Hola!

Die Costa de Canyamel liegt an der Ostküste von Mallorca. Klein, übersichtlich und nahezu familiär bettet sich der kleine Ort zwischen bewaldeten Hügeln in die balearische Landschaft ein. In unseren Herzen hat sich dieser Ort ebenfalls eingebettet: zwischen dem Wunsch, eine Familie zu gründen, gemeinsam dieses Abenteuer zu begehen sowie Glücksgefühlen ausgelöst durch Sonne, Zitronenlimonade und unfassbar viel Liebe.

Ging es im vorletzten Text um Orte an die wir mit Hedi zurückkehren, so ist dieser gewiss der prägendste für uns als kleine Familie.

So standen wir dann am Flughafen Düsseldorf kurz vor dem Einchecken, aufgeregt wie kleine Kinder vor Hedis erstem Flug. Haben wir an alles gedacht? Brauchen wir alles bzw. WAS brauchen wir alles oder eben nicht? Waren wir im Bulli deutlich minimalistisch unterwegs, standen wir nun also vor der Herausforderung “Pauschalurlaub” mit Baby. Wie wird Hedi den Flug verkraften? Wann geben wir eigentlich den Kinderwagen ab und in wie vielen Teilen wird er auf dem Kofferband ankommen? Ist die Sonnencreme die Richtige? Zwei oder drei kurze Hosen für Papa und welches Kleid für Mama?

Während all die Fragen während des Wartens zum Check-in durch die elterlichen Köpfe gingen, verzauberte Hedi die künftigen Kreuzfahrtgäste vor, hinter und neben uns in der Warteschlange, welche abends ihre Mittelmeer-Kreuzfahrt in Palma starten würden.

Sie lächelte einfach alle an. Das brachte uns dann auch den Bonus ein, in Reihe “1” im Flugzeug “up-gegraded” zu werden. Überhaupt: Reisen mit Baby stellte sich tatsächlich als recht entspannt heraus. Man wird mit einem Lächeln durch den Bodyscanner geschickt oder auch mal freundlich vorgelassen. Das Erlebnis bzw. die Antwort auf die Frage, WO man am Airport denn in Ruhe stillen könne (nämlich ein langgezogenes und Augen verdrehendes “Pffffffffft”) blenden wir mal getrost aus an dieser Stelle.


Nach einem ruhigen (sowohl seitens schlafender Hedi und aufgrund ausbleibender Turbulenzen) Flug kamen wir auf Mallorca an. Gepäck abholen, Mietwagen checken, Route ins Navi eingeben und auf Richtung Canyamel. Es war schon dunkel als wir ankamen, aber das Rauschen des Meeres ließ die Vorfreude auf den nächsten Tag ins Unermessliche steigen.

Hedi erwachte als erste von uns und ihren strahlenden Blick beim Anblick des Meeres werde ich so schnell nicht vergessen. Nach dem Frühstück ging es voller Vorfreude an den Strand, Lager aufgeschlagen und ab ins Meer. Zumindest bis zu meiner Hüfte mit Hedi auf dem Arm. So standen wir nun alle Drei Arm in Arm hüfttief im Mittelmeer und mussten Glückstränen vergießen. #hediholiday also nun auf Mallorca.


So verflogen die sonnigen Tage einem nahezu gleichen Rhythmus folgend: Vormittags Strand, Nachmittags Pool. Zwischendurch Ausflüge nach Árta oder Pollenca, zur Cala Torta oder zum Mandelkuchen ins Café Saüc. Die Rückkehr an diesen für uns wunderschönen Ort war die genau richtige Wahl und wir durften erneut eine intensive Zeit mit unserem Reisebaby genießen. Es ist ein anderes Reisen mit Baby, gewiss aber kein minder Schöneres. Man nimmt Kleinigkeiten wesentlich bewusster wahr, reist entschleunigter, bedachter und vor allem sammelt man Erinnerungen, die bleiben. Now & forever.

Wir lachten, sangen, schwammen, entdeckten, entspannten … ehe es wieder heimwärts ging und sich die anfänglichen Fragen wie folgt beantworten sollten:

Ja, wir haben an alles gedacht und doch wieder an zu viel. Hedi hatte Spaß am Flug und verzauberte die Sitzreihe hinter uns mit ihrem Lachen, der Kinderwagen wurde am Gate abgegeben und kam tatsächlich vollständig an der jeweiligen Destination an. Die Sonnencreme war top, Papa hatte genug zum anziehen und Mama sah zauberhaft in ihrem Kleid aus. Also, alles richtig gemacht.


// Anzeige: Alle Bilder entstanden mit dem neuen SAMSUNG Galaxy Note 9. Unser Dank geht an die Firma SAMSUNG für die freundliche Unterstützung.

Mehr Bilder findet ihr auf meinem Instagram Profil.


re:member

Ólafur Arnalds, Konzerthaus Dortmund 06.10.2018

Im Rahmen der Pop-Abo - Reihe gastierte am vergangenen Samstag Ólafur Arnalds im Konzerthaus Dortmund. Endlich sollte ich die Gelegenheit bekommen, diesen virtuosen Isländer live zu sehen.

Ólafur Arnalds wird auf der aktuellen Tour von diversen Streichern, einem Schlagzeuger, sowie zwei selbstspielenden Pianos begleitet. Letztere werden durch eine spezielle Algorithmus-Software gesteuert, an der er zwei Jahre mit einem Freund gebastelt hat. Das allein zeigt bereits wie detailverliebt dieser Mensch zu sein scheint und doch ahnte ich nicht ansatzweise wie sehr mich dieses Konzert beeindrucken sollte.


Mein Dank geht an das Konzerthaus Dortmund, die mir freundlicherweise einen Fotoausweis für dieses Konzert zur Verfügung gestellt haben. So konnte ich ein paar Minuten vor Einlass in den Saal und meinen Platz am Mischpult beziehen. Pluspunkt: ich konnte einen Blick auf die Setlist erhaschen:

Intro
Árbakkinn

Brot
Only the winds

re:member

Unfold
Beth´s Theme

Verses
Saman

Dalur
3326

Ypsilon
Undir

Ekki Hugsa

Nyepi
Doria

Near Light

--------------------

Lag Fyrir Ömmu

Vom Mischpult aus zu fotografieren war eine kleine Herausforderung, so war doch die Beleuchtung perfekt auf die Musik abgestimmt. Auch hier zeigte sich die Perfektion von Ólafur Arnalds. Man tauchte unmittelbar in die Klangwelten ab und (zumindest ich) driftete gedanklich das ein oder andere Mal an Islands Küste ab.


Nach dem dritten Song zog ich in Reihe 20 um und staunte weiter, ebenso meine Sitznachbarn vor, hinter und neben mir. Das Publikum setzte sich aus Indie-Nerds, Pop-Abonnenten, die sonst eher klassische Konzerte besuchen würden und einigen Fans von Borussia Dortmund, die nahtlos aus dem Stadion kamen, zusammen. Welch Kontrast. Kurz vorher noch im Stadion, zusammen mit 80.000 Menschen und nun so intim und leise, dass man das Knarren der Fußpedale am Piano hören konnte. Elegant wurde der musikalische Spielplatz von Arnalds bedient, so entstanden massive Soundwände bis hin zur völligen Stille.

Òlafur Arnalds verstand es, das Publikum mit in dieses Erlebnis einzubeziehen. Sei es durch sympathische Ansagen zwischen den Stücken oder durch die Aufforderung einen Ton mit ihm zu singen, welcher instant aufgenommen und durch diverse Effektgeräte geschickt wurde, um schließlich mit dem folgenden Song zu verschmelzen.

Man hätte diesem Ensemble noch Stunden zuhören können, aber gegen 21:45 endete dieses wundervolle Konzert-Erlebnis bei tosendem Applaus, welcher mich hinaus in das freitägliche Nachtleben im Dortmunder Brückviertel spülte.

Þakk òlafur Arnalds.

Weitere Konzerttermine findet ihr hier.

// Anzeige: Mein Dank geht an das Konzerthaus Dortmund für die freundliche Unterstützung.


Coastline.

Mehr Meer. Ist doch nachvollziehbar, oder?

Da wir unseren Bulli in Hamburg angemietet hatten und wir nicht sofort zurück “ins wahre Leben” wollten, nutzten wir die Gelegenheit um nochmal zwei Tage am Meer zu verbringen.

Heiligenhafen lag da nah. Sowohl geografisch als auch emotional. Unbedingt wollten wir mit Hedi an den Ort zurückkehren, wo wir unseren “Babymoon” verbracht haben im vergangenen Dezember.

Als wir in Heiligenhafen ankamen, wurden wir mit wundervollem Wetter begrüßt. Die Sonne schien in diesem “Endless Summer” mit aller Kraft und der Ausblick aus unserem Zimmer auf die Seebrücke war ein toller “Willkommensgruß”, zusammen mit einer Flasche Sekt im dazugehörigen Sektkühler.


Überhaupt ist die Seebrücke ein toller Ort in HHF, die Menschen scheinen dort ihre Sehnsucht nach Meer und Fernweh zu stillen. Fast andächtig schauen sie raus aufs Meer, lassen die Blicke schweifen und atmen durch. So auch wir und diesmal mit Hedi. Spaziergänge an dem Ort, an dem sie zuletzt noch in Mamas Bauch war. Verrückt ist das alles. Unser kleines Reisemädchen muss sich sicherlich wundern warum Mama und Papa immer so emotional werden auf ihren Ausflügen.

So verbrachten wir zwei wundervolle Tage & Nächte im Beachmotel HHF, genossen das ausgiebige Frühstück und den SPA Bereich. Nahmen Hedi mit in den hoteleigenen Pool und mussten feststellen: Hedi liebt es im Wasser, ebenso wie wir. Strandspaziergänge und ein Besuch im lokalen Surfshop sind natürlich Pflicht gewesen für uns.

Aber das oben beschriebene “aufs Meer schauen” war und ist einfach unbezahlbar. Egal ob in Dänemark, Mallorca oder eben in HHF. Dieses durchatmen, alles um einen herum vergessen. Ich fühle mich dann immer wie angekommen, irgendwie zu Hause. Es entspannt uns einfach ungemein.


So verliessen wir entspannt, aber auch ein wenig wehmütig diesen wundervollen Ort Richtung Ruhrgebiet und auf zu neuen Abenteuern.

// Anzeige: Unser Dank geht an das Beachmotel Heiligenhafen für die freundliche Unterstützung.

Ahoi Dänemark!

Bisher war Dänemark für uns nur ein „bisschen“ Kopenhagen in Form eines Städtetrips, köstliche Kanelsnegl, große Interior-Designliebe und beruflich bedingtes Umsteigen in die Bahn rüber nach Süd-Schweden. Das sollte sich ändern. Unbedingt!

Schließlich zählen die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt, warum also nicht ein Stückchen HYGGE-Mentalität adaptieren und mit ins heimische Ruhrgebiet schleusen. Da Dänemark flächenmäßig überschaubar ist, kam relativ schnell der Gedanke auf, das Land mit dem Bulli zu erkunden. Autark und minimalistisch reisen und „hyggelig“ am Strand aufwachen klang sehr vielversprechend in meiner leicht romantischen Vorstellung.

 Da wir leider keinen Bulli oder ähnliches, fahrbares Schlafzimmer unser Eigen nennen können, musste eine Mietversion her und schnell stieß ich bei der Instagram-Recherche auf die sympathischen Jungs von AHOI Bullis, die von Hamburg aus ihre weißen Bullis hinaus in die Welt schicken. Für unser Reisevorhaben war Hamburg perfekt, um weiter gen Norden zu reisen und vorab noch der Stadt einen kurzen Besuch abstatten zu können. Gesagt, getan – Reisedatum festgelegt, eine grobe Route gesteckt, recherchiert, gestaunt, Reiseführer geliehen bekommen, Tipps aus dem Bekanntenkreis bekommen und mit Sack und Pack nebst Frau und Kind in großer Vorfreude und minimaler Aufregung Richtung Hamburg aufgebrochen.

Vor Ort bekamen wir eine sehr ausführliche und kompetente Einweisung inklusive Tipps und Tricks für unser Gefährt, welches wir vorher aus drei Varianten wählen konnten. Die Namen dafür sind passender Weise „St. Pauli“, „Eppendorf“ und „Blankenese“ und unterscheiden sich in ihrer Ausstattung. Letztere sollte unser mobiles Heim für die nächsten Tage werden. Hinzu lassen sich diverse, optionale Packages an nützlichen Extras auf Wunsch hinzubuchen. Darunter zählen beispielsweise ein Bettwäsche- und Handtuch-Set, eine WALDEN Abenteuer-Box, „Porta Potti“ aka die mobile Toilette und und und. Der faire Aufpreis lohnt sich definitiv, insbesondere beim Bettwäsche- und Handtuch-Set, wie ich finde!

Solltet ihr noch keine (genaue) Destination im Kopf haben, so bekommt ihr vom AHOI Bulli-Team auch kompetente Beratung bei Eurer Tourenplanung, quasi ein Rundum-sorglos-Paket (abenteuerlich wird es ganz gewiss – so oder so).

Mehr Input über das Konzept und die Vielzahl an (Buchungs-)Möglichkeiten findet ihr hier.

Die Route stand für uns wie gesagt nur grob fest, denn wir wollten uns treiben lassen und die Möglichkeit genießen, anzuhalten wann und wo wir wollten. Das ist dieses ganz Besondere am „Vanlife“: du lebst in deinem eigenen kleinen Universum und kannst immerzu abtauchen in Urbanität und Natur, kannst dich überraschen lassen von schönen Orten und atemberaubender Landschaft und das bei kühlem Radler oder aufgebrühtem Kaffee.

Die erste Etappe führte uns bis kurz vor Åarhus, wir stoppten am späten Abend bei lauen Temperaturen auf einem Campingplatz und fuhren das Dachbett neben einer Vielzahl von Dauercampern aus. Fazit noch vor dem Schlafengehen: die Vorstellung im Kopf sah anders aus, hatte mit mehr Meer zutun und sollte weniger Parzellen-Party beinhalten. Es sollte im Nachhinein betrachtet auch die einzige Nacht auf einem „klassischen“ Campingplatz werden. Trotzdem erst einmal schlafen, Kräfte sammeln, ins Dachbett krabbeln und selig wegdösen. Am nächsten Morgen wurden wir vom herabprasselnden Regen geweckt und bis zum ersten Kaffee dauerte es ein paar Handgriffe als oller NEU-Camper. Jedoch sei gesagt: der erste Kaffee im Bulli schmeckte besonders gut und wir kamen langsam in unserem fahrbaren, erstaunlich geräumigen Apartment an. Da es in Åarhus a) regnete und b) es in der Innenstadt eher spärlich mit Parkmöglichkeiten für einen Bulli bestellt war, gab es nur eine kurzen aber durchaus köstlichen Besuch bei La Cabra (endlich!) und einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt mit der Erkenntnis: wir kommen bestimmt wieder. Alle Mann rein in den Bulli, anschnallen und den hohen Norden ansteuern, geradeaus dem Meer entgegen und laut Vorhersage schien uns auch wesentlich camperfreundliches Wetter zu erwarten.

Nächste Destination war einer der befahrbaren Strände Dänemarks in dem sympathischen Örtchen Løkken. Eine ohnehin super Idee: befahrbare Strände, keinerlei Einfuhrpreise und meist vorhanden: öffentliche Toiletten und Waschmöglichkeiten. Ein verantwortungsvoller Umgang wird vorausgesetzt und scheint problemlos eingehalten zu werden, wie wir feststellten.

Dort angekommen, lässt sich das Erlebte kaum in Worte fassen. Weitläufiger Sandstrand, frischer Kaffee Blick aufs Meer und die Dünen im Rücken bei bestem Wetter. Durchatmen, wirken lassen und da war es plötzlich dieses „HYGGE “ Gefühl. Hedi bestaunte das rauschende Meer, war entspannt und nach einem langen Spaziergang am Strand gab es eine köstliche Pasta zubereitet vis á vis zum Meer. Satt, entspannt und glücklich ging es dann zu „Bett“. 120x200cm Liegefläche sind zu dritt ambitioniert, aber machbar. Dem Meer und Wind sei Dank, fielen wir in einen tiefen und erholsamen Schlaf. So gingen die Tage ins so glückliche Land. Die Tipps und Tricks gingen einem nach ein paar Mal üben leicht von der Hand und die Option, einfach losfahren zu können, gab uns wirklich ein Gefühl von Freiheit. Das und die Tatsache, die Frühstücks-Eier im Meer abzuschrecken.

Nach Løkken verbrachten wir eher zufällig unseren letzten Tag respektive unsere letzte Nacht in Børsmose. Gefühlt ein Geheimtipp und eher aus der Not heraus geboren, da wir am Vortag stundelang keinerlei Empfang/Internet hatten und unsere eigentlich geplante Destination aufgrund eines US-Car Treffens am Strand uns eine Nacht auf einem Marina-Parkplatz bescherte. Aber das ist eine andere Geschichte ... wir sprachen von Abenteuer! Hello!

Børsmose machte uns den Abschied aus Dänemark nicht leicht. Der Strand noch weitläufiger, die Dünen noch höher und noch weniger Menschen um uns. Dafür viele Sterne in der Nacht und strahlender Sonnenschein am Tag. Auch hier: Wir kommen bestimmt wieder.

Leicht wehmütig, aber unendlich glücklich ging es dann wieder zurück nach Hamburg um den Bulli vollgetankt und schweren Herzens wieder abzugeben.

Während die Mädels auf der Rückfahrt ein wenig schliefen, formte sich bereits mein Fazit im Kopf und im Hintergrund lief die aktuelle Lieblingsplaylist: Reisen im Bulli mit Baby kann ich bzw. können wir nur jedem empfehlen der die Gelegenheit dazu hat. Was haben wir uns im Vorfeld Gedanken dazu gemacht: Was brauchen wir? Was nehmen wir mit? Tatsächlich haben wir von unseren Klamotten nur die Hälfte gebraucht und unser Essenvorrat reichte exakt bis zur Rückgabe. Die atemberaubenden Eindrücke lassen einen noch genügsamer als ohnehin schon werden. Alles Notwendige hatten wir dabei und hätten wir im Zweifelsfall auch überall bekommen (Windeln, Pflegetücher etc.).

Und Hedi mit ihren vier Lebensmonaten? Die hatte sichtlich Spaß, war ausgelassen, entspannt und aufgeregt je näher es ans Meer ging. Sie schlief selig zwischen uns ein und wir öffneten morgens die Kofferraum-Klappe und schalteten das natürliche „Ocean-TV“ ein. Dauerprogramm versteht sich.

Was bleibt? Zähneputzen mit Meerblick ist eine Wucht! In die Ostsee springen kann auch im frischen September super sein! Camper untereinander sind kommunikativ, hilfsbereit, aufgeschlossen und interessiert!

Daneben paaren sich natürlich unendlich schöne Erinnerungen an diesen Roadtrip, der vom Gefühl der Freiheit und ganz besonderer Reiseatmosphäre geprägt war. An das am Meer aufwachen, an das „Fangen spielen“ Rund um den liebgewonnenen Bulli, an die köstlichen Kanelsnegl im dänischen Hinterland und an die Tatsache, dass wir mehr „Meer“ wollen. Mehr unterwegs sein und mit Hedi die Welt bereisen möchten. Gerne mit Bulli und weiterhin stets minimalistisch. Wir üben und lernen noch- das nächste Mal dann ohne sperrigem Koffer und mit standesgemäßem Seesack – oder so.

// Anzeige: Unser Dank geht an die Firmen AHOI Bullis und Millican Bags für die freundliche Unterstützung.

Kölle du bes e jeföhl.

Ach Köln. Lange haben wir uns nicht mehr gesehen und sofort war unser "Jeföhl" wieder da.

PS: Danke an das 25hrs The Circle Hotel für den tollen Aufenthalt.

Schlafen wie ein Baby.

So vielfältig wie die Bedürfnisse von uns Erwachsenen an das Thema Schlafen sind, so sensibel und vielseitig sind die Bedürfnisse eines Babys.

Was so einfach klingt ist tatsächlich etwas, was ein Baby „lernen“ muss.
Vertrauen fassen, nicht das Gefühl haben alleine gelassen zu werden, die Nähe der Eltern zu spüren. Dieses Leben erst einmal zu verstehen, einen Tagesrhythmus zu erlenen. Tag & Nacht unterscheiden zu können. 

Hedi ist nun gute drei Monate alt und an ablegen war zu Beginn nicht zu denken, sie brauchte unsere Nähe um entspannen zu können. Es war nahezu ein Triumph, wenn sie tagsüber länger als zwanzig Minuten auf ihrem Stillkissen schlafen konnte.  Die Nächte liefen immer reibungslos getreu dem Motto: Eat – Sleep – Eat (Repeat).

Und so beginnt dann im Netz die Recherche, man liest sich durch Foren oder Tipps & Tricks der Apotheker- Familien- Zeitung und alles hat man irgendwie schon mal gelesen oder gehört.

Eine Sache sahen wir regelmäßig in den sozialen Medien: Die Federwiege NONOMO. Logisch, wer möchte nicht gerne in einem konstanten Rhythmus in den Schlaf gewippt werden? Wer schon einmal in einer Hängematte geschlafen hat, kann sich ungefähr denken was ich meine.

Ein paar Tage später klingelte also der Postmann und da war sie, die Lösung unserer „Probleme“. Wir haben uns für die Türrahmenvariante entschieden, so können wir den Schlafort recht flexibel halten. Alternativ gibt es auch noch einen passenden Ständer.

Der vollwertige, aus unbehandelter Bio-Baumwolle hergestellte Schlafplatz inklusive Matratze aus reiner Schafwolle war schnell angebracht.

Wir waren sehr gespannt auf unseren „ersten Versuch“.

Der passende Moment schien gekommen und so legten wir Hedi in die NONOMO ab. Suspekt ist wohl das richtige Wort, es schien Hedi suspekt nun dort zu liegen. Frei schwingend zwischen Wohnzimmer und Flur. An Schlaf war nicht zu denken.

Es folgten zahlreiche mehr oder minder erfolgreiche Anläufe. Mal schaffte sie es für ein paar Minuten, einmal sogar lange 20 Minuten in denen wir unser Abendessen inhalierten und die Gelegenheit nutzten, die Wohnung aufzuräumen. Immer wieder stellten wir uns die Frage: Ist das jetzt DIE Lösung? Irgendwie war sie das (noch) nicht. Und wenn wir eine Sache gelernt haben, neben der Tatsache das jedes Baby unterschiedliche Bedürfnisse hat, so auch,  dass Liebe und Geduld der Schlüssel zu allem ist. So hallten mir immer wieder Sätze durchs Ohr wie „Unsere Kleine konnte das von Beginn an gut“ oder „Auch nach sechs Monaten können wir unseren Sohn nicht ablegen“. Aber auch ein Satz den ich immer wieder gelesen habe, kam mir ins Gedächtnis: „Plötzlich ging es“. So war bzw. ist es dann auch. Von einem Tag auf den anderen, zwischen zwei Schüben legten wir Hedi ab und sie schlief selig für die nächsten sechs (!!) Stunden. Wir waren völlig überfordert mit dieser Situation, glücklich und verwundert. Da lag sie nun, schlummerte im Rhythmus von unserer „Babykrankenhauswirkommennachhause“-Playlist.

 

NONOMO

Mittlerweile gehört das (Ein)Schlafen in der NONOMO zum täglichen Programm, welches Hedi und auch uns als Eltern Struktur und Freiraum gibt. Manchmal bin ich schon ein wenig neidisch, dass ich keine so tolle Federwiege für meinen Mittagschlaf habe. Hängematte wäre vielleicht eine Option. Im nächsten Sommer. Auch hier ist Geduld der Schlüssel. ;)

// Anzeige: Unser Dank geht an die Firma NONOMO für die freundliche Unterstützung.

Less is gold.

Minimalismus. Ein Begriff, der mich seit geraumer Zeit mehr denn je beschäftigt. Ein Begriff, so konträr, wenn ich all die überfrachteten Geschäfte im ansässigen Innenstadt-Dschungel sehe oder Newsletter meiner liebsten Online-Plattformen erhalte. Ob online oder offline: Konsum, wohin das Auge nur reicht, mittlerweile bin ich müde davon, nicht nur wegen kürzerer Nächte aufgrund eines Säuglings im heimischen Nest. Minimalismus steht unschwer im Zusammenhang mit Konsum und vielleicht bedeutet Minimalismus für mich persönlich auch konsumreduziertes Verhalten, nicht aber radikaler Verzicht und moralische Verpflichtung einer neuen Trendbewegung.

Mein Weg zum Minimalismus ist nur schwer zu beschreiben, dennoch übe ich mich darin, diesen in den folgenden Zeilen einmal zu rekapitulieren, schon allein, weil es mich fasziniert, was eigentlich schon zu Kindheitstagen in uns an Eigenschaften und Marotten verankert ist und wie es sich später äußert.

In meinem Elternhaus war es stets sauber, dafür aber zum Teil arg chaotisch. Da existierte dieses Nirvana an Drogeriemarkteinkäufen, formal benannt als das „Kämmerchen“. Ein Abstellraum, der kaum noch zu betreten war. Überblick? No way. Da gesellten sich Deodorant-Tretmienen, die glücklicherweise von Küchenrolle gepolstert wurden nebst Obstkonserven für die nächste Geburtstagstorte. Mich störte dieses Chaos schon zu Kindheitstagen, nicht selten schaffte ich im frühen Jugendalter Ordnung in ebendieser – vergebens. Ich liebte schon immer Ordnung, hatte feste Plätze für meine Spielsachen, meine Schulsachen, meine Bücher und sonstigem Kram. Und diesen gewissen Kram sortierte ich gut und gerne regelmäßig aus und ging mit Oma Elli nebst Isokanne Kaffee auf Flohmärkte, um gesammelten Schätzen ein neues Zuhause zu offerieren. Diese Sonntage liebte ich: wir wurden meist einen Großteil unserer Sachen los, ich zog umher und fand hier und da gewiss auch etwas „Neues Altes“ für mich und es gab belegte Brote und Zitronenlimo von „Omma“. Herrlich!

Retrospektiv hat sich dort möglicherweise meine Flohmarkt-Leidenschaft geformt, die sich bis heute vollzieht und was mich auch schon auf die erste meiner ganz persönlichen Minimalismus-Regeln bringt:

„Wenn ein neues Teil kommt, geht ein Altes.“

Damit klappt es bei mir im Kleiderschrank zum Beispiel besonders gut. Ich erfreue mich an meinem neuen Teil und sortiere gleichzeitig ein Teil aus, was gehen darf. Wobei die zweite Regel wie folgt benannt werden kann:

„Buy less, choose well and make it last.“

Ich liebe Mode, Einrichtung, Produktdesign und noch so vieles mehr, habe mein Kaufverhalten in den letzten Jahren jedoch absolut revolutioniert. Warum? Weil ich meinen Stil in vielerlei Hinsicht gefunden habe und weiß, wo ich etwas finde. Als Liebhaberin von skandinavischer Einrichtung und puristischer Mode in schwarz, weiß, grau und nude kann ich nahezu alle Teile meiner „Kollektion“ miteinander kombinieren. So gibt es eigentlich nur Lieblingsstücke in meinem Schrank, die sich hervorragend kombinieren lassen und meinen ganz eigenen Stil ausmachen.

Stundenlange Shoppingtouren waren mal mein Workout, dann ging es gern einmal an einem Samstag in zwei bis drei Innenstädte oder Shoppinghöllen, ein Hop-on-hop-of-Bus wäre da eine super Sache gewesen! Diese Zeit möchte ich mittlerweile dafür nicht mehr investieren, wenn auch ich es liebe, umher zu bummeln und neue kleine Städte im In- und Ausland kennenzulernen, einen guten Kaffee zu schlürfen und zu entdecken und zu staunen. Ich kaufe mittlerweile größtenteils auf Flohmärkten, weil sich diese ganz eigene Kultur in den letzten Jahren auch unfassbar gut und fernab der Rasierklingen-Ramschmärkte gemacht hat.

Spezielle Klamottenflohmärkte, Nachtmärkte und neuerdings auch der Babykram-Flohmarkt zeigen mir immer wieder auf: wir alle brauchen eigentlich kaum etwas neu kaufen, jeder hat mehr als genug Zuhause und jedes Teil findet meist auch einen Abnehmer, der mehr oder weniger gezielt danach gesucht hat. Übrigens: wenn ich gezielt etwas suche und offline nicht fündig wurde, dann nutze ich Online-Plattformen und Social Media-Kanäle.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: ich brauche es nicht neu (online oder offline) kaufen, bin unabhängig von Raum und Zeit (Möbelstücke an einem Sonntagnachmittag abholen und mit einem Café im Lieblingsviertel der Nachbarstadt verbinden ist toll!), habe etwas für meinen ökologischen Fußabdruck getan und spare hinzukommend noch meist Einiges gegenüber vom Neupreis. Und gleich so funktioniert es eben auch andersherum: obwohl wir zwei kleine Haushalte zusammengelegt haben, trennten wir uns von vielerlei Objekten und leben nun sehr...sagen wir mal „clean“. Dazu passend die (vorerst) letzte Regel:

„Weniger, aber wertvoll und nützlich“

Warum die geräumige 3-Zimmer-Wohnung mit Objekten belagern, die keinerlei Nutzen haben oder einfach nur schön aussehen? Klar, da müssen sich beide Partner und oder Mitbewohner einig sein, wir sind es glücklicherweise und mögen es ruhig und clean, dennoch nicht minder detailverliebt und mit Charakter.

Einzelstücke- GO! Persönliche Lieblingsteile – GO! Massive Möbelstücke – NO, diese lassen weniger Spielraum für Veränderungen.

Veränderungen sind auch machbar, indem man das Sofa neu bezieht, Kissenhüllen austauscht, ein neues Paar Vorhänge besorgt. Und so sollte es auch sein, dass wir unsere Wunschküche online und gebraucht in der Nachbarschaft finden (oder sie uns?!) anstatt eine lange Lieferzeit und ein weniger zutreffendes Alternativmodell in Kauf zu nehmen.

Auch hier hat nun alles seinen Platz gefunden und bis auf den Basilikumstrauch ziert noch rein gar nichts die seidenweiße Arbeitsplatte. Ob wir da noch was für brauchen?

Nein, denn:

LESS IS GOLD.

L.